Technologie
Demonstranten koordinieren sich per Handy

Hongkong: Proteste treiben Downloads von Telegram-App

Die Telegram-App verzeichnet massive Downloads in Hongkong, wo man sie zur Organisation der Proteste gegen die Regierung einsetzt.
21.08.2019 17:15
Lesezeit: 1 min

In Hongkong sind die Nutzerzahlen der Telegram-App in den vergangenen Monaten stark angestiegen. Dieser Zustrom zu der Nachrichten-App begann vor dem Hintergrund der Massenproteste und Demonstrationen gegen die Regierung. Im Juli hat Telegram in Hongkong rund 110.000 neue Nutzer über Apples App-Store und über Google Play hinzugewonnen, wie neue Daten von Sensor Tower zeigen. Die Zahl der Downloads hat sich damit gegenüber dem Vorjahresmonat mehr als vervierfacht.

In Hongkong ist die App im Juli auf Platz 7 der am häufigsten heruntergeladenen Apps aufgestiegen - von Platz 88 ein Jahr zuvor. Insgesamt ist Telegram in Hongkong jetzt auf 1,7 Millionen Smartphones installiert. Zum Vergleich: Die Stadt hat 7,4 Millionen Einwohner.

Auch weltweit hat die Telegram-App im Vergleich zum Juli vergangenen Jahres fast eine Verdopplung seiner Downloads verzeichnet. Die App ist inzwischen weltweit auf rund 365 Millionen Geräten installiert.

Auch andere Apps wurden in Hongkong zuletzt häufiger heruntergeladen. Denn die dortigen Demonstranten sind darum bemüht, dass die Behörden ihre Kommunikation nicht ausspionieren oder behindern können, was bei anderen Handy-Apps nicht unbedingt der Fall ist.

So verzeichnete das Nachrichtenbrett LIHKG, das auch als "Hongkongs Reddit" bezeichnet wird, im vergangenen Monat einen Anstieg der erstmaligen Downloads um 900 Prozent zum Vorjahr auf 120.000 neue Nutzer. Es war  im vergangenen Monat die Nummer 4 unter den Apps in Hongkong von Platz 287 vor einem Jahr.

Insgesamt haben sich die Downloads von Nachrichten-Apps nach Schätzungen von Sensor Tower im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Im vergangenen Monat haben sie 1,6 Millionen neue Nutzer hinzugewonnen.

Zu diesen Apps gehört auch Stand News, eine Quelle politischer Berichterstattung, die ein wichtiger Lieferant von Informationen über die Proteste und damit verbundene Themen war. Die App fügte im vergangenen Monat schätzungsweise 92.000 neue Nutzer hinzu.

Die rasante Zunahme der Nutzung mobiler Apps unterstreicht deren Bedeutung für die Koordination und Verbreitung von Informationen über Kundgebungen, Demonstrationen und andere Aktionen. Denn im Gegensatz zu früheren Protesten haben die Unruhen in Hongkong keine sichtbare zentrale Führung. Die Proteste in der internationalen Finanzmetropole entwickelten sich vor zwei Monaten aus dem Zorn großer Teile der Hongkonger Bevölkerung wegen des Versuchs der Regierung von Carrie Lam, ein Gesetz zu verabschieden, das Auslieferungen an China ermöglicht hätte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie Verbraucher mit Risiko umgehen – zwischen Finanzentscheidungen und digitaler Unterhaltung

Risiko ist ein Begleiter fast jeder wirtschaftlichen Entscheidung. Mal ist es größer, mal kleiner. Mal offensichtlich, mal schwer...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Viega: Wie ein Sauerländer Mittelständler den Weltmarkt für Pressverbindungstechnik dominiert
24.04.2026

Was niemand sieht, hält alles am Laufen. Ein Porträt über den Sauerländer Mittelständler Viega, der mit Pressverbindungstechnik...

DWN
Politik
Politik Bundestag beschließt Tankrabatt: Wie stark sinkt die Steuer?
24.04.2026

Ab 1. Mai sollen Benzin und Diesel günstiger werden - befristet für zwei Monate. Worum es geht und was es mit einer Prämie auf sich hat.

DWN
Panorama
Panorama Berliner Kultur-Beben: Senatorin Wedl-Wilson tritt nach Förder-Affäre zurück
24.04.2026

Nur fünf Monate vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus verliert Berlin seine Kultursenatorin. Sarah Wedl-Wilson zieht damit die Konsequenz aus...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 17: Die wichtigsten Analysen der Woche
24.04.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 17 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Boom-Branche Rüstung: Rheinmetall wird von Bewerbungswelle überrollt
24.04.2026

Vom umstrittenen Waffenbauer zum begehrten Top-Arbeitgeber: Der Düsseldorfer Konzern Rheinmetall erlebt einen beispiellosen Ansturm auf...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tesla-Aktie unter Druck: Warum KI-Investitionen das Kerngeschäft belasten
24.04.2026

Teslas Quartalszahlen fallen solide aus, doch die hohen Investitionen in KI, Robotik und autonomes Fahren verschärfen den Druck auf das...

DWN
Politik
Politik FCAS-Gipfel in Zypern: Merz und Macron verordnen neue Verhandlungsrunde
24.04.2026

Trotz festgefahrener Gespräche halten Deutschland und Frankreich am milliardenschweren Luftkampfsystem der Zukunft fest. Bei einem Treffen...

DWN
Finanzen
Finanzen Strom- und Gaskunden: Verivox-Chef warnt vor deutlich steigenden Gaspreisen
24.04.2026

Wer Auto fährt, wird entlastet - doch auch für die Strom- und Gaskunden kennen die Preise derzeit nur eine Richtung: nach oben.