Mit der Auflösung des Goldstandards brach der Weltkrieg aus

 

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27.08.2019 16:58  Aktualisiert: 27.08.2019 16:58
Der Goldstandard, der im 19. Jahrhundert einen beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichte, wurde in der Folge immer weiter aufgeweicht und am 15. August 1971 schließlich gänzlich aufgelöst. Seine Geschichte zeigt, wie das Gold den Mächtigen der Welt immer wieder im Weg stand.
Mit der Auflösung des Goldstandards brach der Weltkrieg aus
Illustration: Timo Würz

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Im Verlauf des 19. und frühen 20. Jahrhunderts waren die verschiedenen nationalen Währungen im Wesentlichen nur Bezeichnungen für ein bestimmtes Gewicht an Gold. So entsprach zum Beispiel die Goldmark des Deutschen Kaiserreichs 1000⁄2790 Gramm Feingold (heutiger Wert etwa 15 Euro) und der Dollar dem zwanzigsten Teil einer Goldunze.

Da die verschiedenen Währungen alle einem bestimmten Gewicht Gold entsprachen, waren die Wechselkurse fixiert. Gold war im 19. Jahrhundert also de facto die Weltwährung. Dies brachte eine enorme Erleichterung im globalen Handel mit sich und trug entscheidend zur fortschreitenden Spezialisierung und internationalen Arbeitsteilung in dieser Zeit bei.

Neben den offensichtlichen Vorteilen im Handel verhinderte der klassische Goldstandard außerdem eine zu starke Ausweitung der Geldmenge und die damit einhergehende Geldentwertung. Zudem gewährleistete die Goldkopplung einen automatischen Mechanismus, um die Zahlungsbilanzen der Staaten im Gleichgewicht zu halten.

Wenn ein Staat seine Menge an Papiergeld im Verhältnis zu seiner Goldmenge zu stark aufblähte, löste er damit eine Inflation aus. Die höheren Einkommen stimulierten die Importe, da Waren aus dem Ausland durch diese Politik billiger wurden als einheimische Waren. Aus demselben Grund führt eine zu starke Inflation auch zu einem Rückgang der Exporte.

Infolge des dadurch entstehenden Handelsdefizits tauschten die anderen Länder bei dem inflationären Staat ihren Fremdwährungsüberschuss in Gold um. Dieser Goldabfluss zwang dann den inflationären Staat dazu, seine Inflation wieder zurückzufahren, um einen Verlust seines gesamten Goldes zu verhindern.

Zwar haben Entwicklungen wie das inflationäre Bankgeschäft diesen unausweichlichen Mechanismus immer wieder verlangsamt, doch letztlich versperrte der klassische Goldstandard den Regierungen der Welt den Weg zu einer schrankenlosen Inflation und verhinderte so auch die Eskalation von Konjunkturzyklen.

Erster Weltkrieg: Ende des klassischen Goldstandards in Europa

Da die Staaten unter dem klassischen Goldstandard nicht beliebig viel Geld drucken konnten, war es ihnen auch praktisch unmöglich, teure Kriege zu führen. Um den katastrophalen Ersten Weltkriegs zu finanzieren, mussten die beteiligten Staaten den klassischen Goldstandard verlassen. Nur so konnten sie ihre hohen Kriegskosten bezahlen.

Alle im Ersten Weltkrieg kämpfenden Staaten außer den USA, die erst spät in den Krieg eintraten, erhöhten ihre Geldmengen so extrem, dass sie die Geldscheine nicht mehr im eigentlich garantierten Verhältnis in Gold einlösen konnten und dies daher kurz nach Kriegseintritt einstellen mussten – de facto eine Bankrotterklärung.

Anders als heute betrachteten damals die meisten Ökonomen diese Abkopplung des Geldes vom Gold als eine große Gefahr und suchten nach Wegen, die Stabilität des klassischen Goldstandards wiederherzustellen. Doch nach dem Ersten Weltkrieg konnten nur noch die Bürger in den USA ihre Dollars gegen Gold einlösen.

Während die USA beim klassischen Goldstandard blieben, führten die Länder Westeuropas einen Pseudo-Goldstandard ein. Dabei waren ihre Währungen zwar noch formal an Gold gekoppelt, doch das britische Pfund wurde nun nicht mehr mit Goldmünzen ausgezahlt, sondern nur noch als große Barren – und in den anderen Ländern nur noch in Pfund.

Aus Prestigegründen setzten die Briten dabei den Goldkurs auf das Vorkriegsniveau fest, was jedoch nach der extremen Ausweitung der Geldmenge im Weltkrieg auf Dauer nicht mehr tragbar war. Als Frankreich schließlich versuchte, seine Pfund gegen Gold einzulösen, musste Großbritannien die Kopplung des Pfunds zum Gold kappen.

Damit war Westeuropa zurückversetzt in das Währungschaos des Ersten Weltkriegs mit schwankenden Wechselkursen, Währungskriegen, Kapitalkontrollen und Handelsbarrieren, was schließlich auch den Weg zum Zweiten Weltkrieg ebnete. Der internationale Handel und internationale Investitionen kamen praktisch zum Erliegen.

Ende des klassischen Goldstandards in den USA

Im Jahr 1933 wurde der klassische Goldstandard auch in den USA abgeschafft. Die Bürger konnten nun ihre Dollar nicht mehr wie zuvor in Gold einlösen, ihnen wurde sogar der Goldbesitz insgesamt verboten. Allerdings etablierten nun die USA – ähnlich wie zuvor Großbritannien – eine Art Pseudo-Goldstandard.

Dabei konnten ausländische Regierungen und Zentralbanken Gold im Verhältnis von 35 Dollar pro Unze einlösen. In den USA blieb also eine Kopplung ans Gold bestehen. Zudem trug das monetäre Chaos in Europa dazu bei, dass aus Sicherheitsgründen viel Gold in die Vereinigten Staaten transferiert wurde.

Der Pseudo-Goldstandard von Bretton Woods

Unter Führung der USA wurde Mitte 1944 auf einer internationalen Konferenz in Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire die Währungsordnung für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg konzipiert. Das neue System ähnelte dem Pseudo-Goldstandard der 1920er Jahre in Europa, wobei jedoch der Dollar das Pfund als Leitwährung ersetzte.

Zwar wurde der Dollar mit Bretton Woods im Verhältnis 35 Dollar pro Unze an Gold gekoppelt, doch anders als einst beim klassischen Goldstandard konnten die US-Bürger ihre Dollar nicht für Gold einlösen. Die USA führten das System der 30er Jahre fort, als die Einlösung in Gold nur für ausländische Regierungen und Zentralbanken möglich war.

Das Ausland nutzte den Dollar nun im großen Stil als Reservewährung. Dies schien sinnvoll. Denn immerhin hielten die USA nach dem Krieg einen Goldvorrat im Umfang von mehr als 20.000 Tonnen. Es gab also viel Raum für Währungsinflation, bevor das Ausland unruhig werden und seine Ansprüche auf Gold für Dollar geltend machen würde.

Anfang der 50er Jahre setzten große europäische Regierungen auf eine relativ harte Geldpolitik – darunter Westdeutschland, die Schweiz und Frankreich. Im Zusammenspiel mit der steigenden Produktivität in Europa und später auch Japan führte dies zu anhaltenden Handelsüberschüssen mit den USA.

Zudem machten die USA im Laufe der 50er und 60er Jahre immer stärkere Defizite und erhöhten entsprechend die Dollarmenge, ohne dass auch die Goldmenge zur Deckung wuchs. Denn die Notwendigkeit zum Maßhalten, die einst durch den klassischen Goldstandard gegeben war, fehlte nun.

Unter dem klassischen Goldstandard hätten die ausländischen Regierungen ihre überschüssigen Dollar bei den USA in Gold eingelöst. Doch die Regeln von Bretton Woods sahen vor, dass die Staaten Westeuropas ihre Dollarreserven immer weiter erhöhen und diese zudem als Basis für die Aufblähung ihrer eigenen Währung verwenden.

Erst als die Kaufkraft des Dollars zu sinken begann, wurde man im Ausland zunehmend unruhig im Hinblick auf die Inflation in den USA. Entsprechende Beschwerden der Europäer, angeführt von Frankreich und Charles de Gaulles Berater Jacques Rueff, einem Befürworter des klassischen Goldstandards, führten in den USA nicht zum Umlenken.

Daher hatten die Staaten Europas nur eine Möglichkeit, sich gegen die Erodierung des Dollars zu wehren. Sie begannen, diese zum Kurs von 35 Dollar pro Unze in Gold einzulösen, so wie es ihnen in Bretton Woods garantiert worden war. So verloren die USA von Mitte der 50er bis Ende der 60er Jahre mehr als die Hälfte ihrer Goldreserven.

Das Ende von Bretton Woods

Den USA gelang es zunächst, den Goldabfluss nach Europa aufzuhalten, indem sie politischen Druck ausübten. Doch es fiel ihnen immer schwerer, den Goldpreis auf den Handelsmärkten in London und Zürich bei 35 Dollar pro Unze zu halten. Denn während US-Bürger schon seit 1934 keine Goldbarren und Münzen mehr besitzen durften, so hatten die Bürger anderer Staaten dieses Recht sehr wohl.

Privatanleger in Europa und anderswo bemerkten, dass die Garantie von Bretton Woods, 35 Dollar in eine Unze Gold einzulösen, infolge der jahrzehntelangen Inflation in den USA nicht aufrechtzuerhalten war. Sie lösten daher ihre Dollar verstärkt in Gold ein, solange dies noch möglich war.

Um den Dollar bei 35 Dollar pro Unze zu halten, musste die US-Regierung nun immer mehr Gold aus ihren schwindenden Vorräten entnehmen. Diese Entwicklung war nicht haltbar. Daher sahen sich die USA im März 1968 zu einer grundlegenden Änderung des Weltwährungssystems gezwungen.

Um Bretton Woods zu retten, schuf man einen zweistufigen Goldmarkt. Von nun an versuchten die USA nicht mehr, den Marktpreis bei 35 Dollar pro Unze Gold zu halten. In der Folge lag der Goldpreis auf dem freien Markt nun dauerhaft höher und kletterte Anfang 1973 sogar auf rund 125 Dollar pro Unze.

Mit den anderen Regierungen hingegen vereinbarten die USA, den Wert des Dollars weiterhin bei 35 Dollar pro Unze zu halten. Auch sollten die Regierungen und Zentralbanken der Welt künftig kein Gold mehr am Markt kaufen oder verkaufen, sondern nur noch untereinander transferieren.

Doch dieser Versuch, das System von Bretton Woods zu retten, schlug innerhalb weniger Jahre fehl. Inflation und Defizite in den USA hielten an, in Europa sammelten sich die Dollar an und Gold floss weiter aus den USA ab. Zudem zeigte der steigende Goldpreis auf dem freien Markt, dass die Welt das Vertrauen zum Dollar verloren hatte.

Als die Europäer schließlich damit drohten, einen Großteil ihrer angehäuften Dollarmenge in Gold umzuwandeln, zog US-Präsident Richard Nixon am 15. August 1971 die Notbremse. Er setzte das Abkommen Bretton Woods außer Kraft und stoppte die Auszahlung von Gold ins Ausland.

Die anderen Staaten der Welt nahmen diesen klaren Vertragsbruch hin. Sie akzeptierten, dass sie für ihre Dollar von den USA kein Gold mehr erhalten würden, wie es ihnen in Bretton Woods garantiert worden war. Zum ersten Mal in der Geschichte war der Dollar nun gänzlich vom Gold abgekoppelt - und damit auch alle anderen Währungen der Welt.

Ein Währungssystem ohne Gold

Ein letzter Versuch von US-Präsident Nixon, die Währungen der Welt weiterhin zu einem festen Kurs an den Dollar zu knüpfen, war zum Scheitern verurteilt. Denn die US-Währung war nun nicht mehr in Gold konvertierbar, sodass ihr Wert ganz von der US-Politik abhing. Darauf wollten sich die europäischen Regierungen vor dem Hintergrund von Inflation und Wertverfall des Dollars nicht einlassen. Denn um die Kopplung an den Dollar zu halten, hätten sie auch die eigenen Währungen stark inflationieren müssen.

Seit März 1973 hat die Welt nun ein Währungssystem mit schwankenden Wechselkursen und ohne jedwede Kopplung an Gold. Seitdem wurde die stärkste Inflation der Geschichte – abgesehen von Kriegszeiten – vorangetrieben. Denn Haushaltsdisziplin war nun weniger dringend und Währungskriege zur Ankurbelung der eigenen Exportwirtschaft schienen verlockend.

Ökonomen der Schulen von John Maynard Keynes und Milton Friedman hatten vorausgesagt, dass der Goldpreis einbrechen würde, wenn Gold nicht mehr zur Deckung des Geldes gebraucht wird. Doch das Gegenteil geschah. Der Goldpreis ist seit dem Ende von Bretton Woods massiv angestiegen und liegt derzeit in zahlreichen Währungen wie dem japanischen Yen, dem australischen Dollar und dem Euro auf einem Allzeithoch.

Zuletzt hat es wieder Spekulationen über eine mögliche Wiederkehr des Goldstandards gegeben, da die Zentralbanken der Welt zuletzt so viel Gold gekauft haben wie nie zuvor. Doch große Hoffnungen sollte man damit nicht verbinden. Denn auch wenn der klassische Goldstandard im Westen eine Phase extremen wirtschaftlichen Fortschritts ermöglicht hat, so ist doch seine größte Schwäche offenbar geworden: Staaten sind niemals wirklich an ihn gebunden und können ihn bei Bedarf jederzeit außer Kraft setzen.

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