Gemischtes
Wirbel um Leiharbeiter im Werk Emden

VW bestellt Hotelzimmer: Slowakische Arbeiter wollen nicht auf Wohn-Schiff bleiben

Die slowakischen Ersatz-Arbeiter im Emdener VW-Werk haben sich über ihre Unterbringung auf einem Hotel-Schiff beschwert. Volkswagen gibt nach und stellt Hotelzimmer zur Verfügung.
26.08.2019 10:25
Lesezeit: 2 min

Um die slowakischen Arbeiter im Emdener VW-Werk gibt es weiter Wirbel: Wie das lokale Medium „Ostfriesen-Zeitung“ (OZ) berichtet, haben sich die Mittel-Osteuropäer massiv über ihre Unterbringung beschwert. Die bislang 80 Männer und Frauen waren von VW auf einem Hotelschiff, der „Rossini“, einquartiert worden. Dort stand jedem ein klimatisiertes Einzelzimmer samt Bad zur Verfügung. Das Frühstück war kostenlos, genauso wie die Parkplätze für die Autos, die den Gästen - ebenfalls umsonst - vom Werk überlassen werden.

Zufrieden waren die Slowaken allerdings nicht. In diversen sozialen Netzwerken machten sie ihrem Unmut Luft. Laut eines Insiders sollen Bilder von 4- und 5-Sterne-Schiffen in Umlauf gebracht worden sein - wohl, um den Unterschied zur „Rossini“ zu demonstrieren. Deren Zustand bezeichnete der Personalleiter und gleichzeitig Sprecher des VW-Werks, Klaus Fröhling, gegenüber der OZ als „funktional eingerichtet …. sicherlich nicht luxuriös, aber tadellos“.

Volkswagen ist eingeknickt und hat - auf Firmenkosten - Hotelzimmer gemietet. „Auch wenn die Beschwerden nicht berechtigt waren“, wie Fröhling den Deutschen Wirtschaftsnachrichten auf Anfrage mitteilte. Und weiter: „Alle Kolleginnen und Kollegen können somit wunschgemäß in entsprechende Unterkünfte umziehen.“

Allein, dass die Slowaken da sind, hat für Wirbel gesorgt. Geholt wurden sie, weil das Werk in der zweiten Jahreshälfte sehr gut ausgelastet ist. Kürzlich waren die befristeten Verträge von rund 500 Mitarbeitern aus der Region nicht verlängert worden - für diese Personalpolitik ist das VW-Management schwer in die Kritik geraten.

Michael Hehemann von der IG Metall Emden zeigte sich gegenüber den Deutschen Wirtschaftsnachrichten äußerst erbost: „Es kann doch nicht sein, dass man 500 Leute vor die Tür setzt, die wenige Monate später an allen Ecken und Enden fehlen. Warum man sie nicht behalten hat? Nicht etwa, weil man sie nicht behalten konnte, sondern weil man sie nicht behalten wollte. Es ist unglaublich: VW weiß, welche Stückzahlen man 2024 oder 2025 produzieren will, aber ein paar Monate im Voraus kann man nicht planen. Tatsache ist, dass das Unternehmen seinen Fehler (die Nichtverlängerung der befristeten Arbeitsverträge - Anm. d. Red.) nicht eingestehen will. Das ist der einzige Grund, warum man die Kollegen nicht zurückholt.“

Was die Slowaken angeht: Laut Fröhlich handelt es sich „um Stammbelegschaft aus dem Standort Bratislava“, und zwar um sogenannte „Leistungslöhner“. Das sind Arbeiter, die nicht nach Zeit, sondern nach Leistung bezahlt werden. Die Löhne bei VW in der Slowakei sind rund ein Drittel bis ein Viertel niedriger als bei VW in Deutschland. Fröhlich auf Anfrage der DWN: „Die slowakischen Kolleginnen und Kollegen werden entsprechend der Volkswagen-internen Entsendungsrichtlinien vergütet. Dabei ist zu beachten, dass sich die Vergütung aus unterschiedlichen Bestandteilen zusammensetzt, die zusammen genommen dem Vergütungsniveau der Emder Kolleginnen und Kollegen mit vergleichbaren Tätigkeiten entspricht.“

Der Betriebsrat des Emdener Werkes ließ Anfragen der DWN unbeantwortet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie Verbraucher mit Risiko umgehen – zwischen Finanzentscheidungen und digitaler Unterhaltung

Risiko ist ein Begleiter fast jeder wirtschaftlichen Entscheidung. Mal ist es größer, mal kleiner. Mal offensichtlich, mal schwer...

DWN
Politik
Politik Großzügig, teuer, umstritten: Wie tragfähig ist unser Sozialstaat noch?
25.04.2026

Arbeit soll sich lohnen. So lautet das Versprechen. Doch zwischen Grundsicherung, Arbeitsanreizen und Fachkräftemangel werden die Zweifel...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neues E-Auto von Volkswagen: Cupra Raval im Test
25.04.2026

Der Cupra Raval rückt als günstiges Elektroauto in den Fokus der europäischen Herstellerstrategie. Kann das Modell eine neue...

DWN
Panorama
Panorama 40 Jahre nach Tschernobyl: Die langfristigen Folgen für Deutschland
25.04.2026

Die Nuklearkatastrophe von 1986 wirkt bis heute nach – auch in Deutschland. Doch wie stark ist die Strahlenbelastung 40 Jahre nach...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Open-XDR gegen Cyberangriffe: Wie Unternehmen den Überblick behalten
25.04.2026

Unternehmen stehen angesichts wachsender Cyberangriffe und komplexer IT-Strukturen vor der Herausforderung, Sicherheitsrisiken schneller...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Wettbewerbsfähigkeit: Draghi-Bericht setzt neue Maßstäbe in der EU-Politik
25.04.2026

Draghis Bericht zu Europas Wettbewerbsfähigkeit gewinnt in Brüssel spürbar an Einfluss und prägt zentrale wirtschaftspolitische...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: S&P 500 steigt dank Tech-Gewinnen, obwohl die meisten Aktien an der Wall Street fallen
24.04.2026

Entdecken Sie, welche überraschenden Dynamiken die Märkte in dieser volatilen Phase antreiben und warum nicht alles so ist, wie es auf...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Viega: Wie ein Sauerländer Mittelständler den Weltmarkt für Pressverbindungstechnik dominiert
24.04.2026

Was niemand sieht, hält alles am Laufen. Ein Porträt über den Sauerländer Mittelständler Viega, der mit Pressverbindungstechnik...

DWN
Politik
Politik Bundestag beschließt Tankrabatt: Wie stark sinkt die Steuer?
24.04.2026

Ab 1. Mai sollen Benzin und Diesel günstiger werden - befristet für zwei Monate. Worum es geht und was es mit einer Prämie auf sich hat.