Finanzen

Internationaler Bankenverband: „Griechenland-Austritt löst Insolvenz der EZB aus“

Lesezeit: 2 min
27.05.2012 00:29
Der internationale Bankenverband IIF glaubt, dass ein griechischer Austritt aus dem Euro zur sofortigen Insolvenz der EZB wäre führen würde. Mit dem bescheidenen Beitrag von 10 weiteren Milliarden durch die deutschen Steuerzahler und einer geringfügigen Verschiebung des Sparprogramms um zwei Jahre könnte man das Problem Griechenland nach Ansicht von Charles Dallara leicht lösen.
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Der Chef des Internationalen Bankenverbandes IIF, Charles Dallara, hat in einem Interview mit Bloomberg TV in Rom all jene gewarnt, die glauben, dass die Weltwirtschaft einen Austritt Griechenlands aus dem Euro verdauen könnte. . Offenbar sind die Verbindlichkeiten der globalen Banken noch immer unerwartet hoch – der Chef des Bankenverbandes fürchtet scheinbar einen globalen Banken-Crash im Falle eines Austritts der Griechen. Dallara sagte: „Ein Austritt kann nicht gelingen. Die Kosten wären mindestens eine Billion Euro. Allein die Forderungen, die die Europäische Zentralbank gegenüber Griechenland hat, sind doppelt so hoch wie das Eigenkapital. Die EZB wäre insolvent, wenn Griechenland aus dem Euro austritt.“

Daher glaube er nicht an das Szenario, dass die EZB im Falle eines Griechenland-Austritts einspringen könnte, um eine Ansteckung der anderen Staaten zu verhindern: „Woher sollte das Geld kommen? Die Europäer müssten zuerst die EZB selbst rekapitalisieren.“

Für Dallara stellt sich die Lage in Griechenland weit weniger kritisch dar als allgemein diskutiert. Er sagte, dass eine sehr überschaubare weitere Hilfe von etwa 10 Milliarden Euro den Griechen genügen würde, um die kritische Phase zu überstehen: „Das ist eine sehr bescheidene Summe im Vergleich zu dem, was bereits auf dem Tisch liegt.“ Dallara sprach sich auch dafür aus, dass man die von der Troika aus IWF, EU und EZB geforderten Sparmaßnahmen um „zwölf, vielleicht 24 Monate aussetzen“ sollte. In dieser Zeit sollte man sich auf Wachstum konzentrieren.

Dallara kleidete seine Philosophie in für einen Banker ungewohnt blumige Worte: „Man sollte den Griechen einen kleinen Ölzweig reichen, der genau beschrieben ist, in Nuancen präsentiert – nicht als eine Alternative zu einer fundamentalen Reform, sonders als Eingeständnis, dass einige Element der Reform nicht gut designed waren. Ich würde das eher früher als später machen.“

Dallara hat erst kürzlich gefordert, die EU solle Griechenland erlauben, wieder mehr Schulden zu machen (hier). Außerdem hatte er ausgeführt, dass der Austritt Griechenlands aus seiner Sicht den Armageddon bedeuten würde (hier).

Dallaras Wortmeldung steht im fundamentalen Gegensatz zur Position der Europäischen Zentralbank und insbesondere der Deutschen Bundesbank: Beide sind strikt gegen eine Aufgabe des Sparprogramms. Insbesondere ist man bei der Bundesbank schon lange aufgebracht, dass die griechischen Politiker bisher keine der vereinbarten Sparauflagen erfüllt hätten (hier). Dallara widerspricht allerdings auch dem Deutschen Bankenverband. Dessen Präsident Andreas Schmitz hatte kürzlich gesagt, dass ein Austritt Griechenlands zu bewerkstelligen wäre, weil er ohnehin schon eingepreist sei.

Was an Dallaras Wortmeldung besonders erstaunt, ist die Behauptung, dass Griechenland mit weiteren 10 Milliarden Euro von den europäischen Steuerzahlern auf den Wachstumspfad zurückgebracht werden könne: Schon bisher haben 380 Milliarden Euro an Hilfsgeldern den Griechen kein Wachstum, sondern fünf Jahre Rezession gebracht (hier). Offenkundig will Dallara Griechenland nicht als ein weiterhin attraktives Geschäftsfeld in den Segmenten Derivate, Kunstprodukte und Zinszahlungen für die internationalen Banken verlieren.

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