Politik

Papst Franziskus: Beendet die Anbetung des goldenen Kalbes!

Lesezeit: 2 min
17.05.2013 02:29
Papst Franziskus fordert eine Abkehr vom Kult um das Geld. Das wird die Krise nicht lösen. Von der Kirche wird eine fundamentale Kritik an der verantwortungslosen Schuldenpolitik erwartet. Damit könnte sich der Papst richtig unbeliebt machen.
Papst Franziskus: Beendet die Anbetung des goldenen Kalbes!

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Papst Franziskus hat sich mit einer deutlichen Kritik am Kapitalismus zu Wort gemeldet.

Am Donnerstag sagte der Papst bei einer Audienz im Vatikan:

Die Menschen müssen derzeit kämpfen, um zu leben, und häufig auch, um auf eine unwürdige Weise zu leben. Eine der Ursachen für diese Situation liegt meiner Meinung nach in unserer Beziehung zum Geld und unserer Akzeptanz seiner Macht über uns und unsere Gesellschaft.

(…) Die Anbetung des goldenen Kalbes aus den alten Zeiten hat ein neues und herzloses Bild im Kult des Geldes und der Diktatur der Wirtschaft gefunden.

Die weltweite Finanz-und Wirtschaftskrise scheint diese Verzerrungen zu untermalen, und vor allem die schwer defizitäre, menschliche Perspektive, die den Menschen auf seine Bedürfnisse allein, nämlich den Verbrauch, reduziert. Schlimmer noch, die Menschen selbst werden heute als Konsumgüter betrachtet, die genutzt und weggeworfen werden können. Wir haben eine Wegwerf-Kultur begonnen. Diese Tendenz spielt sich sowohl auf der Ebene der Individuen als auch ganzer Gesellschaften ab und sie wird gefördert! In Fällen wie diesen wird Solidarität, der Schatz der Armen, oft als kontraproduktiv und gegensätzlich zur Logik der Finanzen und der Wirtschaft angesehen.

Während das Einkommen einer Minderheit exponentiell zunimmt, muss dies vor der Mehrheit bezahlt werden. Dieses Ungleichgewicht resultiert aus Ideologien, die die absolute Autonomie der Märkte und Finanzspekulationen hochhalten, und die gleichzeitig das staatliche Recht auf Kontrolle infrage stellen.

Eine neue, unsichtbare und manchmal virtuelle Tyrannei wurde aufgebaut. Eine Tyrannei, die einseitig und unwiderruflich seine eigenen Gesetze und Regeln schafft. Darüber hinaus entfernen Verschuldung und Kredite Länder von ihrer realen Wirtschaft und Bürger von ihrer wirklichen Kaufkraft. Hinzu kommen (…) die weit verbreitete Korruption und die egoistische Steuerhinterziehung, die weltweite Dimensionen angenommen haben. Der Wille zu Macht und Besitz ist grenzenlos geworden.

Es bedarf einer Finanzreform nach ethischen Grundsätzen, die eine Wirtschaftsreform erzeugt, von der alle profitieren. Dafür ist allerdings eine mutige Änderung in der Einstellung der politisch Verantwortlichen notwendig. Ich fordere sie auf, diese Herausforderung mit Entschlossenheit und Weitsicht anzunehmen, unter Berücksichtigung ihrer besonderen Situationen. Geld ist da, um zu dienen, nicht, um zu herrschen! Der Papst ruft zu uneigennütziger Solidarität und einer Rückkehr zur personen-bezogenen Ethik in der Finanz- und Wirtschafts-Welt auf.

Die Botschaft des Papstes ist bemerkenswert. Er scheint die Rolle der Kirche als Sprachrohr der Armen ernst zu nehmen.

Allerdings ist eine platte Kapitalismus-Kritik keine Lösung für die Krise. Denn die Kritik am unethischen Verhalten müsste der Papst expressis verbis auf die politischen und gesellschaftlichen Strukturen ausweiten.

Die Katastrophe wird nicht abgewendet, indem man das Geld dämonisiert.

Jede staatliche Umverteilung führt zu neuer Ungerechtigkeit, wenn sie, wie aktuell der Fall, auf Schulden aufbaut.

Der Tanz ums Goldene Kalb manifestiert sich nicht nur in der Gier von Managern und Super-Reichen.

Er findet seinen bizarren Ausdruck vor allem in einer verantwortungslosen Schuldenpolitik, in der die Politik nur vorgibt, den Armen Gutes tun zu wollen. Das unablässige Schuldenmachen dient jedoch in Wahrheit dem knallharten Machterhalt.

Von der Katholischen Kirche wird daher neben der Ideologie-Kritik auch eine Gesellschafts-Kritik erwartet.

Sonst läuft der neue Papst Gefahr, herrschende Strukturen nicht abzubauen, sondern weiteren staatlichen Eingriffen und damit Beschränkungen der persönlichen Freiheit Vorschub zu leisten.

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