Finanzen

Zentralbanken senken Leitzinsen so häufig wie zuletzt im Krisenjahr 2009

Lesezeit: 5 min
04.09.2019 10:16  Aktualisiert: 04.09.2019 10:50
Im August gab es weltweit so viele Zinssenkungen wie zuletzt im Krisenjahr 2009.
Zentralbanken senken Leitzinsen so häufig wie zuletzt im Krisenjahr 2009
Im August hat Shaktikanta Das, der Gouverneur der Reserve Bank of India, den Leitzins das vierte Mal infolge gesenkt. (Foto: dpa)
Foto: Jagadeesh Nv

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Zahlreiche Zentralbanken weltweit - insbesondere in den sogenannten Schwellenländern - haben zuletzt ihre Leitzinsen gesenkt. Sie sind damit dem Vorbild der großen Notenbanken gefolgt, wie der Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank.

Im August gab es in den 37 Schwellenländern, die Reuters für einen Bericht untersucht hat, netto vierzehn Zinssenkungen. Das ist die höchste Zahl seit den geldpolitischen Maßnahmen in der Folge der Finanzkrise. Einige dieser Zinssenkungen - wie in Mexiko und Thailand - kamen komplett unerwartet für die Finanzmärkte.

Der August war der siebte Monat in Folge, in dem es netto mehr Zinssenkungen als Zinsanhebungen gab. Im Juli hatten die Zentralbanken der Schwellenländer insgesamt acht Zinssenkungen netto vollzogen.

Bis Januar 2019 hatte es in den 37 Schwellenländern neun Monate lang mindestens genauso viele die Zinserhöhungen wie Zinssenkungen gegeben, da die Zentralbanken sich bemühten, die steigende Inflation infolge des starken Dollars abzufangen.

Die folgende Übersicht zeigt, welche geldpolitischen Änderungen die Zentralbanken der 45 von Reuters untersuchten Schwellenländer zuletzt vollzogen haben.

  • Botswana - Die Zentralbank senkte den Leitzins am 29. August um 25 Basispunkte auf 4,75 Prozent.
  • Jamaika - Die Zentralbank senkte den Zinssatz am 28. August um 25 Basispunkte auf 0,50 Prozent.
  • Ägypten - Die ägyptische Zentralbank senkte den Tagesgeldsatz um 150 Basispunkte auf 14,25% am 22. August, dem ersten Rückgang seit Februar, nachdem die Inflationszahlen nach Juli deutlich unter den Erwartungen lagen.
  • Indonesien - Die Zentralbank hat am 22. August überraschend ihren Leitzins zum zweiten Mal in zwei Monaten gesenkt.
  • Paraguay - Die Zentralbank senkte den Leitzins am 21. August um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent.
  • Mexiko - Die Politik senkte am 15. August den Leitzins um 25 Basispunkte auf 8,00 Prozent. Es war die erste Senkung seit Juni 2014.
  • Mozambique - Die Zentralbank senkte ihren Leitzins am 14. August um 50 Basispunkte auf 12,75 Prozent.
  • Namibia - Die Politik senkte den Leitzins am 14. August um 25 Basispunkte auf 6,5 Prozent.
  • Mauritius - Die Zentralbank senkte den Leitzins am 9. August um 15 Basispunkte auf 3,35 Prozent.
  • Peru - Die Zentralbank senkte den Leitzins am 9. August auf 2,5 Prozent. Hintergrund ist eine erwartete Konjunkturabschwächung des weltweit zweitgrößten Kupferproduzenten.
  • Serbien - Die Zentralbank überraschte die Märkte, indem sie ihren Leitzins am 8. August um weitere 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent senkte, die zweite Senkung innerhalb weniger Monate.
  • Philippinen - Die Zentralbank senkte den Leitzins am 8. August, nachdem das Wirtschaftswachstum auf den schwächsten Stand seit 17 Quartalen gesunken war.
  • Indien - Die Reserve Bank of India (RBI) senkte ihre Leitzinsen am 7. August das vierte Mal in Folge mit einer etwas stärker als erwarteten Senkung. Hintergrund ist, dass die Wirtschaft fast so langsam wächst wie zuletzt vor fünf Jahren.
  • Belarus - Die Zentralbank sagte am 7. August, dass sie ihren Hauptzinssatz mit Wirkung vom 14. August um 50 Basispunkte auf 9,5 Prozent senkt.
  • Thailand - Die Zentralbanker haben den Leitzins am 7. August unerwartet gesenkt. Sie äußerten Sorge über die Stärke des Baht und das schwache Wirtschaftswachstum.
  • Jordanien - Die Zentralbank senkte Anfang August ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,5 Prozent.
  • Hongkong - Die Hong Kong Monetary Authority (HKMA) senkte den Leitzins am 1. August um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent. Es war die erste Senkung seit Ende 2008. Hongkongs Geldpolitik folgt der Federal Reserve, da der Hongkong-Dollar in einer engen Spanne von 7,75 bis 7,85 pro Dollar fixiert ist.
  • Moldau - Die Zentralbank erhöhte ihren Leitzins am 31. Juli um 50 Basispunkte auf 7,5 Prozent, um die steigende Inflation aufgrund von Lohnerhöhungen und höheren Lebensmittelpreisen zu bekämpfen.
  • Saudi-Arabien / Bahrain / VAE - Die Zentralbanken Saudi-Arabiens, Bahrains und der Vereinigten Arabischen Emirate - deren Währungen alle an den US-Dollar gekoppelt sind - senkten am 31. Juli die Leitzinsen, nachdem die US-Notenbank die Zinsen zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt gesenkt hatte.
  • Brasilien - In ihrer ersten Zinssenkung seit März 2018 senkte die Zentralbank ihren Leitzins am 31. Juli auf ein neues Tief von 6,00 Prozent, ein aggressiver erster Schritt in einem mit großer Spannung erwarteten Lockerungszyklus.
  • Aserbaidschan - Die Zentralbank sagte am 26. Juli, dass sie ihren Refinanzierungssatz um 25 Basispunkte auf 8,25 Prozent gesenkt hat.
  • Russland - Die Zentralbanker senkten den Leitzins am 26. Juli um 25 Basispunkte auf 7,25 Prozent und sagten, dass ein oder zwei weitere Kürzungen später in diesem Jahr möglich sind, da Russland mit einem schleppenden Wirtschaftswachstum konfrontiert ist.
  • Türkei - Die Zentralbank hat ihren Leitzins am 25. Juli mehr als erwartet um 425 Basispunkte auf 19,75 Prozent gesenkt, um eine von der Rezession betroffene Wirtschaft anzukurbeln.
  • Südafrika - Die Zentralbank senkte am 18. Juli wie erwartet ihren Leitzins, deutete aber an, dass weitere Zinssenkungen keine Selbstverständlichkeit seien.
  • Ukraine - Die Zentralbank senkte den Leitzins am 18. Juli um 50 Basispunkte auf 17 Prozent und verwies dabei auf einen rückläufigen Inflationstrend, der sich in den kommenden Monaten fortsetzen dürfte und den Weg für eine weitere monetäre Lockerung ebnen könnte.
  • Südkorea - Die Zentralbank lieferte am 18. Juli eine überraschende Zinssenkung und korrigierte die diesjährige Wachstumsprognose auf den niedrigsten Stand seit einem Jahrzehnt, da der Konflikt mit Japan den Druck auf die vom Handel abhängige Wirtschaft erhöht hat.
  • Pakistan - Die Zentralbank erhöhte den Leitzins am 16. Juli um 100 Basispunkte auf 13,25 Prozent und verwies dabei auf den erhöhten Inflationsdruck und einen wahrscheinlich kurzfristigen Preisanstieg aufgrund höherer Versorgungskosten.
  • Dominikanische Republik - Die Zentralbank senkte die Zinssätze am 30. Juni um 50 Basispunkte auf 5 Prozent.
  • Costa Rica - Die Zentralbank senkte den Leitzins am 20. Juni um 25 Basispunkte auf 4,50 Prozent.
  • Chile - Die chilenische Zentralbank senkte den Leitzins am 7. Juni unerwartet um 50 Basispunkte auf 2,5 Prozent, da sich das Land aufgrund des Handelsstreits zwischen den USA und China eine stärkere Konjunkturabschwächung erwartet.
  • Sri Lanka - Die Zentralbank senkte am 31. Mai wie erwartet ihre Leitzinsen um 50 Basispunkte, um die nachlassende Konjunktur zu stützen.
  • Tadschikistan - Die Zentralbank senkte den Refinanzierungssatz am 31. Mai um 150 Basispunkte auf 13,25 Prozent.
  • Kirgisien - Die Zentralbank des zentralasiatischen Landes senkte den Leitzins am 28. Mai um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent.
  • Angola - Die Zentralbank senkte ihren Leitzins am 24. Mai um 25 Basispunkte auf 15,5 Prozent.
  • Sambia - Die Zentralbank in Lusaka hat den Leitzins am 22. Mai um 50 Basispunkte auf 10,25 Prozent angehoben, um dem Inflationsdruck entgegenzuwirken und die makroökonomische Stabilität zu unterstützen.
  • Malaysia - Die Zentralbank war am 7. Mai die erste in Südostasien, die ihren Leitzins in diesem Jahr um 25 Basispunkte auf 3,0 Prozent senkte.
  • Ruanda - Die Zentralbank senkte ihren Leitzins am 6. Mai um 50 Basispunkte auf 5,0 Prozent.
  • Malawi - Die Zentralbank senkte am 3. Mai ihren Leitzins um 100 Basispunkte auf 3,5 Prozent.
  • Tschechische Republik - Die Tschechische Nationalbank erhöhte die Zinssätze am 2. Mai, um die steigende Inflation einzudämmen.
  • Kasachstan - Die Zentralbank senkte den Leitzins am 15. April um 25 Basispunkte auf 9,00 Prozent, nachdem Präsident Kassym-Jomart Tokajew angeordnet hatte, Kredite erschwinglicher zu machen.
  • Nigeria - Überraschend senkte die Zentralbank ihren Leitzins am 26. März um 50 Basispunkte auf 13,5 Prozent, um das Wachstum in der größten afrikanischen Volkswirtschaft anzukurbeln.
  • Georgien - Die Zentralbank senkte ihren Refinanzierungssatz am 13. März um 25 Basispunkte auf 6,5 Prozent und zitierte dabei Prognosen, wonach die jährliche Inflation in diesem Jahr in der Nähe ihres 3-Prozent-Ziels bleiben wird.
  • Tunesien - Die Zentralbank hat den Leitzins am 19. Februar um 100 Basispunkte auf 7,75 Prozent angehoben, um die hohe Inflation zu bekämpfen. Dies war die dritte Erhöhung in den letzten zwölf Monaten.

Der Grund dafür, dass die Zentralbanken der Schwellenländer im August die meisten Zinssenkungen seit einem Jahrzehnt vorgenommen haben, ist der Rückgang im Welthandel, der sich bis zum ersten Halbjahr 2020 noch deutlich verschärfen könnte. Schwellenländer werden davon am meisten beeinträchtigt, da ihre Volkswirtschaften in vielen Fällen von Exporten in die entwickelte Welt abhängig sind.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Unternehmen
Unternehmen Weniger Administration, mehr Innovation: Digitale bAV-Verwaltung schafft Raum für Neues

Was macht einen Arbeitsplatz attraktiver als andere. Sicherlich mehr als nur das monatliche Gehalt. Langfristiges Denken kann sich für...

DWN
Finanzen
Finanzen „Größter Crash der Geschichte“: Experten empfehlen Anlegern schnell zu handeln, um Vermögenswerte zu schützen

Finanzexperten empfehlen Klein- und Großanlegern, dass sie ihre Anlagestrategien überdenken, bevor es zu spät ist. Denn auf die Welt...

DWN
Finanzen
Finanzen EU will Bargeld-Obergrenze einführen: Was kommt als nächstes?

DWN-Gastautor Hansjörg Stützle analysiert, wie die Politik das Bargeld Schritt für Schritt abschafft. Der überzeugte...

DWN
Finanzen
Finanzen Wie die Superreichen ihr Geld sparen und dabei massiven Einfluss ausüben - und zwar ganz legal

Steuern sparen, Macht ausüben, und zwar völlig gesetzeskonform: Wie das geht, zeigt DWN-Kolumnist Ernst Wolff.

DWN
Finanzen
Finanzen Wie globale Finanzkrisen entstehen – und wie man den drohenden Crash erkennt

Finanzkrisen treten immer wieder auf. Die Börsenkurse stürzen dann innerhalb kürzester Zeit ins Bodenlose. Doch was sind die Auslöser...

DWN
Technologie
Technologie Ab dem 1. November funktioniert WhatsApp nicht mehr auf insgesamt 45 Smartphones

Ab dem 1. November 2021 wird WhatsApp auf 45 Smartphones und iPhones nicht mehr funktionieren. Hier können Sie die vollständige Liste der...

DWN
Technologie
Technologie E-Auto-Brandgefahr: Was ist ein Thermal Runaway?

Die Brandgefahr bei E-Autos beschäftigt Fachleute und Automobil-Clubs. Was in diesem Zusammenhang ein „Thermal Runaway“ ist und wie...

DWN
Politik
Politik Corona-Knaller in Österreich: Lockdown nur für Ungeimpfte beschlossen – wenn Intensivbetten ausgelastet sind

Die österreichische Regierung hat beschlossen, dass nur Ungeimpfte in den Lockdown müssen, wenn die Intensivbetten in den Krankenhäusern...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Rente mit 70 - sonst kollabiert unser System!

DWN-Kolumnist Ronald Barazon liefert eine umfassende Analyse unseres Wirtschafts- und Sozialsystems nach Corona.