Deutschland

Erstmals West-Nil-Virus in Deutschland aufgetaucht

Zum ersten Mal ist in Deutschland bei einem Menschen einer Erkrankung aufgrund des afrikanischen West-Nil-Virus diagnostiziert worden. Insgesamt scheinen mehr tropische Krankheiten nach Europa zu gelangen. In Spanien kam es im Sommer erstmals zu einer Infektion des sogenannten Chikungunya-Virus.
27.09.2019 10:35
Aktualisiert: 27.09.2019 10:43
Lesezeit: 3 min

Erstmals ist in Deutschland eine durch Mücken übertragene Erkrankung mit dem West-Nil-Virus bei einem Menschen bekannt geworden, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Der Patient aus Sachsen war an einer Gehirnentzündung erkrankt und ist nach einer Behandlung in einem Leipziger Klinikum inzwischen wieder gesund, wie das Robert Koch-Institut (RKI) und zwei weitere Wissenschaftsinstitute am Freitag mitteilten.

"Das Risiko weiterer Fälle nimmt derzeit ab, da die Zahl der Mücken im Herbst zurückgeht", erklärte RKI-Präsident Lothar Wieler. In den kommenden Sommern müsse in Deutschland jedoch mit weiteren West-Nil-Virus-Infektionen gerechnet werden. "Glücklicherweise verläuft der Großteil der Fälle mild", fügte Wieler hinzu.

Das West-Nil-Virus stammt ursprünglich aus Afrika. Die Erreger werden von Stechmücken zwischen Vögeln übertragen. Aber auch Säugetiere, vor allem Pferde, und Menschen können durch Mückenstiche infiziert werden. Übertragungen sind auch durch Bluttransfusionen möglich.

Durch Zugvögel und Stechmücken gelangte das Virus in nördlichere Regionen und kann dort während der Mückensaison verbreitet werden. Den Forschern zufolge trugen die durch den Klimawandel bedingten ungewöhnlich warmen Sommer der vergangenen beiden Jahre angeblich dazu bei, dass sich das Virus nördlich der Alpen etablierte.

Bereits in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Ausbrüche in Süd- und Zentraleuropa sowie in Schwarzmeerstaaten. 2018 und 2019 wiesen Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts und des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Deutschland mehr als 70 am West-Nil-Virus verendete Wild- und Zoovögel nach. Besonders betroffen ist Ostdeutschland. In diesem Jahr sind vermehrt auch Pferde betroffen, weshalb Pferdebesitzern in betroffenen Gebieten empfohlen wird, ihre Tiere impfen zu lassen. Hierzulande wird das Virus von heimischen Stechmücken der Gattung Culex übertragen.

Infektionen beim Menschen verlaufen zu rund 80 Prozent ohne Symptome, beim restlichen Fünftel mit meist milder Symptomatik wie Fieber oder Hautausschlag. Nur bei unter einem Prozent aller Betroffenen – in der Regel bei älteren Menschen mit Vorerkrankungen – kommt es zu einer Hirnhautentzündung oder seltener zu einer Entzündung des Gehirns, einer sogenannten Enzephalitis, die tödlich enden kann.

Impfstoffe oder eine spezifische Therapie für Menschen gibt es bislang nicht. Infektionen lassen sich nur durch Mückenschutz vorbeugen.

In Spanien hatten sich im Juni diesen Jahres erstmals Menschen mit dem sogenannten Chikungunya-Virus angesteckt. In der Urlaubs-Provinz Alicante im Osten des Landes infizierten demnach sich Touristen aus Island mit dem von Stechmücken übertragenen Virus, berichtet die dpa.

Wie Experten mitteilten, handelt es sich um die ersten Fälle einer lokalen Infektion in Spanien. Bei den Betroffenen handelt es sich um drei Mitglieder einer Familie, die im Mai an der Costa Blanca war. Wie die zuständigen Gesundheits-Behörden der Region Valencia damals mitteilten, sind bislang keine weiteren Infektionsfälle bekannt. Man habe aber dennoch alle erforderliche Maßnahmen und Kontrollen eingeleitet, hieß es.

Das Virus wird vor allem von der Ägyptischen Tigermücke (Aedes aegypti) und der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) übertragen. Nach Angaben des Europäisches Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) ist das Virus in zahlreichen afrikanischen Ländern sowie im Süden und Südosten Asiens verbreitet. Nach einer rasanten Ausbreitung in Mittel- und Südamerika tritt es seit einigen Jahren vereinzelt auch in Europa auf, laut ECDC erstmals 2007 in Italien, später auch in Frankreich.

«Das ist aber der erste Fall einer Infektion in Spanien überhaupt», sagte ein Sprecher der Gesundheitsbehörden in Valencia der Alicante-Zeitung Información. Man wisse aufgrund der Inkubationszeit, dass die Patienten bei ihrem Urlaub an der Costa Blanca in der zweiten Mai-Hälfte gestochen worden sein müssen, so der Sprecher. Nach ihrer Rückkehr sei die Erkrankung festgestellt worden. Die isländischen Behörden hätten sowohl die zuständigen spanischen Zentralbehörden in Madrid als auch die regionalen Gesundheitsbehörden in Valencia umgehend informiert, hieß es.

Chikungunya-Fieber geht mit grippetypischen Symptomen wie hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen einher. Die meisten Infizierten erholen sich vollständig, oft schon nach einer Woche. Gefährlicher ist das Virus für chronisch Kranke sowie für Schwangere und Säuglinge. Todesfälle sind aber äußerst selten. Einen Impfstoff oder eine gezielte Therapie gibt es bisher nicht.

Die ersten Fälle in Spanien seien aufgrund der zunehmenden Reisetätigkeit und Warentransporte - die die Mücken weltweit verschleppen - «zu erwarten» gewesen und vorerst auch nur Einzelfälle, sagte der Leiter der Abteilung für Tropenkrankheiten am Madrider Hospital Ramón y Cajal, Rogelio López-Vélez, der Zeitung El País. Sie seien aber dennoch sehr ernst zu nehmen. «Die Sterblichkeitsrate ist (bei Chikungunya) zwar nicht relevant, und anders als etwa beim hämorrhagischem Dengue-Fieber ist keine Behandlung auf der Intensivstation nötig, aber rund die Hälfte der Patienten leidet monatelang an Schmerzen und Steifheit (der Gelenke)», betonte er.

Den Urlaub in Spanien muss man nach Meinung von Experten aber nicht stornieren. Das ECDC empfiehlt Reisenden grundsätzlich, sich vor Mückenstichen zu schützen, etwa mit Abwehrmitteln, langer Kleidung und Moskitonetzen. In Deutschland gab es im Jahr 2017 insgesamt 33 Fälle von Chikungunya-Fieber, berichtet das Robert Koch-Institut in Berlin. Alle seien aus Urlaubsländern importiert worden, die meisten aus Indien und Brasilien. Die Überträger-Mücke Aedes albopticus sei regional in Deutschland anzutreffen.

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