Finanzen

Firmen-Insider stoßen auf breiter Front Aktien ab

Insider in den USA verkaufen so viele Aktien ihrer eigenen Unternehmen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Sie erwarten offenbar ein Ende des Bullenmarkts.
30.09.2019 12:54
Aktualisiert: 30.09.2019 12:55
Lesezeit: 2 min

In den vergangenen Monaten haben Unternehmensinsider - also etwa Geschäftsführer, Finanzchefs und andere leitende Angestellte - in einem Maße Aktien verkauft, wie zuletzt unmittelbar vor der Finanzkrise im Jahr 2007. Wie die Deutschen Wirtschaftsnachrichten vor Kurzem berichteten, hatten US-Insider allein im August Aktien im Wert von durchschnittlich 600 Millionen Dollar pro Tag verkauft. Dieser Trend hat sich im September offenbar noch verstärkt. Einer Studie des britischen Marktbeobachters Smart Insider zufolge ist der Markt inzwischen so stark aufgeblasen wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Demnach haben Insider von Anfang des Jahres bis Mitte September insgesamt 19 Milliarden Dollar an Aktien ihrer eigenen Unternehmen verkauft. Wenn die Insiderverkäufe sich in diesem Umfang fortsetzen, würden sie bis Jahresende ungefähr 26 Milliarden Dollar erreichen. Das wäre der höchste Wert seit dem Jahr 2000, als Führungskräfte kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase Aktien im Umfang von 37 Milliarden Dollar verkauften.

Zu den Insidern, die zuletzt Aktien ihrer eigenen Unternehmen verkauft haben, gehören die Mitglieder der Familie Walton, die zusammen 2,2 Milliarden Dollar an Aktien der Einzelhandelskette Walmart verkauft hatten. Ein Walmart-Sprecher sagte laut einem Bericht der Financial Times, dass die Familie Walton Aktien des Unternehmens verkauft habe, um mögliche weitere Erhöhungen ihres Anteils am Unternehmen auszugleichen, der aufgrund von Aktienrückkäufen auf rund 50 Prozent gestiegen sei - und um gemeinnützige Spenden zu finanzieren.

Investoren verwenden oft Daten über Insider-Aktienverkäufe als groben Indikator für das Vertrauen der Führungskräfte in die Perspektiven ihres eigenen Unternehmens. Die starken Verkäufe deuten darauf hin, dass die informierten Kreise in den Chefetagen der großen Konzerne und die hohen Bewertungen an der US-Börse zum Ausstieg nutzen. Denn zwar hat der US-Aktienmarkt in diesem Jahr neue Rekordhöhen erreicht. Doch die Abschwächung des globalen Wachstums und der anhaltende Handelsstreit zwischen den USA und China deuten auf eine mögliche Baisse auf den Aktienmärkten hin.

Die Daten zeigen, dass Insider die Aktienverkäufe Ende letzten Jahres pausierten, als ein volatiler Oktober und der schlechteste Dezember für US-Aktien seit 1931 den Markt belasteten, der das Jahr mit einem Rückgang von rund 6 Prozent beendete. Seitdem ist der breit aufgestellte US-Aktienindex S&P 500 wieder erstarkt und hat im laufenden Jahr fast ein Fünftel an Wert hinzugewonnen.

Die Daten von Smart Insider berücksichtigen keine Verkäufe von Aktien, die im Zusammenhang mit der Ausübung von Aktienoptionen durch Führungskräfte stehen. Außerdem werden steuerliche Verkäufe von der Analyse ausgenommen, da diese in der Regel automatisch über das Jahr hinweg getätigt werden. Doch solche Verkäufe können durchaus signifikant sein. So hat zum Beispiel Facebook-Chef Mark Zuckerberg seit Jahresbeginn Aktien im Umfang von 960 Millionen Dollar verkauft, so Angaben der US-Wertpapieraufsicht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kurzarbeit in Deutschland: 133 Millionen Stunden verloren – ein Warnsignal
09.05.2026

Die Zahl ausgefallener Arbeitsstunden durch Kurzarbeit steigt weiter an und signalisiert eine wachsende Belastung für die deutsche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Warum Europas Unternehmen unter Regulierung leiden
09.05.2026

Zwar gilt die EU vielen als Anker für Stabilität, doch im Mittelstand wächst der Unmut. Die regulatorische Dichte aus Brüssel wird...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wenn Führungskräfte scheitern: Warum Unternehmen Ideen oft nicht umsetzen
09.05.2026

Viele Führungskräfte scheitern nicht an Strategie oder Marktbedingungen, sondern daran, wie sie ihre Ideen im Unternehmen vermitteln und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Volvo EX60: Warum dieses Elektro-SUV Mercedes, BMW und Audi nervös machen dürfte
09.05.2026

Volvo baut mit dem EX60 nicht einfach ein neues Elektro-SUV, sondern eine Wette auf die Zukunft der Marke. Der Wagen soll beweisen, dass...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Streit um Obi-Orange: Warum Farben über Marken-Erfolg entscheiden
09.05.2026

Der Baumarkt Obi steht vor dem Bundesgerichtshof (BGH) im Streit um den rechtlichen Schutz seiner markanten Hausfarbe Orange. Der Fall...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Milliardenbaustelle Deutschland: Warum Großprojekte oft scheitern – und was sich strukturell ändern muss
09.05.2026

Vom Hauptstadtflughafen bis zum Bahnknoten Stuttgart: Deutschlands Großprojekte entwickeln sich oft zu Dauerbaustellen mit Kosten in...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Investitionen: Big Tech verbrennt Milliarden und muss Rendite liefern
09.05.2026

Die großen US-Techkonzerne melden starkes Wachstum, doch die Euphorie bekommt Risse. Microsoft, Amazon, Meta und Alphabet pumpen enorme...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: S&P 500 und Nasdaq wieder auf historischen Höchstständen
08.05.2026

Ein Handelstag der extremen Kontraste: Warum an der Börse Euphorie herrscht, während die Alltagssorgen wachsen.