Finanzen

WTO macht Weg für US-Strafzölle gegen europäische Importe frei

Der Welthandelsorganisation in Genf zufolge dürfen die USA Importzölle auf europäische Produkte in Höhe von 7,5 Milliarden Dollar erheben.
02.10.2019 16:15
Aktualisiert: 02.10.2019 16:22
Lesezeit: 1 min

Der Handelsstreit zwischen den USA und der Europäischen Union geht in die nächste Runde. Die USA dürfen nach einem Beschluss der Welthandelsorganisation WTO im Streit über Subventionen für Airbus EU-Importe im Wert von 7,5 Milliarden Euro mit Zöllen belegen. Dies erklärte das zuständige Streitschlichtungs-Gremium der WTO in Genf am Mittwoch. Die EU-Kommission warnte in einer ersten Reaktion, dass US-Zölle kurzsichtig und kontraproduktiv wären. Stattdessen sollten beide Seiten versuchen, eine faire Einigung zu finden, erklärte die Brüsseler Behörde. Sollten die USA Gegenmaßnahmen einleiten, würde die EU dies ihrerseits auch tun.

Die USA und Europa streiten vor der WTO seit 15 Jahren über milliardenschwere staatliche Hilfen für die Flugzeugbauer Airbus und Boeing, die die WTO jeweils für unzulässig erklärt hat. Die Regierung in Washington hatte daraufhin Zölle von bis zu 100 Prozent auf EU-Importe im Wert von 11,2 Milliarden Dollar beantragt. Die WTO reduzierte - wie in solchen Fällen üblich - das Volumen. Die EU hat vor der WTO im Gegenzug Strafzölle gegen die USA von rund zehn Milliarden Dollar gefordert. Eine Entscheidung des Tribunals darüber wird allerdings frühestens Anfang 2020 erwartet.

Wenn die USA sich für Zölle entscheiden sollte, werde die EU keine andere Möglichkeit haben, als das Gleiche zu tun, warnte EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström. Sie verwies darauf, dass die EU bereits im Juli konkrete Vorschläge zu Verhandlungen über eine Beilegung des Streit um Subventionen für Airbus und Boeing gemacht habe. Bislang hätten die Vereinigten Staaten darauf allerdings nicht reagiert. Bereits am Dienstag hatte Malmström nach einem EU-Ministerttreffen gesagt, dass sie mit der Einführung von US-Sonderzöllen bereits im Oktober rechne.

Sie könnten nach einer bei der WTO eingereichten Liste Produkte und Komponenten für die Luftfahrtindustrie, aber auch zahlreiche andere Waren wie etliche Käsesorten, Olivenöl, Orangen oder Meeresfrüchte treffen. Alles in allem wurde der US-Seite am Mittwoch die Erlaubnis für Vergeltungsmaßnahmen auf Wareneinfuhren im Wert von 7,5 Milliarden Dollar (derzeit rund 6,9 Mrd Euro) im Jahr erteilt.

Die EU hat im Fall Boeing vorsorglich Vergeltungsmaßnahmen auf Wareneinfuhren im Wert von rund 12 Milliarden Dollar (11 Mrd Euro) beantragt. Sie könnten Produkte wie Tomatenketchup, Handtaschen, Spielekonsolen und Hubschrauber betreffen.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die USA aus Gründen der nationalen Sicherheit Sonderzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte eingeführt. Die EU antwortete auch darauf mit Vergeltungszöllen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

DWN
Politik
Politik Neue Kandidaten für die Atombombe: Welches Land könnte die zehnte Atommacht werden?
19.10.2026

Iran steht einer eigenen Atomwaffe am nächsten, Saudi-Arabien baut ein Atomprogramm auf, technologisch überraschen dagegen Japan und...

DWN
Technologie
Technologie Elektromobilität: Wo Elektroautos besonders boomen
19.10.2026

Förderung, breitere Auswahl und die hohen Spritpreise treiben die Elektroautoneuzulassungen in Deutschland. In zwei Bundesländern fährt...

DWN
Politik
Politik Midterms: Trump geht auf Putin zu - Verständigung trotz Ukraine-Krieg
19.10.2026

Trump ist Selenskyj schon oft in den Rücken gefallen, in seinem aktuellen Kurs sehen einige Experten eine neue Qualität. Gibt der...

DWN
Politik
Politik Experte: Trumps neue Grönland-Ankündigung dreht sich um etwas ganz anderes
19.10.2026

Donald Trump kündigt eine großangelegte Suche nach Öl, Gas und kritischen Mineralien in Grönland an. Doch zwei Experten bezweifeln,...

DWN
Politik
Politik Heil statt Klingbeil? Ex-Arbeitsminister schließt Kandidatur für SPD-Vorsitz nicht aus
18.10.2026

Bekommt Lars Klingbeil jetzt Konkurrenz? Ex-Arbeitsminister Hubertus Heil bekommt nach eigenen Worten aus der SPD viele Ermutigungen, für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche in der Dauerkrise: Immer mehr Ausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen
18.10.2026

Die Krisen der vergangenen Jahre hinterlassen Spuren in der Psyche vieler Menschen und am Arbeitsmarkt: Immer mehr Arbeitnehmer fallen...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Generationenkaufgelegenheit? Weniger Technologie, mehr Gesundheit
18.10.2026

Der S&P 500 verzeichnet zwar ein Plus von zwölf Prozent, doch unter der Oberfläche zeichnet sich ein weitaus schwächeres Bild ab....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Methanemissionen: Energiepreise – EU-Kommission will Klimaregeln verschieben
18.10.2026

In Brüssel werden Mittel gegen die ausufernden Energiepreise gesucht. Einen Weg sieht die Kommission darin, bestimmte Klimaregeln später...