Finanzen

Trotz Preishausse: China deckt sich weiter mit Gold ein

Im September hat Chinas Zentralbank erneut mehrere Tonnen Gold gekauft. Wegen der angespannten Beziehungen zu den USA braucht das Land eine Absicherung gegen seine großen Dollarbestände
15.10.2019 18:08
Lesezeit: 1 min

Chinas Zentralbank hat seit Dezember letzten Jahres, als sie ihre monatlichen Goldkäufen wieder aufnahm, mehr als 100 Tonnen Gold zu seinen Reserven hinzugefügt. Das Land ist einer der weltweit wichtigsten Goldkäufer und verfolgt das Ziel, den Dollar-Anteil in seinen Währungsreserven spürbar zu verringern.

Im September hat Chinas Zentralbank den zehnten Monat in Folge Gold gekauft. Sie erhöhte ihre Bestände auf 62,64 Millionen Unzen, gegenüber 62,45 Millionen Unzen im August, wie die Daten auf ihrer Website zeigen. In Tonnen beläuft sich der jüngste Goldzufluss auf 5,9 Tonnen und folgt dem Zuwachs von rund 99,8 Tonnen in den letzten neun Monaten.

Der Goldpreis erreichte im September den höchsten Stand seit mehr als sechs Jahren, da das langsamere Wachstum der Weltwirtschaft, der Handelskrieg und die Zinssenkungen die Nachfrage der Anleger beflügelten. Auch die Zentralbanken waren große Abnehmer, insbesondere in den Schwellenländern. Die offiziellen Käufe werden wahrscheinlich fortgesetzt, da protektionistische Politik und geopolitische Bedenken die Nachfrage erhöhen, zitiert Bloomberg den Edelmetallanalysten Suki Cooper von der Standard Chartered Bank.

"Angesichts angespannter Beziehungen zu den USA braucht China eine Absicherung gegen seine großen Dollarbestände, und Gold erfüllt diese Funktion", sagte Howie Lee, Ökonom bei der in Singapur ansässigen Oversea-Chinese Banking Corp. "Da China zu einer eigenständigen Supermacht wird, erwarte ich mehr Goldkäufe."

Der Barrenkauf der PBOC hat sich vor dem Hintergrund des Handelskrieges mit den USA und einer deutlichen Verlangsamung des Wachstums im Inland entwickelt. Während die Verhandlungen auf hoher Ebene diese Woche in Washington wieder aufgenommen wurden, signalisieren chinesische Beamte, dass sie zunehmend zögern, einem breiten Abkommen zuzustimmen.

Zwar ist der Goldpreis im Verlauf des Monats September auch wegen der bevorstehenden Schließung des Shanghai Gold Exchange um 3,2 Prozent gefallen. Doch insgesamt liegt der Kursgewinn seit Jahresbeginn noch immer bei mehr als 17 Prozent.

Neben China hat zuletzt auch Russland erhebliche Mengen an Edelmetallen hinzugefügt. In den ersten sechs Monaten kauften die Zentralbanken weltweit 374,1 Tonnen hinzu. Sie haben dazu beigetragen, die gesamte Goldnachfrage auf ein Dreijahreshoch zu treiben, schreibt der World Gold Council.

Der September war der zehnte Monat in Folge, in dem Chinas Zentralbank Gold kaufte. In der Vergangenheit hatte es lange Zeiträume gegeben, über die die Zentralbank ihre Goldbestände nicht offenlegte. Als die Zentralbank Mitte 2015 einen Anstieg ihrer Goldreserven um 57 Prpzent auf 53,3 Millionen Unzen meldete, war dies die erste Aktualisierung seit sechs Jahren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: SpaceX steigt weiter, Händler zögern vor Zinsentscheidung der Fed
16.06.2026

Ein turbulenter Handelstag birgt Überraschungen – erfahren Sie, warum Investoren gerade jetzt besonders aufmerksam die Entwicklungen...

DWN
Technologie
Technologie Batterie-Boom treibt Deutschland in neue China-Abhängigkeit
16.06.2026

Deutschlands Batterieproduktion erreicht einen Rekordwert – doch mit dem Boom wächst zugleich die Abhängigkeit von China. Die Branche...

DWN
Politik
Politik Der EU-Waffenchef warnt eindringlich: "Wir produzieren die falschen Waffen!"
16.06.2026

Der EU-Verteidigungskommissar warnt vor einem gefährlichen Missverhältnis in Europas Rüstungsstrategie. Während Donald Trumps...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bund lehnt Unicredit-Angebot für Commerzbank ab
16.06.2026

Der Bund stellt sich offen gegen die Übernahme der Commerzbank durch die Unicredit und verschärft damit den Machtkampf um Deutschlands...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tankrabatt verpufft: Millionen bleiben bei den Konzernen
16.06.2026

Der Tankrabatt sollte Autofahrer entlasten – doch nach Einschätzung von Experten kam ein Teil der Milliarden gar nicht bei ihnen an.

DWN
Politik
Politik EU stimmt US-Zolldeal zu – und droht mit Gegenzöllen
16.06.2026

Die EU macht den Weg für das Zollabkommen mit den USA frei, baut aber ein Sicherheitsnetz gegen neue Alleingänge aus Washington ein....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kostenfalle Deutschland: Was Betriebe heute wirklich zahlen
16.06.2026

Energie doppelt so teuer wie in den USA, Lohnstückkosten 22 Prozent über globalem Schnitt, Bürokratie bindet 7 Prozent der Arbeitszeit,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autokrise in China setzt VW und Mercedes unter Druck
16.06.2026

China galt jahrelang als Wachstumsmotor der Autoindustrie – doch nun brechen die Verkäufe massiv ein und setzen auch deutsche Hersteller...