Finanzen

Autozulieferer Brose streicht in Deutschland 2000 Stellen

Der fränkische Autozulieferer Brose ist einer von derzeit vielen Zulieferbetrieben, die Stellen abbauen.
17.10.2019 11:52
Aktualisiert: 17.10.2019 11:57
Lesezeit: 1 min
Autozulieferer Brose streicht in Deutschland 2000 Stellen
Die undatierte Aufnahme zeigt eine Büste von Max Brose, den Firmengründer des Autozulieferers Brose auf dem Werksgelände in Coburg. (Foto: dpa) Foto: Brose

Der fränkische Autozulieferer Brose will in den kommenden drei Jahren jeden fünften Arbeitsplatz in Deutschland streichen. 2000 der rund 9000 Stellen sollten bis Ende 2022 wegfallen, teilte das Familienunternehmen am Donnerstag in Coburg mit. IG-Metall-Bezirksleiter Johann Horn sprach von einem "Kahlschlag". Auch im Ausland, wo Brose weitere 17.000 Mitarbeiter beschäftigt, seien "Personalanpassungen" geplant, erklärte ein Sprecher. Brose-Chef Kurt Sauernheimer verwies auf "massive Ergebniseinbrüche", von denen alle Geschäftsbereiche betroffen seien. Gründe dafür seien der rückläufige Markt in China und der Preisdruck. Es gebe aber auch interne Ursachen. "Wir wollen die Qualität verbessern (...) und Kosten im mittleren dreistelligen Millionenbereich senken, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken", sagte er.

Der Großteil der Streichungen entfällt auf die Verwaltung sowie auf die Werke in Bamberg, Hallstadt, Coburg und Würzburg. Dort beschäftigt Brose zusammen 7400 Mitarbeiter. Im Coburger Werk hatte die Belegschaft mit finanziellen Zugeständnissen im vergangenen Jahr einen Stellenabbau abgewendet. Die Produktion von Türschlössern in Wuppertal mit 200 Beschäftigten soll ins europäische Ausland verlagert werden. Weltweit hat Brose 26.000 Mitarbeiter.

Es gehe auch um den Abbau von Bürokratie und Hierarchien, sagte Sauernheimer. Betriebsbedingte Kündigungen wolle Brose weitgehend vermeiden. Für Coburg hatte sie Brose-Eigentümer Michael Stoschek zuletzt bis 2024 ausgeschlossen. Nur durch Einsparungen könne sich Brose Spielraum für Investitionen in Wachstum schaffen, hieß es nun. Bereits im Mai hatte der Konzern ein Sparprogramm angekündigt, die Dimension war jedoch bisher unklar. Die IG Metall erklärte, Brose nutze die Globalisierung nur als Vorwand für den Stellenabbau. Die Gewerkschaft schließe nicht aus, "dass damit auch interne Fehler kaschiert werden" sollten.

Im vergangenen Jahr war der Umsatz auf knapp 6,3 Milliarden Euro abgebröckelt, für 2019 plant Brose mit einem stagnierenden Volumen. Im ersten Quartal war der Umsatz nach früheren Angaben um fünf Prozent geschrumpft und der Gewinn eingebrochen.

Nordbayern ist von der Krise in der Autozulieferbranche stark betroffen. Schaeffler aus Herzogenaurach hat in diesem Jahr bereits die Streichung von fast 2000 Arbeitsplätzen im Inland angekündigt. Der französische Reifenhersteller Michelin schließt sein Werk in Hallstadt bei Bamberg mit mehr als 800 Beschäftigten.

Die deutsche Automobilbranche und deren Zulieferer befinden sich derzeit in einer schweren Krise - ausgelöst durch den Abschwung der Weltkonjunktur und den Feldzug gegen den Diesel-Antrieb.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU bietet chinesischen E-Auto-Herstellern Alternative zu Zusatz-Zöllen
12.01.2026

Statt die für 2024 geplanten Zusatz-Zölle zu erheben, schlägt die EU Herstellern von in China produzierten Elektroautos eine andere...

DWN
Politik
Politik Großbritannien entwickelt "Nightfall" Raketen für Ukraine
12.01.2026

Großbritannien plant, die Ukraine mit einer neu entwickelten ballistischen Kurzstreckenrakete zu unterstützen. Das...

DWN
Finanzen
Finanzen Powell im Visier der Justiz – Vorwürfe sorgen für Spannungen
12.01.2026

US-Notenbankchef Jerome Powell sieht sich aktuell nicht nur anhaltender Kritik von Präsident Trump ausgesetzt, sondern auch rechtlichen...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnung vermieten leicht gemacht? Diese 7 Fallen sollten Vermieter kennen
12.01.2026

Eine Eigentumswohnung kaufen und danach Wohnung vermieten klingt nach sicherer Rendite. Doch zwischen Kaufvertrag und regelmäßiger Miete...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Saturn-Filialen nehmen ab – Zukunft der Elektronikmarktkette ungewiss
12.01.2026

Das Filialnetz der Elektronikmarktkette Saturn steht vor weiteren Veränderungen. Nach der geplanten Übernahme durch den chinesischen...

DWN
Politik
Politik Trump bekennt Farbe: „Ich brauche kein internationales Recht“
12.01.2026

Donald Trump erklärt offen, dass er sich nicht an internationales Recht gebunden fühlt. In einem Interview mit der New York Times...

DWN
Finanzen
Finanzen Gold steigt auf Rekordhoch: Krisen und Zweifel treiben Anleger in sichere Häfen
12.01.2026

Internationale Spannungen und politische Unsicherheiten in den USA sorgen derzeit für spürbare Nervosität an den Finanzmärkten....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutschlands Unternehmen geraten zunehmend ins Straucheln
12.01.2026

Zum Jahreswechsel verdichten sich die Signale, dass viele Betriebe weiter unter massivem Druck stehen. Neue Zahlen und Einschätzungen von...