Technologie

Branchenverbände werden nervös: Zahl der neugebauten Windräder bricht stark ein

Lesezeit: 2 min
23.10.2019 11:43  Aktualisiert: 23.10.2019 11:47
Der Ausbau der Windkraft in Deutschland gerät ins Stocken. Die Branchenverbände werden nervös und fordern von der Politik freie Hand.
Branchenverbände werden nervös: Zahl der neugebauten Windräder bricht stark ein
Brandenburg, Dolgelin: Windenergieanlagen stehen in einem gelb blühenden Rapsfeld im Landkreis Märkisch-Oderland. (Foto: dpa)
Foto: Patrick Pleul

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der Ausbau neuer Windräder an Land in Deutschland ist gewaltig ins Stocken geraten - die Energiebranche spricht von einer "dramatischen Situation", berichtet die dpa. Offenbar herrscht eine gewisse Panik, die Branche sehe nun die Bundesregierung am Zug. "Die Delle beim Ausbau muss schnell beendet werden", sagte Wolfram Axthelm, Geschäftsführer beim Bundesverband Windenergie, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Die Bundesregierung muss zügiger gegensteuern. Maßnahmen etwa für mehr Flächen oder schnellere Genehmigungsverfahren müssen schon in diesem Jahr begonnen werden, damit sie Mitte des kommenden Jahres wirken."

Nach einer Analyse der Fachagentur Windenergie an Land gingen von Januar bis Ende September 2019 nur 148 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 507 Megawatt ans Netz. Dieser Wert sei in den vergangenen fünf Jahren jeweils schon im ersten Quartal erreicht worden. Die bisherige Neuanlagenleistung in diesem Jahr liege um 82 Prozent unter dem Durchschnitt der Vergleichszeiträume zwischen 2014 und 2018.

Hauptgründe für die Krise der deutschen Windkraft-Unternehmen sind lange Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen und viele Klagen von Anwohnern. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte nach einem "Windkraftgipfel" Anfang September angekündigt, zusammen mit den Ländern in den kommenden Monaten ein Maßnahmenprogramm zu erarbeiten, um den schleppenden Ausbau der Windkraft an Land wieder zu beschleunigen. Dabei soll es etwa darum gehen, mehr Flächen für Windparks verfügbar zu machen und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Außerdem soll die Akzeptanz erhöht werden - vor Ort gibt es viele Bürgerinitiativen gegen neue Windräder.

"Die negative Entwicklung beschleunigt sich", sagte Axthelm. "Wenn die Ausbaukrise anhält, hat das nicht nur Auswirkungen auf den Klimaschutz, sondern auch auf die Industriepolitik. Wertschöpfungsketten drohen auseinanderzubrechen, mit Folgen auch auf Jobs."

Der Energieverband BDEW sprach von einer "dramatische Situation". BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer sagte der dpa, so lasse sich das Ziel von 65 Prozent regenerativ erzeugtem Strom bis 2030 nicht erreichen. Nach BDEW-Berechnungen müssten jährlich zwischen 2,9 und 4,3 Gigawatt aus Windenergie an Land-Anlagen zugebaut werden. "Davon sind wir meilenweit entfernt."

Im Zuge der Energiewende sollen Kohle, Gas und Atomkraft durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden. Bis 2022 wird das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet sein, bis 2038 ist der Kohleausstieg geplant. Die Bundesregierung hat das Ziel, im Jahr 2030 einen Anteil aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind und Sonne am Stromverbrauch von 65 Prozent zu erreichen. Im ersten Halbjahr 2019 lag der Anteil nach BDEW-Zahlen bei 44 Prozent.

Bereits im ersten Halbjahr war der Ausbau der Windenergie an Land in Deutschland fast zum Erliegen gekommen. Aufgrund der Entwicklung sei davon auszugehen, dass der Gesamtzubau bis Jahresende die Schwelle von 1000 Megawatt nicht erreichen werde, so die Fachagentur. Der Bundesverband Windenergie hatte im Juli seine Prognose für das Gesamtjahr heruntergeschraubt, auf einen Zubau von rund 1500 Megawatt. In den Jahren 2014 bis 2017 lag der jährliche Zubau laut Branchenangaben noch bei durchschnittlich 4600 Megawatt.

Kapferer sagte, der BDEW habe zusammen mit Wirtschafts- und Umweltverbänden bereits zahlreiche Vorschläge vorgelegt, wie die Misere abgestellt werden könne. "Leider hat die Bundesregierung eine regelrechte Windausbau-Bremse in ihr Klimapaket eingebaut: Die pauschale Abstandsregelung von 1000 Metern ist völlig kontraproduktiv: Folge wäre eine drastische Einschränkung der Flächen, die den energie- und klimapolitischen Zielen diametral entgegensteht."

Die Koalition plant, dass bis zu einem Mindestabstand von 1000 Metern zu Wohnhäusern künftig keine neuen Windkraftanlagen errichtet oder alte Windräder durch neue, leistungsfähigere Anlagen ausgetauscht werden sollen. Derzeit gibt es in den Ländern unterschiedlich scharfe Regelungen. Außerdem sollen Kommunen finanziell mehr von Windparks profitieren.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Politik
Politik Die neue Große Depression steht der Welt noch bevor – Kursfeuerwerk an den Börsen ist eine Illusion

Dem US-Analysten James Rickards zufolge ist das Schlimmste im Verlauf der Corona-Krise noch nicht überstanden. Die Welt geht einer Großen...

DWN
Finanzen
Finanzen Anders als die EZB: Ungarn könnte als erstes EU-Land die Zinsen anheben

Ungarns Notenbank wird im Kampf gegen eine steigende Inflation möglicherweise schon im Juni die Zinsen anheben. Das Land gehört nicht zur...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflations-Angst: Bitcoin und Gold existieren außerhalb des Fiat-Geldsystems

Bitcoin und Gold werden von Investoren geschätzt, weil sie neben dem Fiat-Geldsystem als dezentrale Eigentumsformen bestehen können. Doch...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Konkurrent Ethereum setzt seinen Höhenflug fort

Ethereum eilt von Allzeithoch zu Allzeithoch. Damit entkoppelte sich die Währung in den letzten Wochen vom restlichen Kryptomarkt, der...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche zahlen weltweit höchste Steuern und Abgaben: Nun wollen Baerbock und Scholz eine Vermögenssteuer einführen

Nirgendwo auf der Welt ist die Steuer- und Abgabenlast so hoch wie in Deutschland. Grüne, SPD und Linke wollen jetzt noch eine...

DWN
Deutschland
Deutschland In diesen Städten gibt es das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für Eigentumswohnungen

Dortmund bietet einer Studie zufolge das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für Eigentumswohnungen.

DWN
Politik
Politik Laschet gegen Judenhass: Alle deutschen Staatsbürger müssen Staatsräson zum Schutz Israels teilen

Deutliche Worte des CDU-Chefs Armin Laschet gegen Judenhass. Die deutsche Staatsräson zum Schutz Israels erstreckt sich nach seinen Worten...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Baubranche leidet unter erheblichem Materialmangel

Die deutsche Baubranche leidet derzeit unter einem erheblichen Mangel an Grundstoffen und Vorprodukten.