Weltmarktführer kämpft gegen rückläufige Preise von Uran

 

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10.11.2019 13:00
Kasachstan setzt weiterhin voll auf die Atomkraft. Der Weltmarktführer für die Uranherstellung, Kazatomprom, muss allerdings mit einem ganzen Bündel an Problemen fertig werden.
Weltmarktführer kämpft gegen rückläufige Preise von Uran
Scheinwerfer beleuchten im Kernkraftwerk Gundremmingen (Bayern) den offenen Reaktor. (Foto: dpa).
Foto: Stefan Puchner

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Weltmarktpreise, die unter Druck stehen, wahrscheinlich rückläufige Verkäufe für 2019 und jetzt noch ein Kratzer am Image des Unternehmens durch einen unerwarteten Diebstahl: Das sind die wesentlichen Probleme, die der größte Uran-Produzent der Welt, Kazatomprom aus Kasachstan, derzeit unbedingt lösen muss. CEO Galymzhan Pirmatov, der seit August 2017 im Amt ist, steht vor schwierigen Aufgaben.

So hat der kasachische Sicherheit-Dienst KNBK gerade Ende Oktober einer vierköpfigen Gruppe von mutmaßlichen Verbrechern das Handwerk gelegt, die mehr als 240 Kilogramm Uran-Konzentrat verkaufen wollten. Der Fall ereignete sich in der Region Qysylorda, die im Süden Kasachstan liegt und in der zwischen 700.000 und 800.000 Einwohner leben.

„Die Gruppe ist verdächtig, sich nach Artikel 283, Absatz 2, des kasachischen Strafgesetzbuches strafbar gemacht zu haben“, berichtet das kasachische Portal „inform.buro.kz“. Dieser Artikel verbietet den illegalen Umgang mit radioaktiven Stoffen, Abfällen und Kernmaterialien.

„Kasachische Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Radioaktivität des Urans, das die Männer verkaufen wollten, ein Vielfaches die Sicherheitsnormen überschreitet, die im Land gelten“, schreibt die Publikation, ohne den Wert zu nennen, den das radioaktive Material auf dem Schwarzmarkt hat.

Nationaler Sicherheitsdienst muss bei illegalem Uranhandel einschreiten

Hintergrund: Der Rohstoff kann nach seiner Umwandlung in den Brennstoffzellen von Atomkraftwerken verwendet werden. Kasachstan exportiert den Großteil seiner Produktion ins Ausland. Der staatlich dominierte Konzern Kazatomprom kontrolliert 20 Prozent des Weltmarktes und ist damit unangefochtener Marktführer weltweit. Danach folgen Cameco aus den USA (15 Prozent) und Orano aus Frankreich (13 Prozent). Der Gesamtwert des Weltmarktes beträgt rund fünf Milliarden Dollar, wenn man die aktuellen Preise als Grundlage nimmt.

Da dieser Fall in der südkasachischen Provinz so wichtig war, hatte der Nationale Sicherheitsdienst höchstpersönlich die Sache übernommen. Sicherlich hört man immer solche Meldungen– und zwar aus allen Ländern. So gibt es auch in Deutschland einen Paragrafen, der den illegalen Handel mit radioaktivem Material verbietet.

Ein sehr berühmter Fall, den die deutsche Polizei aufdeckte, fand beispielsweise in Berlin statt. Ein Angehöriger der ukrainischen Botschaft und ein Sicherheits-Angestellter einer ukrainischen Bank wurden mit radioaktivem Material erwischt, das einen Wert auf dem Schwarzmarkt von 3,1 Millionen Euro hatte. Sie hatten den Stoff aus einem Konzern in Kiew entwendet und wollten es anderen Kriminellen verkaufen.

Doch werfen solche Nachrichten nie ein besonders gutes Licht auf die Unternehmen, weil sie in Verruf geraten, dass sie solche mutmaßlichen Diebstähle zulassen. Der CEO von Kazatomprom, Pirmatov, sicherte zwar sofort nach Bekanntwerden des Vorfalles den Verantwortlichen zu, dass er die Sicherheitsvorkehrungen bei seinem Produzenten verstärken werde. So sollten im Unternehmen mehr Monitore aufgestellt werden.

Trotzdem bleiben Kratzer am Image des staatlich dominierten Herstellers, der derzeit noch andere Probleme hat. Denn seine Geschäfte stehen unter Druck. So veröffentlichte der Produzent ein Update seiner Prognosen fürs laufende Jahr – kurz nachdem der Vorfall von den kasachischen Medien publiziert wurde.

„Unsere Produktion wird im laufenden Jahr wohl 22,8 Millionen Tonnen betragen“, erklärte der Unternehmenslenker. „Unsere Verkäufe dürften in der Spanne zwischen 15 und 16 Millionen Tonnen liegen“, so Pirmatov.

Sollte der Konzernchef Recht behalten, würden sich die Produktionsvolumina gegenüber dem Vorjahr wieder um fünf Prozent erhöhen. Und das, obwohl sie sich noch zwölf Monate um sieben Prozent verringert hatten. Allerdings würden die Verkäufe gegenüber 2018 im ungünstigen Falle sogar um fast zehn Prozent zurückgehen.

Katastrophe in Japan belastet immer noch die Preise

Die Weltmarkt-Preise sind seit der Katastrophe in Japan im März 2011 um fast 70 Prozent eingekracht. Und auch in den vergangenen zwölf Monate gab es grundsätzlich Verluste, auch wenn sich die Preise zwischenzeitlich wieder etwas erholt haben.

Sie haben sich innerhalb dieses Zeitraums im zweistelligen Prozentbereich reduziert und liegen aktuell bei Werten um 24 Dollar pro Pfund. Zusätzlich ist in den vergangenen vier Wochen ein Rückgang zwischen sechs und sieben Prozent zu erkennen. Darüber hinaus sind die Niveaus in den vergangenen sechs Monaten um vier bis fünf Prozent geringer geworden.

Ähnlich bietet der Aktienkurs von Kazatomprom derzeit kein klares Bild. Der staatlich dominierte Konzern hat Ende des vergangenen Jahres 15 Prozent seiner Anteile an der Londoner Börse angeboten. Der Emissionserlös lag brutto bei 450 Millionen Dollar. Die Aktie wird auch in Deutschland verkauft – und zwar unter anderem an der Frankfurter Börse:

Dort ist das Niveau im vergangenen Monat um ein knappes Prozent auf Werte auf 12,60 Euro gestiegen. Ebenso ist das Papier in den vergangenen zwölf Monaten um etwa 14 Prozent geklettert, während sie im vergangenen Halbjahr um elf Prozent rückläufig gewesen ist – eine Schaukelbewegung also.

Branchenvertretung: "Markt für Atomkraftwerke entwickelt sich hervorragend"

Immerhin gibt es aber auch positive Stimmen am Markt, die für klaren Optimismus sorgen. „Der Weltmarkt für Atomkraftwerke entwickelt sich derzeit hervorragend“, glaubt die Branchenvertretung „World Nuclear Association“ (WNA) ihren in aktuellem Überblick vom Ende Oktober. „Das Wachstum ist stark“, schreiben die Lobbyisten. „Denn mehr als 20 neue Reaktoren werden bis Ende 2020 ans Netz gehen“, so die WNA, die allerdings auch eine kritische Anmerkung macht: „Wenn die Industrie allerdings ihr Ziel erreichen will, vor dem Jahr 2050 ein Viertel der weltweiten Stromversorgung abzudecken, bedarf es noch der größeren Zustimmung durch die Vertreter der Politik“, erklärte die Organisation.


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