Wirtschaft

Nach Morales-Sturz: Lithium-Projekt mit Deutschland könnte wieder aufgenommen werden

Der gestürzte bolivianische Präsident Evo Morales hatte ein Projekt zur Verarbeitung von Lithium mit einem deutschen Unternehmen überraschend annulliert. Doch unter einer neuen bolivianischen Regierung könnte das Projekt wieder aufgenommen werden.
11.11.2019 14:00
Lesezeit: 2 min
Nach Morales-Sturz: Lithium-Projekt mit Deutschland könnte wieder aufgenommen werden
2016: Boliviens Präsident Morales (links) mit dem deutschen Vize-Verkehrsminister Bomba. Bei den Gesprächen ging es neben Infrastrukturprojekten auch um eine Zusammenarbeit auf dem Lithiummarkt. (Foto: dpa) Foto: Str

Die bolivianische Regierung hat in der vergangenen Woche ein Joint-Venture-Projekt mit dem deutschen Privatunternehmen ACI Systems Alemania (ACISA) abgesagt, meldet die Agencia Boliviana de Información (ABI). Das Projekt zur Weiterverarbeitung des strategischen Rohstoffes Lithium sollte im Hochland im Süden des Landes realisiert werden.

Einwohner von Potosí, wo die Partner eine Fabrik für Elektrofahrzeugbatterien und eine Lithiumhydroxid-Anlage errichten wollten, protestieren seit Anfang Oktober gegen das Projekt. Sie gaben an, dass die Region von dem Vertrag nicht genug profitieren würde und forderten die Behörden auf, die vereinbarte Lizenzgebühr von drei Prozent auf elf Prozent zu erhöhen, berichtete die spanische Nachrichtenagentur EFE.

Die Behörden von Potosí gaben an, dass die Entscheidung auf einen Erlass von Präsident Evo Morales, der mittlerweile durch das Militär gestürzt wurde, über das Wochenende zurückzuführen war, in dem er einen früheren Auftrag zur Genehmigung des 250-Millionen-Dollar-Betriebs aufgehoben hatte. Daraufhin hatte ACISA-Chef Wolfgang Schmutz die deutsche Bundesregierung um Hilfe gebeten. Schmutz sagte gegenüber dem Spiegel: “Wir geben dieses Projekt nicht einfach auf. Jetzt werden Lösungen gesucht und gefunden. Dazu brauchen wir auch die Unterstützung der Politik.”

ACISA mit Sitz in Zimmern ob Rottweil, einem ländlichen Dorf im Herzen des Schwarzwalds, ist eine Tochtergesellschaft der ACI Group, die die Photovoltaik-, Batterie- und Automobilindustrie beim Projektmanagement unterstützt. Das Unternehmen, welches rund 20 Mitarbeiter beschäftigt, wurde ausschließlich für den Bau der Lithiummine im Salar de Uyuni gegründet und hatte eine Investition von 1,3 Milliarden US-Dollar zugesagt.

Bolivien verfügt über die weltweit zweitgrößten Reserven des strategischen Rohstoffes, die auf neun Millionen Tonnen geschätzt werden, was in etwa 25 Prozent der weltweit bekannten Lithium-Reserven entspricht.

Drei Wochen nach seiner umstrittenen Wiederwahl war Boliviens Präsident Morales zurückgetreten. Der linke Staats- und Regierungschef hatte am Sonntag zunächst eine Neuwahl angekündigt, nachdem die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) in einem vorläufigen Bericht Manipulationen bei der Präsidentenwahl festgestellt und eine Annullierung empfohlen hatte. Der Druck auf Morales wuchs aber weiter - auch die Chefs des Militärs und der Polizei des südamerikanischen Landes forderten seinen Rücktritt. Morales und seine Verbündeten in der Region sprachen von einem Putsch. Wer nun Bolivien regiert, war zunächst unklar. Allerdings besteht durchaus die Möglichkeit, dass das Lithium-Projekt zwischen einer neuen bolivianischen Regierung und ACISA wieder aufgenommen wird.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Leipzig Amokfahrt: Mutmaßlicher Amokfahrer tötet und verletzt mehrere Menschen
04.05.2026

In der Leipziger Innenstadt ist ein Auto in mehrere Menschen gefahren. Menschen kommen dabei ums Leben. Mindestens drei weitere werden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mehr Wagniskapital: KI-Boom stärkt deutsche Start-ups
04.05.2026

Deutsche Start-ups ziehen wieder mehr Wagniskapital an, angetrieben vom Boom rund um Künstliche Intelligenz. Internationale Investoren...

DWN
Politik
Politik Schwarz-Rot unter Druck: Ein Jahr Merz-Regierung
04.05.2026

Ein Jahr nach Amtsantritt steht Kanzler Merz unter Druck: Streit in der Koalition, schlechte Umfragen und Reformstau belasten die Regierung...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Integration der Sachsen-Werke verzögert - was das bedeutet
04.05.2026

Bei Volkswagen geraten zentrale Umstrukturierungen ins Stocken, was auch die VW-Aktie beeinflussen könnte. Die geplante Integration der...

DWN
Politik
Politik Staatskrise Deutschland: Minderheitsregierung oder Neuwahlen - was wäre denkbar?
04.05.2026

Die schwarz-rote Regierung gibt bisher kein gutes Bild ab: Anhaltende Konflikte, halbgare Reformen und ausbleibende Antworten auf zentrale...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tegut-Übernahme: Das sind die Folgen für Verbraucher und den Wettbewerb
04.05.2026

Mit dem Verkauf von Tegut steht eine bekannte Supermarktkette vor dem Aus. Die Tegut-Übernahme durch Edeka und Rewe könnte den Wettbewerb...

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank-Aktie gegen Unicredit: Machtkampf um die Zukunft der Commerzbank
04.05.2026

Seit Monaten verteidigt die Commerzbank ihre Eigenständigkeit. Die italienische Unicredit hält das nicht davon ab, den DAX-Konzern unter...

DWN
Finanzen
Finanzen BlackSky-Aktie: 267 Prozent Kursplus und ein gefährlicher Haken
04.05.2026

Die BlackSky-Aktie ist in zwölf Monaten um 267 Prozent gestiegen. Doch hinter dem Hype um Satelliten, KI und Verteidigungsaufträge stehen...