Politik

Nato verstärkt Überwachung des Ärmelkanals

Die Flotten der Nordsee-Anrainer richten ihre gemeinsame Verteidigungsstrategie neu aus. Und zwar gegen einen neuen alten Widersacher.
24.11.2019 12:07
Aktualisiert: 24.11.2019 12:07
Lesezeit: 2 min
Nato verstärkt Überwachung des Ärmelkanals
Durch den Ärmelkanal sollen amerikanische Truppen in die Ostsee gelangen. (Karte: Google Maps/ DWN)

Die Flotten von fünf Nato-Staaten - Deutschland, die Niederlande, Belgien, Frankreich und Großbritannien - planen eine Intensivierung ihrer Zusammenarbeit. Ziel ist eine wirksamere Verteidigung der Nordsee sowie des Ärmelkanals. Als potentiellen Feind, den es dort zu bekämpfen gilt, wird ganz offen Russland genannt.

Nach Ansicht führender Nato-Marine-Offiziere haben sich durch die Erweiterung der Nato nach Osten neue strategische Notwendigkeiten für das europäische Verteidigungsbündnis ergeben. Bis 1989 sei es die „explizite Aufgabe“ gewesen, „ein Durchbrechen der Warschauer-Pakt-Flotte in den Atlantik zu vereiteln“, sagte der Pressesprecher der Deutschen Marine, Kapitän zur See Johannes Dumrese, im Gespräch mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten.

Jetzt dagegen müssten die Nato-Mitglieder Estland, Lettland, Litauen und Polen verteidigt werden, so Dumrese. Das heißt, die Nordflanke der NATO hat sich bis tief in die Ostsee bis nach Polen und ins Baltikum verlängert. Um dort feindliche - sprich russische - Truppen bekämpfen zu können, müsse Verstärkung, in erster Linie amerikanische Truppen und Material, in die Ostsee transportiert werden. Der Weg dorthin führt durch den Ärmelkanal, der deshalb im Kriegsfall unter allen Umständen frei gehalten werden muss.

Wobei, so Dumrese, bereits jetzt die Beobachtung der so bedeutenden Schifffahrtsader intensiviert werden müsse. Minen beispielsweise könnten von jedem beliebigen Schiff ausgebracht werden und die Schifffahrt empfindlich gefährden. Würde eine Mine einen Frachter zum Sinken bringen, wäre eine Durchfahrt durch den Ärmelkanal - der an seiner engsten Stelle gerade mal 34 Kilometer misst - unter Umständen nicht mehr möglich.

Die Sicherung des Ärmelkanals sei allerdings auch in Friedenszeiten eine bedeutsame Aufgabe, heißt es in einer Presseerklärung der Marine. Über Häfen in Rotterdam, Antwerpen, Hamburg und Bremerhaven würden jährlich genau 40 Millionen Container umgeschlagen. „Diese vier Handelsplätze des Kontinents sind von strategischer Bedeutung, im Frieden wie in Krise und Krieg.“

Zur Formalisierung ihrer neuen Strategie unterzeichneten die Marine-Kommandeure der fünf Staaten eine gemeinsame Erklärung mit den wichtigsten Punkten ihrer geplanten Kooperation. Dafür trafen sich die Flotten-Chefs Anfang November in Hamburg, und zwar im Rahmen des Nato-Admiralgremiums „Chancom“ (steht für „Channel Committee“). „Chancom“ ging aus dem 1952 gegründeten Nato-Kommando „Allied Command Channel“ hervor, das während des Kalten Krieges für die Sicherheit des Ärmelkanals zuständig war und 1994 aufgelöst wurde. Große Relevanz hatte „Chancom“ in den bisherigen 25 Jahren seines Bestehens nie, doch jetzt soll der Institution neues Leben eingehaucht werden. Darauf deutet auch der Beobachterstatus von Italien, Portugal und Spanien hin, deren Marinechefs an dem Treffen Anfang November ebenfalls teilnahmen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Nvidia-Aktie fällt trotz starker Quartalszahlen – und dreht dann ins Plus: Die Gründe für die Achterbahnfahrt
26.08.2026

Nvidia hat die hohen Erwartungen der Wall Street erneut übertroffen. Dennoch geriet die Nvidia-Aktie nachbörslich unter Druck. Steigende...

DWN
Finanzen
Finanzen Salesforce-Aktie steigt: KI treibt Wachstum, Salesforce-Zahlen überzeugen die Investoren
26.08.2026

Künstliche Intelligenz entwickelt sich für Salesforce zunehmend zum Wachstumsmotor. Nach einem starken Quartal hebt der Softwarekonzern...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Konjunkturdaten versetzen Anleger wegen Zinserhöhung bis Jahresende in Alarmbereitschaft
26.08.2026

Zinsängste belasten die Märkte – doch spannende Entwicklungen bei Tech-Giganten und Einzelwerten sorgen für Überraschungen.

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Prognose 2027: Bärenmarkt beendet oder ist der Absturz nur vertagt?
26.08.2026

Der Bitcoin-Kurs ist nach monatelanger Schwäche nach oben geschossen und hat eine der wichtigsten technischen Marken durchbrochen. Vieles...

DWN
Finanzen
Finanzen Ökonomen halten KI-Crash für wahrscheinlich: Wo Anleger am Markt Schutz suchen können
26.08.2026

Es wird immer schwieriger, ein Portfolio gegen KI zu diversifizieren, sagen Experten. Sie erklären, wie man sich am besten gegen...

DWN
Politik
Politik „Europa ist schwach“: Patrick Collison und Mario Draghi schließen sich mit neuem Think Tank zusammen – Polen ist nicht dabei
26.08.2026

Stripe-Mitgründer Patrick Collison und der frühere EZB-Präsident Mario Draghi wollen Europas wirtschaftliche Schwäche bekämpfen. Mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Exklusiv-Interview zu Freyja: Fire-Point-Chefin erklärt die Patriot-Alternative aus der Ukraine
26.08.2026

Nach dem ersten DWN-Bericht über Freyja spricht Fire-Point-Chefin Iryna Terekh nun exklusiv über das ukrainische Rüstungsprojekt. Mit...

DWN
Politik
Politik Sozialhilfe-Ausgaben explodieren: Pflegekosten wachsen stärker als Grundsicherung
26.08.2026

Die Ausgaben für Sozialhilfe sind 2025 in Deutschland um 6,1 Prozent gestiegen. Besonders stark legten die Kosten für die Hilfe zur...