Wirtschaft

Protestwelle im Irak bedroht Öl-Infrastruktur des Landes

Die derzeit laufende Protestwelle im Irak wird sich offenbar gegen die Ölinfrastruktur des Landes richten, in die vor allem China investiert hat.
05.12.2019 09:00
Lesezeit: 2 min

Einer Analyse von Oilprice.com zufolge könnte die aktuell laufende Protestwelle im Irak als nächstes auf die Ölraffinerien des Landes abzielen, falls die Demonstranten ihre Forderungen als nicht erfüllt ansehen. Ein derartiges Szenario würde den weltweiten Ölmarkt mehr als die Entscheidungen der OPEC und US-Präsident Trumps “Handelskrieg” beeinflussen.

Am vergangenen Freitag trat der irakische Premierminister Adel Abdel Mahdi zurück. Die Iraner hatten versucht, dies zu verhindern, weil die Instabilität der irakischen Regierung die indirekte Machtübernahme Teherans im Irak bedroht. Obwohl der Rücktritt Mahdis zu einer der Forderungen der Demonstranten gehörte, ist es sehr unwahrscheinlich, dass sich die Demonstranten mit diesem Schritt zufrieden geben werden, zumal bisher 400 von ihnen getötet wurden.

Nun könnten sich die gewaltsamen Proteste auf die Ölinfrastruktur im südlichen Basra erstrecken. Dort werden fünf Millionen Barrel pro Tag (bpd) produziert. Etwa zwölf Prozent der weltweiten Ölreserven befinden sich in Basra. Die Beeinträchtigung der Ölinfrastruktur im Süden des Iraks, würde insbesondere China treffen.

China ist der größte Abnehmer von irakischem Öl und einer der größten Investoren in der irakischen Öl- und Gasindustrie. PetroChina und die China National Petroleum Corporation (CNPC) haben hier massive Investitionen getätigt, einschließlich der 25-prozentigen Beteiligung von PetroChina an dem riesigen Projekt West Qurna 1, das sich mehrheitlich im Besitz von Exxon befindet, berichtet die South China Morning Post (SCMP). CNPC produziert außerdem etwa zwei Millionen Barrel pro Tag (bpd) auf den Ölfeldern Rumaila und Halfaya im Südirak.

Im September unterzeichnete die irakische Basra Oil Company zudem einen Vertrag mit den Chinesen über die Erschließung und Fertigstellung von 80 Ölquellen auf dem riesigen Majnoon-Feld, welches sich ebenfalls in Basra befindet, berichtet die Nachrichtenagentur Xinhua. Angesichts der Hoffnung Chinas, den Ölabsatz aus dem Irak bis Ende dieses Jahres um mehr als zwei Drittel auf 850.000 bpd zu steigern, verfolgt die Regierung in Peking die Vorkommnisse im Irak mit großer Sorge.

Auch Russland hatte in der Vergangenheit in die irakische Energiewirtschaft investiert. Nach Informationen von Foreign Policy soll Russland in den vergangenen neun Jahren insgesamt zehn Milliarden US-Dollar in die irakische Ölwirtschaft investiert haben. Dazu gehört Lukoils West-Qurna-2-Projekt in Basra, auf das etwa neun Prozent der gesamten irakischen Erdölproduktion entfällt. An anderer Stelle im Irak sind die Investitionen von Gazprom in den Zentralirak und in den Nordirak sowie die Verträge von Stroytransgaz in der Provinz Anbar enthalten.

Oilprice.com zufolge wird es früher oder später zu Sabotageakten gegen die Ölinfrastruktur im Irak kommen. Das Magazin schreibt: “Alle Anzeichen sprechen dafür, und sie (die Demonstranten - die Red.) haben sich bereits damit beschäftigt. Sie haben Straßen blockiert, die zu fünf Ölfeldern in Basra führen (...) Sie waren mutig genug, ein iranisches Konsulat niederzubrennen und sogar ein pro-iranisches Sicherheitsgebäude anzugreifen, obwohl sie genau wussten, dass die Gegenreaktion extrem gewalttätig sein würde (...) Die irakische Regierung hat nur zwei Alternativen: eine umfassende Unterdrückung, die ein Blutbad bedeutet, das weit über das hinausgeht, was wir bereits gesehen haben, oder eine umfassende Reform, zu der sie eindeutig nicht in der Lage ist, insbesondere aufgrund des iranischen Einflusses.”

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik „Gen Z regelt“ mobilisiert: Das ist für Samstag geplant
29.10.2026

In knapp 30 Städten sind Proteste angekündigt, organisiert von einer noch jungen Gruppierung. Nach den Ausschreitungen in Frankreich...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Zinsentscheid: Notenbanker belassen Leitzins der Eurozone bei 2,5 Prozent
29.10.2026

Die Europäische Zentralbank lässt die Leitzinsen am 29. Oktober 2026 unverändert. Der Einlagenzins bleibt bei 2,50 Prozent. Zugleich...

DWN
Politik
Politik Merz warnt vor Nordkoreas Rolle im Ukraine-Krieg
29.10.2026

Zum Abschluss seiner Asienreise besucht Bundeskanzler Friedrich Merz am Freitag die Grenze zwischen Süd- und Nordkorea. Bereits zuvor...

DWN
Politik
Politik Steinmeier in China: Appell für Regeln, Frieden und freien Handel
29.10.2026

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei einer Rede an der renommierten Peking Universität für eine stärkere regelbasierte...

DWN
Panorama
Panorama Arbeitspausen: Darf der Chef den Zeitpunkt bestimmen?
29.10.2026

Kurz durchatmen, etwas essen oder einen Kaffee trinken: Arbeitspausen gehören zum Alltag. Wann sie stattfinden, entscheiden Beschäftigte...

DWN
Finanzen
Finanzen Lagarde tritt vorzeitig ab: Rennen um die EZB-Spitze beginnt früher
29.10.2026

Christine Lagarde verlässt die Spitze der Europäischen Zentralbank früher als geplant. Damit müssen die Eurostaaten ihre Nachfolge...

DWN
Finanzen
Finanzen Vonovia-Aktie rutscht ab: Vonovia muss Sparen und senkt Erwartungen für 2026 und 2028
29.10.2026

Die Vonovia-Aktie steht am Donnerstag mächtig unter Druck. Der Immobilienkonzern nimmt seine Wachstumsziele zurück und will Investitionen...

DWN
Politik
Politik Spritpreisdeckel lässt auf sich warten: SPD drängt Reiche zur Eile
29.10.2026

Im September hatte sich die schwarz-rote Koalition auf einen erneuten Tankrabatt und einen Spritpreisdeckel verständigt. Während der...