Türkischer General: „Der Dritte Weltkrieg steht vor der Tür”

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 3 min
29.12.2019 09:31  Aktualisiert: 29.12.2019 09:31
Ein renommierter türkischer Generalmajor hat ein Buch veröffentlicht, in dem geschildert wird, warum ein Dritter Weltkrieg des Westens unter Führung der USA gegen China und Indien unausweichlich sei. Dem Generalmajor zufolge werden Russland und die Türkei im Lager des Westens stehen.
Türkischer General: „Der Dritte Weltkrieg steht vor der Tür”
Angehörige der US-Marine beobachten am 11.08.2017 eine Übung von Deck des Flugzeugträgers USS Theodore Roosevelt, der sich an einem nicht näher bezeichneten Ort im Pazifik befindet. (Foto: dpa)
Foto: Alex Perlmann

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der türkische Generalmajor a.D. Osman Pamukoğlu hat wenige Monate (September 2019) vor dem Nato-Gipfel in London ein Buch mit dem Titel “Der Dritte Weltkrieg - Wann und zwischen welchen Mächten er stattfinden wird” veröffentlicht, der in zahlreichen Ländern hohe Wellen geschlagen hat.

Pamukoğlu zufolge würden die USA in Zukunft eine weltweite Koalition aufstellen, um militärisch gegen China und seine Verbündeten vorzugehen. Russland werde ein wichtiger Bestandteil dieser Koalition sein, da Russland alles daran setze, um zu verhindern, dass China seinen Einfluss in Zentralasien und Sibirien erweitert. “Es ist davon auszugehen, dass sich auf der einen Seite die USA und Russland und auf der anderen Seite China und Indien befinden werden”, so Pamukoğlu.

Im Zusammenhang mit der Positionierung der Europäer und Türken führt er aus, dass sich sowohl Europa als auch die Türkei eindeutig auf der Seite der Anti-China-Allianz befinden werden. “China versucht Zeit zu gewinnen, indem es politische und wirtschaftliche Schritte unternimmt. Und die USA nutzen das Instrument von Sanktionen, denn die Zeit arbeitet gegen die USA”, meint er.

Alleine schon an den weltweiten Rüstungsausgaben könne man erkennen, dass es früher oder später zu einem großen konventionellen Krieg kommen müsse, so Pamukoğlu im Rahmen einer Sendung des Fernsehsenders Haberturk. Das sei eine Vorbereitungsphase wie vor dem Ersten Weltkrieg. Chinas Ambitionen seien offensichtlich. Die Regierung in Peking wisse genau, dass die Position einer Weltmacht die Herrschaft über die Weltmeere und Ozeane voraussetze. Deshalb investiere China massiv in seine Marine. Die Mobilisierung der maritimen Fähigkeiten der USA im Südchinesischen Meer würden deshalb auch Sinn machen. “Wenn sie als Land nicht imstande sind, die Seewege zu kontrollieren, können sie weder eine Kontrolle über die weltweiten Rohstoffe erringen, noch eine Weltmacht werden. Diese Kontrolle führte in früheren Zeiten England aus und jetzt sind es die USA. Die Chinesen bauen einen Flugzeugträger. Warum? Denn wenn du keine Kontrolle über die Ozeane hast, kannst du nicht zum weltgrößten Akteur aufsteigen. Der Dritte Weltkrieg wird ausbrechen. Neutralität ist lediglich eine Utopie. Wie neutral kann man bleiben, wenn alles beginnt zu knattern. Auch die Türkei wird beim Dritten Weltkrieg nicht neutral bleiben können. Die Türkei wird auf jeden Fall Partei für den westlichen Block ergreifen”, zitiert Asafhaber den Generalmajor a.D.

Im Rahmen einer Sendung beim türkischen TV-Sender tv 100 sagte Pamukoğlu: “Der Ausbruch des Dritten Weltkriegs wird an drei Faktoren gekoppelt sein: Energieressourcen, Wasserressourcen und die Kontrolle der Handelswege zur See (...) Die USA wollen verhindern, dass die Chinesen von den Ölressourcen der Iraner profitieren. Das versuchen die Amerikaner seit geraumer Zeit. Deshalb befinden sich die US-Truppen in Afghanistan. In Afghanistan wird verhindert, dass China eine Landbrücke in den Iran aufbaut (...) Zu Russland lässt sich folgendes sagen: Zahlreiche Ressourcen befinden sich östlich des Urals, also vor allem in Zentral- und Ostsibirien. Und wer befindet sich im Süden? China. 65 Prozent der russischen Truppen befinden sich östlich des Urals, also im Gebiet der Ressourcen. Doch gegen wen werden sie stationiert? Wer befindet sich denn im Süden? China mit seiner Bevölkerung von 1,4 Milliarden Menschen. Wenn es ein Land gibt, dass diese Ressourcen östlich des Urals unbedingt benötigt, ist das China - der hungrige Riese (...) Wir haben derzeit dieselbe Konstellation wie am Vorabend des Zweiten Weltkriegs.”

Der Dritte Weltkrieg werde nicht in Europa, Lateinamerika oder in Afrika, sondern in der Asien-Pazifikregion ausgetragen werden. Dazu sagt Pamukoğlu: “Das Himalaya-Gebirge und Kaschmir sind enorm wichtig für die Wasserversorgung in der Region. Insbesondere China benötigt das Wasser aus dem Himalaya-Gebirge. Wenn ein atomarer Schlag auf die Wasserressourcen im Himalaya-Gebirge ausgeführt werden sollte, würde dies dazu führen, dass Milliarden von Menschen ohne Wasser bleiben und flüchten müssten”, so Pamukoğlu.

Allerdings könne die letzte Vorbereitungsphase gegen China erst dann beginnen, wenn die USA das iranische Problem gelöst haben. Auf Nachfrage einer Journalistin des Fernsehsenders Habertürk, was denn passieren müsste, damit es tatsächlich zum Ausbruch des Dritten Weltkriegs kommt, sagte der Generalmajor a.D. “Ein Vorfall in einem Grenzgebiet, der Abschuss eines Kampfjets, das Versenken eines Fischerboots, ein Terroranschlag, ein Attentat oder ein unvorstellbarer Vorfall. Darüber hinaus ist es möglich, ein niemals stattgefundenes provokatives Ereignis medial als Realität darzustellen, um einen Kriegsvorwand zu haben. So lief dass immer schon.”

Generalmajor a.D. Osman Pamukoğlu war von 1968 bis 2002 im aktiven Dienst der türkischen Streitkräfte (TSK). Im Jahr 1993 war er innerhalb der hochrangigen Militärs der einzige Offizier, der sich bereit erklärte, im Südosten der Türkei vor Ort und an vorderster Front Spezialtruppen gegen die PKK, die von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, zu befehligen. Er studierte die Guerilla-Taktiken von Josip Broz Tito, Giuseppe Garibaldi, Mao Zedong, Alberto Bayo, Fidel Castro, Ernesto “Che” Guevara, Võ Nguyên Giáp und Yasser Arafat, um theoretische und praktische Mittel gegen die Guerilla-Kriegsführung zu entwickeln. Dadurch gelang es ihm von 1993 bis 1995 die Anzahl der Gebirgskämpfer der PKK von 12.000 auf etwa 6.000 zu minimieren.


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland „Deutschland spürt das Ende der Behaglichkeit“ – Warum Sie jetzt die DWN zum Vorteilspreis abonnieren sollten

Unser Redaktion zeigt auf, warum Sie nicht auf ein DWN-Abonnement verzichten sollten. Für das erste Jahr wird Ihnen ein besonderes Paket...

DWN
Finanzen
Finanzen Massiver Anstieg der Sozialabgaben: Städte setzen Investitionen in die öffentliche Infrastruktur aus

In vielen Städten sind die Sozialausgaben in den vergangenen Jahren explodiert – Investitionen in die öffentliche Infrastruktur fallen...

DWN
Finanzen
Finanzen Was den Goldpreis über 1800 Dollar getrieben hat

Im ersten Halbjahr steckten Anleger so viel Geld in Gold-ETFs wie nie zuvor. Diese starke Nachfrage hat den Goldpreis auf den höchsten...

DWN
Politik
Politik Schwere Gefechte zwischen Aserbaidschan und Armenien

Zwischen den Militärs Armeniens und Aserbaidschans sind Gefechte ausgebrochen. Die Konflikt-Parteien werfen sich gegenseitig vor, die...

DWN
Politik
Politik Corona-Leaks: Mitarbeiter im Innenministerium fordert „gesonderte Untersuchung“ gegen Merkel

Der Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums, der in einem geleakten Dokument das Corona-Virus als „Fehlalarm“ einstuft, fordert eine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Tochter Sitech und Zulieferer Brose planen Gemeinschaftsfirma

Der VW-Sitzhersteller Sitech will mit dem fränkischen Autozulieferer Brose ein Gemeinschaftsunternehmen bilden. Insbesondere für Sitech...

DWN
Deutschland
Deutschland Streit bei Daimler über Stellenabbau verschärft sich

Bei Daimler verschärft sich der Disput zwischen dem Gesamtbetriebsrat des Unternehmens und dem Personalvorstand.

DWN
Deutschland
Deutschland Krebshilfe: 50.000 Krebsoperationen wegen Corona ausgefallen

Wegen der Corona-Pandemie haben nach Angaben der Deutschen Krebshilfe rund 50.000 Krebsoperationen nicht stattgefunden, teilt die dpa mit.

DWN
Politik
Politik Russlands Außenministerium: Hagia Sophia ist innere Angelegenheit der Türkei

Russlands Vize-Außenminister Sergej Verschinin behauptet, dass die Nutzung der Hagia Sophia als Moschee eine „innere Angelegenheit“...

DWN
Politik
Politik Soros-Stiftungen spenden 220 Millionen Dollar an „Black Voters Matter“ und weitere Gruppen

Die Open Society Foundations des US-Milliardärs George Soros werden diverse Anti-Rassismus-Organisationen und Bürgerrechts-Gruppen in den...

DWN
Politik
Politik China kündigt Sanktionen gegen US-Senatoren an

China hat angekündigt, Sanktionen gegen bestimmte US-Senatoren und US-amerikanische Einrichtungen einführen zu wollen. Zuvor hatten die...

DWN
Politik
Politik Corona-Nachwehen: Deutschland bereitet sich auf schwere Unruhen vor

Gewaltsame Unruhen in Deutschland und Europa werden Experten zufolge in den kommenden Monaten wegen sozialer und wirtschaftlicher Miseren...

DWN
Deutschland
Deutschland Handel und Gastgewerbe wollen Anspruch auf Corona-Mietreduzierung

Das Geschäft im Einzelhandel, in Hotels und Gaststätten ist auch nach den Corona-Lockerungen noch nicht wieder in Schwung gekommen. Hohe...

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreise geben nach: Spekulationen über Fördermenge der Opec+

Die Ölpreise sind am Montag gesunken. Marktbeobachter erklärten den Preisrückgang mit Spekulationen über die künftige Förderpolitik...

DWN
Technologie
Technologie Deutscher Auto-Analyst: "VW kann Tesla in jedem Fall überholen"

VW hat gerade damit begonnen, den Standort in Emden für die E-Produktion umzurüsten. Autoanalyst Frank Schwope von der Nord/LB erklärt...

celtra_fin_Interscroller