Technologie

Hacker decken schwerwiegende Sicherheitslücke im deutschen Gesundheits-Netzwerk auf

Recherchen des Chaos Computer Clubs zufolge existieren große Sicherheitslücken im digitalen Gesundheitsnetzwerk. Niemand könne sagen, ob sich Arzt- und Praxisausweise bereits in den Händen von Kriminellen befänden, so die Organisation.
30.12.2019 13:27
Aktualisiert: 30.12.2019 13:27
Lesezeit: 1 min
Hacker decken schwerwiegende Sicherheitslücke im deutschen Gesundheits-Netzwerk auf
Buchstaben und Zahlen leuchten auf einem Bildschirm. (Foto: dpa) Foto: Sina Schuldt

Nach dem Bekanntwerden von Sicherheitslücken im digitalen Gesundheitsnetzwerk für Ärzte, Kliniken und Krankenkassen fordert ein IT-Experte die Entwertung schon ausgegebener Heilberufe- und Praxisausweise. "Es gibt keine Einzelperson oder Stelle in Deutschland, die weiß, wo sich die 115 000 Heilberufsausweise aktuell befinden - ob bei einem Arzt oder einem Kriminellen", sagte Martin Tschirsich, der für Recherchen des Chaos Computer Clubs zu dem Thema verantwortlich ist, dem Handelsblatt.

Am Freitag hatten Spiegel und NDR über die Sicherheitslücke berichtet. Demnach war es IT-Experten des CCC gelungen, sich einen Arztausweis, einen Praxisausweis und eine elektronische Gesundheitskarte jeweils über einen Dritten zu bestellen und an eine Wunschadresse liefern zu lassen. Die zuständige Gematik-Gesellschaft teilte daraufhin dem Handelsblatt mit, dass die Ausgabe von Praxis- und Arztausweisen gestoppt worden sei.

Eine pauschale Kartensperre hält die Gematik nicht für notwendig. "Die Gematik wird zusammen mit den Kartenherausgebern prüfen, ob die gefundenen Schwachstellen bereits ausgenutzt wurden", erklärte die Gesellschaft. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), deren Landesorganisationen für die Ausgabe der Praxisausweise zuständig sind, nannte gegenüber dem Handelsblatt eine Rückholaktion aller Praxisausweise dennoch ein "gangbares Verfahren", um "Sicherheit und Praktikabilität in ein sinnvolles Verhältnis zu bringen". Eine erste Analyse der Bundesärztekammer kommt der Zeitung zufolge zu dem Ergebnis, dass "die Zahl von Anträgen mit einer nicht verifizierten Lieferadresse im einstelligen Bereich" liegt.

Die sogenannte Telematikinfrastruktur (TI) soll das Gesundheitssystem vernetzen und demnächst auch Zugriff auf elektronische Patientenakten ermöglichen. Zugang zu diesem speziell gesicherten Netzwerk sollen nur befugte Teilnehmer wie Ärzte oder Praxen über besondere Chipkarten bekommen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: 5 Chip-Aktien, die Sie haben müssen – Bitcoin-Kurs mit großem Potenzial
05.10.2026

Der S&P 500 legt trotz höherer Zinsen und geopolitischer Spannungen weiter zu. Investoren hoffen auf eine historisch starke Schlussrallye...

DWN
Finanzen
Finanzen VW kündigt Tarifvertrag: Was jetzt auf 100.000 Beschäftigte zukommt – und auf die VW-Aktie
05.10.2026

Volkswagen verschärft seinen Sparkurs und kündigt einen Großteil seiner Haustarifverträge. Nach Angaben der IG Metall sind zehn...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Saatgutproduzent Christopher Rudloff im Interview: „Wir können keine Sonderschichten fahren“
04.10.2026

Hitze erreicht die Bilanz von Saatgutproduzenten mit zwei Jahren Verzögerung. Christopher Rudloff führt die RUDLOFF GmbH in Sereetz bei...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienvermögen: Warum Erben Arbeit schlägt
04.10.2026

Deutschlands Wohlstandsversprechen gerät ins Wanken: Während Immobilien- und Erbschaftsvermögen immer wichtiger werden, lässt sich mit...

DWN
Politik
Politik Handwerkerbonus wird gekappt: Bis zu 300 Euro weniger – Fiskus profitiert
04.10.2026

Mehr Geld im Portemonnaie – das verspricht die Einkommensteuerreform 2027. Beim Handwerkerbonus passiert das Gegenteil: Statt 1.200 Euro...

DWN
Finanzen
Finanzen 800 Milliarden Dollar für KI: Was passiert mit der Börse, wenn das größte Technologierennen langsamer wird?
04.10.2026

Die größten US-Techkonzerne investieren in diesem Jahr fast 800 Milliarden Dollar, vor allem in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur...

DWN
Politik
Politik „Auf dünnem Eis“: Weltenergie-Chef warnt, drei neue Schocks könnten Europas Preise in die Höhe treiben
04.10.2026

Europa könnte vor einem schwierigen Winter stehen. Nach Einschätzung von IEA-Chef Fatih Birol laufen gleich drei Faktoren aus, die die...

DWN
Panorama
Panorama Sie bezahlte ein Croissant mit Karte und tippte ihre PIN ins Trinkgeldfeld
04.10.2026

Ein gewöhnlicher Einkauf in einer Bäckerei am Bahnhof von Winterthur endete für eine Seniorin mit einer Abbuchung von rund 1.707 Euro....