Politik

China führt Schwarze Liste deutscher Unternehmen

Die chinesische Regierung führt eine Schwarze Liste mit angeblichen Verstößen deutscher Unternehmen im Land.
20.01.2020 16:51
Aktualisiert: 20.01.2020 16:51
Lesezeit: 1 min
China führt Schwarze Liste deutscher Unternehmen
Ein Arbeiter säubert das Firmenlogo der Schanghaier Niederlassung von VW. (Foto: dpa) Foto: Gero Breloer

Im Jahr 2020 will China Daten aller im Land tätigen Unternehmen auf einer großen Plattform zusammenführen. Diese ist Grundlage für das chinesische "Social Corporate Credit System", einer digitalen, algorithmusbasierten Unternehmensbewertung. Die ergeben Recherchen des Wirtschaftsmagazins „Plusminus“ und „SWR Aktuell Baden-Württemberg“.

Recherchen von Plusminus zufolge habe der chinesische Staat bereits mehrere deutsche Unternehmen wegen eines zu spät eingereichten Geschäftsberichts auf die Liste nicht-konformer Unternehmen gesetzt. Darunter befinde sich auch Volkswagen Financial Leasing in Tianjin. Züblin, die deutsche Tochter des Baukonzerns Strabag, ist wegen wiederholter Nichtabgabe des Geschäftsberichts sogar auf einer der sogenannten „Schwarzen Listen“ gelandet. Unternehmen, die auf solchen Schwarzen Listen stehen, müssen als sogenannte vertrauensunwürdige Firma mit einem erschwerten Marktzugang rechnen. Sie können beispielsweise nicht mehr an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen, Steuervergünstigungen entfallen und sie müssen sich vermehrt Betriebs- und Rechnungsprüfungen unterziehen. Ihre Manager werden in ihren Arbeitsmöglichkeiten eingeschränkt und können zum Beispiel keine Flüge mehr buchen oder keine hohen privaten Versicherungspolicen abschließen, so die Recherchen von Plusminus und SWR.

Die bereits seit 2014 gesammelten Unternehmensdaten werden jetzt auf einer gemeinsamen Plattform der chinesischen Technologie-Giganten zusammengeführt. Die Tech-Firmen Taiji Computer und Huawei liefern demnach die Dateninfrastruktur. Informationen von Tencent (Nachrichtendienste), Alibaba (Internethändler) sowie VisionVera (Gesichtserkennung) fließen ein. Die Daten werden zentral gesammelt, analysiert und bewerte, berichten SWR und Plusminust. Schlechte Bewertungen lösen teilweise unmittelbar Sanktionen für die Unternehmen aus.

China-Experte Sebastian Heilmann, Universität Trier, spricht von einem perfekten Kontrollinstrument in den Händen der kommunistischen Partei: "In Echtzeit Daten zu gewinnen und das Verhalten von Unternehmen wirklich zu beobachten und sofort zu sanktionieren - das ist etwas völlig Neues, ein Regulierungssystem, wie es noch nie eines gab."

Stichproben-Recherchen von Plusminus stellen demnach angeblich zahlreiche Verstöße von deutschen Unternehmen fest, die in der chinesischen Datenbank dokumentiert sind: Umweltverschmutzung (Bosch Automotive Steering in Jinan), Verstöße gegen das Werbegesetz (BMW Beijing), Arbeitszeitverstöße (ZF in Schanghai), nicht konforme Internetpräsenz (Commerzbank) oder fehlerhafte Steuererklärungen (BASF).

Die erwähnten Unternehmen verwiesen auf Anfrage von Plusminus darauf, dass sie die chinesischen Rechtsvorgaben respektierten und einhielten. Züblin schreibt, dass die Vorgänge auf den Zeitraum 1999 bis 2004 zurückgingen und sich bisher keinerlei Konsequenzen für das Unternehmen daraus ergeben hätten.

Die Deutsche Handelskammer in China sieht vor allem zwei Mechanismen des Systems mit Sorge: Verstöße von Managern haben eine unmittelbare Auswirkung auf die Bewertung ihres Unternehmens und umgekehrt. Zudem führt es zu Punktabzügen, wenn Geschäftspartner eine schlechte Bewertung haben. Das zwinge die Unternehmen dazu, sich gegenseitig zu überwachen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Umgang mit Cookies: BGH verhandelt zu Cookie-Speicherung – darum geht's
10.10.2026

Der Bundesgerichtshof prüft, ob Unternehmen für das Speichern von Cookies auf fremden Internetseiten ohne Einwilligung haften müssen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Uber-Robotaxis in Deutschland: Erst Stellen streichen, dann Jobs versprechen
10.10.2026

Uber streicht Tausende Stellen und verspricht gleichzeitig neue Arbeitsplätze in Deutschland. Was widersprüchlich klingt, folgt einer...

DWN
Finanzen
Finanzen Revolut-Bank greift an: Dieser Fintech-Riese will Europas Banken überholen
10.10.2026

Die Revolut-Bank wächst in einem Tempo, von dem klassische Geldhäuser nur träumen können: fast 70 Millionen Kunden, Milliardenbewertung...

DWN
Technologie
Technologie KI-Prompts für Marketing und Vertrieb: 7 KI-Vorlagen für KMU und Selbstständige
10.10.2026

Fast jedes zweite kleine Unternehmen sieht noch keinen echten Nutzen in KI – dabei liegt der Unterschied oft nur im richtigen Prompt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dacia Sandero Stepway: Europas Bestseller hat ein Sicherheitsproblem
10.10.2026

Europas meistverkauftes Auto kommt nicht von Volkswagen, Toyota oder Peugeot, sondern von Dacia. Der Sandero Stepway punktet mit enormer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kingspan Group-Aktie unter Druck: EU greift nach geplatztem Deal durch
10.10.2026

Ein geplatzter Milliardendeal? Nein, ein gescheiterter Firmenkauf mit teuren Folgen. Weil der irische Baustoffkonzern Kingspan die...

DWN
Politik
Politik Marine Le Pen plant finanzpolitischen Kurs mit großen Einsparungen: Auf den Straßen wächst die Wut
10.10.2026

Frankreich steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Während Zehntausende junge Menschen gegen marode Schulen und fehlende Investitionen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Generation Z trifft auf Generation X: Wie ein Eiskaffee zum Karrierekiller werden kann
10.10.2026

Ein Eiskaffee beim Bewerbungsgespräch sollte eigentlich keine große Sache sein. Doch für manche Personalverantwortliche verrät der...