Finanzen

Die Deutschen trauen dem Kapitalismus nicht mehr

Immer mehr Deutsche trauen dem Kapitalismus nicht mehr. Weltweit nimmt das Vertrauen in die ungezügelte Macht des Marktes ab.
21.01.2020 17:30
Aktualisiert: 21.01.2020 17:30
Lesezeit: 1 min
Die Deutschen trauen dem Kapitalismus nicht mehr
Miss Piggy von der Muppet Show an der New Yorker Börse. (Foto: dpa) Foto: Valerie Caviness / Handout

Immer mehr Deutsche sehen den Kapitalismus skeptisch. Laut einer Studie der US-Kommunikationsagentur "Edelman", die heute auf dem Weltwirtschaftforum in Davos vorgestellt wurde, sind 55 Prozent der Meinung, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Form "mehr Schaden als Gutes in der Welt anrichtet". Nur 12 Prozent sehen den Kapitalismus positiv.

Der Kapitalismus trifft einer Umfrage zufolge in zahlreichen Ländern auf starke Skepsis. 83 Prozent der Befragten haben Angst um ihren Job. 78 Prozent geben an, das Gefühl zu haben, dass ihr Einkommen nur noch dazu reiche, die täglichen Rechnungen zu begleichen, während die Elite reicher und reicher werde. 57 Prozent sagen, ihnen werde immer weniger Respekt entgegengebracht; sie wären dabei, ihre Würde zu verlieren.

Weltweit gesehen ist die Haltung gegenüber dem Kapitalismus in Thailand und Indien am wenigsten positiv. Auch in Deutschlands Nachbarland Frankreich ist die Skepsis hoch. Nur in den westlichen Auswander-Gesellschaften Australien, Kanada und den USA sowie den hochentwickelten asiatischen Staaten Südkorea, Hongkong und Japan widersprach eine Mehrheit der Negativ-Beurteilung. Generell genießt der Kapitalismus in Asien mehr Vertrauen als in anderen Gegenden der Welt.

Die Studie misst auch, wie die Menschen in ihre ökonomische Zukunft schauen. In der entsprechenden Rangliste liegen die Deutschen auf dem drittletzten Platz - über drei Viertel (77 Prozent) äußern Pessimismus. Noch mehr Sorgen äußern nur nur Franzosen (81 Prozent) und Japaner (85 Prozent - wobei der Kapitalismus, wie oben erwähnt, in Nippon dennoch weiterhin positiv gesehen wird).

Der CEO von "Edelman", Richard Edelman, zieht auf prägnante Weise Bilanz: "Es gibt eine ganz einfache Wahrheit: Die Menschen haben Angst."

Pikant: Selbst Vertreter der Finanzindustrie äußern mittlerweile Kritik am herrschenden System. Die FAZ zitiert den Chef von J.P. Morgan, Jamie Dimon: "Wenn wir den Kapitalismus nicht ändern, besteht die Gefahr, dass wir ihn für immer verlieren."

Für die Studie wurden von "Edelman" mehr als 34.000 Personen in 28 Ländern befragt. Das sogenannte "Edelman Trust Barometer" wird seit dem Jahr 2000 ermittelt. Es misst das Vertrauen von Bürgern in zentrale Institutionen. Über die Jahre stellten die Autoren eine wachsende Wahrnehmung von sozialer Ungleichheit fest. Die diesjährigen Ergebnisse fasst Studienleiter David Bersoff folgendermaßen zusammen: "Die Menschen bezweifeln, dass die Welt, in der wir heute leben, optimal für eine gute Zukunft ist."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldgedeckte Digitalwährungen als Brücke zwischen Sachwerten und Finanztechnologie

Steigende Inflation, geopolitische Unsicherheiten und die fortschreitende Digitalisierung verändern die Anforderungen an moderne Formen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft US-Professor: Diese Energieform hat in den USA eine „außergewöhnliche“ Allianz geschaffen
21.06.2026

Während Trump weite Teile der Energiewende in den USA gebremst hat, konnte die Geothermie weiter voranschreiten. Laut einem US-Professor...

DWN
Immobilien
Immobilien Mieterhöhung, Nießbrauch, Grundsteuer: Diese Gerichtsurteile treffen Immobilienbesitzer direkt
21.06.2026

Mieterhöhung, Grundsteuer, Nießbrauch: Hinter diesen Stichworten stecken Urteile, die für Vermieter und Eigentümer über Tausende Euro...

DWN
Politik
Politik Recht auf Homeoffice? Warum Homeoffice kein Allheilmittel ist
21.06.2026

Politik und Experten fordern in Deutschland ein Recht auf Homeoffice, etwa um Beschäftigte wegen der gestiegenen Energiepreise zu...

DWN
Politik
Politik Die Hälfte der Gelder aus Brüssel geht auf dem Weg zum Landwirt verloren
21.06.2026

Der slowenische Agrarunternehmer Aleš Hvalc kritisiert Bürokratie, schwache Genossenschaften und eine Agrarpolitik, bei der zu wenig Geld...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsmarktkrise: Warum Deutschland falsch baut
21.06.2026

Eine neue Studie zeigt: In Städten sind Wohnungen knapp, doch gebaut wird oft auf dem Land – und meist zu groß. Wie sich das...

DWN
Technologie
Technologie Elon Musks KI zerstörte in einem Experiment die Welt innerhalb von vier Tagen
21.06.2026

Das Forschungslabor für künstliche Intelligenz Emergence AI führte ein 15-tägiges Experiment durch, bei dem gängige KI-Modelle eine...

DWN
Panorama
Panorama Last Minute buchen: Wo Urlauber jetzt noch sparen können
20.06.2026

Kurzentschlossene setzen auch in diesem Sommer auf Last-Minute-Angebote. Doch der Reisemarkt hat sich verändert: Nicht jede spontane...

DWN
Technologie
Technologie KI-Pionier Bengio: „Wir können die Vorteile nutzen, ohne die Katastrophe zu riskieren“
20.06.2026

Yoshua Bengio ist ein kanadischer Informatiker, der bekannt wurde durch seine Forschung zu künstlichen neuronalen Netzen und Deep...