Politik

Schwedischer Offizier mit gefälschten Dokumenten arbeitete im Nato-Hauptquartier

Ein schwedischer Offizier hat mit gefälschten Dokumenten und einem gefälschten Lebenslauf über 20 Jahre lang Karriere in Schweden und bei der Nato gemacht.
06.02.2020 12:28
Lesezeit: 1 min
Schwedischer Offizier mit gefälschten Dokumenten arbeitete im Nato-Hauptquartier
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. (Foto: dpa) Foto: Thierry Monasse

Die schwedische Zeitung Dagens Nyheter hat aufgedeckt, dass ein schwedischer Offizier mit gefälschten Auszeichnungsdokumenten und einem gefälschten Lebeslauf über 20 Jahre lang Karriere in der schwedischen Armee (Försvarsmakten) gemacht hat. Der Mann hatte führende Rollen in schwedischen internationalen Missionen und hat mit dem Geheim- und Sicherheitsdienst der Armee zusammengearbeitet. Er war auch ein Ansprechpartner für den russischen Sicherheitsdienst FSB und arbeitete im militärischen Hauptquartier der NATO, SHAPE.

Der Mann wurde eigentlich vor 20 Jahren aus einem militärischen Ausbildungsprogramm rausgeworfen worden, weil er falsche Angaben zu seinen Schulnoten gemacht hatte. Trotzdem gelang es dem Mann, mit gefälschten Dokumenten in die schwedische Armee aufgenommen zu werden.

Oberstleutnant Morgan Gustafsson, der 1999 für jüngere Offiziere verantwortlich war, bestätigt die Informationen von Dagens Nyheter. “Er war nicht ehrlich und beendete die militärische Ausbildung nicht. So einfach ist das. Als wir ihn durchsuchten, stellten wir fest, dass er nicht für die Streitkräfte geeignet war”, so Morgan Gustafsson.

Oberstleutnant Carl-Axel Blomdahl, der die Ermittlungen im Hauptquartier der Streitkräfte leitet, sagte: “Ich finde es bedauerlich, dass dies geschehen ist. Dies hätte nicht möglich sein dürfen.”

Der Mann hat als Offizier für die schwedischen internationalen Missionen gearbeitet - als Kapitän im Kosovo und als Major in Afghanistan. Von 2007 bis 2010 und 2013 war er Mitarbeiter des Geheimdienstes Must. Dort arbeitete er mit Schwedens geheimen Verschlüsselungsschlüsseln.

2012 wurde er vorübergehend zum Oberstleutnant befördert und in das NATO-Hauptquartier SHAPE in Mons (Belgien) geschickt. Dort arbeitete er mit dem klassifizierten System - Afghanistan Mission Network (AMN). Schweden ist kein NATO-Mitglied, arbeitet jedoch eng mit der Organisation zusammen und war das erste Nicht-NATO-Land, dem der Zugang zum AMN-System gewährt wurde. Die Anstellung des Mannes bei Must sollte bis 2015 dauern, wurde jedoch 2013 auf eigenen Wunsch aus persönlichen Gründen gekündigt.

Ein Nato-Sprecher teilte Dagens Nyheter mit: “Dies sind schwerwiegende Vorwürfe. Uns ist bekannt, dass die schwedischen Streitkräfte diese Angelegenheit derzeit untersuchen. Die NATO und Schweden sind enge Partner, und wir bleiben mit den schwedischen Behörden in Kontakt, um die Fakten zu ermitteln. Mitarbeiter mit vorübergehenden NATO-Einsätzen werden vom Heimatland ausgewählt und entsandt, welches auch für Sicherheitsüberprüfungen zuständig ist. Da diese Angelegenheit derzeit von der schwedischen Armee untersucht wird, wäre es für uns unangemessen, weitere Kommentare abzugeben.”

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Investitionsstrategien im KI-Zeitalter: Kriterien für langfristige Wertschöpfung
15.02.2026

Künstliche Intelligenz prägt Investitionsentscheidungen und verändert die Bewertungsmaßstäbe an den Finanzmärkten. Wie lassen sich im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Schlüsselindustrien im Umbruch: Deutschlands Rolle am europäischen Markt
15.02.2026

Deutschland steht vor neuen wirtschaftlichen Weichenstellungen in einem sich wandelnden europäischen Umfeld. Wie lässt sich unter diesen...

DWN
Politik
Politik Grenzwerte: Umweltbundesamt bestätigt ausreichende Luftqualität in Deutschland
15.02.2026

Die Europäische Union gibt Grenzwerte vor, die in den Ländern eingehalten werden müssen. Die Luftqualität in Deutschland hat im...

DWN
Technologie
Technologie Elektronische Patientenakte spärlich genutzt: Gesundheitsministerin will ePA attraktiver machen
15.02.2026

Gesundheitsministerin Nina Warken weiß, dass bisher nur ein Bruchteil der gesetzlich Versicherten die sogenannte ePA aktiv nutzen. Sie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB setzt auf strikte Regeln für Banken: Kapital als Stabilitätsanker
15.02.2026

Die EZB hält trotz politischen Drucks an strikten Kapitalregeln für Banken fest und warnt vor Risiken für die Finanzstabilität. Welche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Historische Marke: Musks Vermögen überschreitet 800 Milliarden Dollar
14.02.2026

Elon Musk überschreitet als erster Unternehmer die 800-Milliarden-Dollar-Marke und baut seinen Vorsprung an der Spitze der Forbes-Liste...

DWN
Politik
Politik Chinas Militär im Umbruch: Xi Jinpings Strategie im Taiwan-Konflikt
14.02.2026

Chinas Führung greift tief in die militärische Machtstruktur ein und ordnet die Spitzen der Streitkräfte neu. Welche Folgen hat dieser...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Was Wirtschaftsprüfer zuerst prüfen: Wie Unternehmen bei der Prüfung bestehen
14.02.2026

Unternehmen stehen bei Abschlussprüfungen unter wachsendem regulatorischem Druck und steigenden Transparenzanforderungen. Entscheidet sich...