Deutschland

Drastischer Gewinneinbruch: Sparkurs bei Daimler zahlt sich nicht aus

Die Sparpolitik von Daimler-Chef Ola Källenius hat keine Effekte erzielt. Stattdessen ging im vergangenen Jahr der Gewinn des Autobauers drastisch zurück.
11.02.2020 12:53
Aktualisiert: 11.02.2020 12:53
Lesezeit: 2 min
Drastischer Gewinneinbruch: Sparkurs bei Daimler zahlt sich nicht aus
Ein Mercedes-Stern ist auf der verregneten Haube eines Mercedes-Benz zu sehen. (Foto: dpa) Foto: Marijan Murat

Der Autobauer Daimler ächzt unter Milliardenkosten und muss erneut einen drastischen Gewinneinbruch verkraften. Unter dem Strich blieben für 2019 gerade noch 2,4 Milliarden Euro übrig, wie der Konzern am Dienstag in Stuttgart mitteilte. 2018 war es noch dreimal so viel - und selbst da war das auf die Aktionäre entfallende Ergebnis schon heftig eingebrochen. Zwar konnte Daimler den Umsatz mit 172,7 Milliarden Euro noch leicht ausbauen - auch weil die Kernmarke Mercedes-Benz das Jahr erneut mit einem Absatzrekord abschloss. Hohe Kosten fressen aber einen Großteil gleich wieder auf.

So muss Daimler nicht nur die Investitionen in den Anlauf der Elektroauto-Produktion und in die Entwicklung teurer Zukunftstechnologien schultern. Auch die Rechnung für die Altlasten aus der Dieselaffäre ist im vergangenen Jahr immer länger geworden. "Während unsere Ergebnisse im Jahr 2019 die weiterhin starke Nachfrage nach unseren attraktiven Produkten widerspiegeln, können wir mit dem Gewinn nicht zufrieden sein", zitiert die dpa Vorstandschef Ola Källenius.

Auch für die Mitarbeiter des Auto- und Lastwagenbauers sowie für die Aktionäre hat der Gewinneinbruch Folgen: Für die rund 130.000 Tarifbeschäftigten gibt es 2020 nur noch 597 Euro Ergebnisbeteiligung und eine einmalige Anerkennungsprämie von bis zu 500 Euro. Im Vorjahr hatte die Prämie noch bei 4.965 Euro gelegen.

Außerdem kürzte Daimler seine Dividende drastischer als erwartet. Die Aktionäre sollen je Aktie für das abgelaufene Geschäftsjahr nur noch 90 Cent erhalten - nach 3,25 Euro das Jahr zuvor.

"Vor allem erhebliche Sonderbelastungen beeinträchtigten unsere Finanzergebnisse im vergangenen Jahr", betonte Källenius. Seit seinem Amtsantritt im Mai hatte der Schwede deshalb die Erwartungen schon mehrfach nach unten korrigiert und zudem im November ein Sparpaket auf den Weg gebracht, das unter anderem die Streichung Tausender Arbeitsplätze vorsieht und 2020 erste Effekte zeigen soll. So erwartet Daimler zwar kaum Veränderungen beim Umsatz, dafür aber eine deutliche Steigerung des operativen Ergebnisses. Von seinen langfristigen Renditezielen bleibt der Konzern aber weit entfernt.

Einem Absatzrekord im Pkw-Geschäft bei Mercedes-Benz mit rund 2,34 Millionen verkauften Autos im vergangenen Jahr steht bei Daimler nicht nur eine nachlassende Konjunktur im Lastwagengeschäft gegenüber. Der Konzern muss Milliarden investieren, um seine Elektroflotte auf die Straße zu bringen - vor allem, um die verschärften CO2-Grenzwerte einhalten und Strafzahlungen vermeiden zu können. Gleich beim ersten Modell EQC sorgten Probleme mit einem Bauteil aber dafür, dass zum Start nicht so viele Fahrzeuge ausgeliefert werden konnten wie geplant.

Auch die Entwicklung von Zukunftstechnologien wie dem automatisierten Fahren kostet trotz Partnerschaften mit anderen Branchenriesen wie BMW und Bosch Milliarden. Källenius hält an den Projekten fest. Besonders teure Visionen wie das "Robotaxi", die seiner Ansicht nach auf absehbare Zeit deutlich mehr Geld verschlingen werden, als sie einbringen können, hat der Schwede auf der Prioritätenliste aber weit nach hinten geschoben.

Und dann sind da noch die Altlasten aus der Dieselaffäre. Für Rückrufe und Verfahren weltweit hatte Daimler schon im vergangenen Sommer rund 1,6 Milliarden Euro auf die Seite gelegt. Erst vor knapp drei Wochen hatte der Konzern dann aber einräumen müssen, dass die Rechnung noch mal länger wird - um knapp 1,4 Milliarden Euro. Betroffen sind vor allem die Autosparte und die Van-Abteilung. Bei Mercedes-Benz Pkw brach das operative Ergebnis um die Hälfte ein, die Vans häuften gar drei Milliarden Euro Verlust an.

Die Behörden werfen Daimler vor, in diversen Diesel-Modellen eine unzulässige Abschalteinrichtung in die Steuerung der Abgasreinigung eingebaut zu haben. Der Konzern bestreitet das, hält sich aber an die Rückrufe und hat schon bei Hunderttausenden Fahrzeugen Software-Updates installiert.

Außer den Personalkosten will Källenius auch die Materialkosten deutlich senken und zudem die Investitionen deckeln, die teure Modellpalette ausdünnen und sich in den einzelnen Segmenten stärker auf die Fahrzeuge mit den höchsten Gewinnspannen konzentrieren. Das Aus der X-Klasse etwa, eines erst 2017 auf den Markt gebrachten, aber hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Pick-up-Modells, ist schon beschlossen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik US-Politikwissenschaftler: Der Schwerpunkt der NATO verlagert sich nach Osten, nur Europa hat das noch nicht begriffen
24.05.2026

Die NATO verändert ihre innere Geografie und Polen rückt ins Zentrum der europäischen Sicherheit. Dahinter steht das Ende eines...

DWN
Panorama
Panorama Elon Musk als Technokönig: Warum Muskismus mehr ist als Tesla und SpaceX
24.05.2026

Elon Musk ist längst mehr als ein Unternehmer. Eine neue Analyse beschreibt Muskismus als Projekt, das Technologie, Macht und...

DWN
Technologie
Technologie Handynutzung: Prepaid-Handys kommen in Deutschland aus der Mode
24.05.2026

Wie viele Minuten waren das? Wer früher bei der Handynutzung sparsam sein wollte, der hielt Telefonate kurz. Prepaid-Karten konnten...

DWN
Politik
Politik Kann Europa Weltmacht werden? Eine Analyse
24.05.2026

Die alte Weltordnung bricht weg, und Europa steht plötzlich allein zwischen den streitenden Machtblöcken. Jetzt entscheidet sich, ob der...

DWN
Technologie
Technologie Rekordabsatz bei Wärmepumpen: Fast jede zweite neue Heizung läuft elektrisch
24.05.2026

Der Markt für neue Heizgeräte erholt sich schneller als erwartet: Im ersten Quartal 2026 stieg der Gesamtabsatz um 16 Prozent....

DWN
Politik
Politik EU-USA-Abkommen: Brüssel bekommt nicht, was es wollte, aber was es braucht
24.05.2026

Bernd Lange, Chef des Ausschusses für den Außenhandel des Europäischen Parlaments, glaubt, dass die EU ein Sicherheitsnetz gegen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Neuer EQT-Vorsitzender Salata: „Mit Geld kommt Verantwortung“
24.05.2026

Der chilenische Milliardär Jean Eric Salata hat nun den Vorsitz bei der schwedischen Private-Equity-Gesellschaft EQT übernommen....

DWN
Politik
Politik Russischer Topökonom: „Putin wird bald begreifen, dass die Zeit nicht auf seiner Seite ist“
24.05.2026

Sergej Guriev, russischer Ökonom im Exil, gilt als einer der weltweit führenden Experten für Russlands Wirtschaft. Im Interview schätzt...