Politik

Briten wollen Fachkräfte - ungelernte Migranten müssen fortan draußen bleiben

Die britische Regierung wird den Zustrom von Migranten künftig genau steuern. So sollen gut ausgebildete Fachkräfte ins Land gelassen werden, ungebildete Zuwanderer nicht.
19.02.2020 13:40
Lesezeit: 1 min
Briten wollen Fachkräfte - ungelernte Migranten müssen fortan draußen bleiben
Boris Johnson (l), Premierminister von Großbritannien, spricht während der ersten Kabinettssitzung des neuen Kabinetts neben Rishi Sunak, neuer Finanzminister von Großbritannien, in der 10 Downing Street. (Foto: dpa) Foto: Matt Dunham

Nach dem Brexit will die britische Regierung den Zuzug von geringqualifizierten Arbeitern drastisch einschränken. Sie plant eine Einwanderungsreform ab dem 1. Januar 2021, mit der Fachkräfte bevorzugt werden. Vorgesehen ist die Einführung eines Punktesystems, das sich an Ausbildung, Qualifikationen, Gehältern und Berufen orientiert. Nur wer genügend Punkte erhält, bekommt ein Visum.

Das System werde dafür sorgen, dass Menschen "mit den richtigen Fähigkeiten hier herkommen und unser Land und unsere Wirtschaft unterstützen", sagte Innenministerin Priti Patel bei der Vorstellung der Pläne am Mittwoch. Die hohe Einwanderung insbesondere aus ärmeren EU-Ländern wie Bulgarien und Rumänien war einer der Hauptgründe, den Brexit-Befürworter 2016 beim Referendum über den EU-Austritt ins Feld führten.

Unternehmensverbände geben jedoch zu bedenken, dass viele Firmen auf Arbeiter aus dem Ausland angewiesen seien, und dass Großbritannien alleine den Bedarf an Erntehelfern oder Pflegern womöglich nicht decken könne. Die Regierung entgegnete, die britische Wirtschaft müsse sich von "billigen Arbeitskräften aus Europa" unabhängiger machen und sich stattdessen auf Investitionen in Technologie und Automatisierung konzentrieren. "Die Arbeitgeber müssen sich anpassen."

Visumsbewerber werden bestimmte Kriterien erfüllen müssen. Dazu zählen zum Beispiel Englischkenntnisse. Auch müssen sie ein Jobangebot haben, das ein Jahresgehalt von mindestens 25.600 Pfund (etwa 31.000 Euro) vorsieht. Nach Schätzung von Regierungsberatern hätten rund 70 Prozent der Bürger aus dem Europäischen Wirtschaftsraum, die seit 2004 nach Großbritannien kamen, keinen Visumsanspruch gehabt, wenn die jetzt geplanten Gehalts- und Qualifikationsschwellen bereits gegolten hätten.

Großbritannien hat die EU am 31. Januar verlassen. Bis Ende Dezember gilt eine Übergangszeit, in der die künftigen Beziehungen ausgearbeitet werden müssen. Unter dem neuen Einwanderungssystem sollen Migranten aus der EU gegenüber jenen aus anderen Staaten keine Vorteile mehr bekommen. EU-Besucher, die nur bis zu sechs Monate kommen, benötigen kein Visum.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Integration der Sachsen-Werke verzögert - was das bedeutet
04.05.2026

Bei Volkswagen geraten zentrale Umstrukturierungen ins Stocken, was auch die VW-Aktie beeinflussen könnte. Die geplante Integration der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tegut-Übernahme: Das sind die Folgen für Verbraucher und den Wettbewerb
04.05.2026

Mit dem Verkauf von Tegut steht eine bekannte Supermarktkette vor dem Aus. Die Tegut-Übernahme durch Edeka und Rewe könnte den Wettbewerb...

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank-Aktie gegen Unicredit: Machtkampf um die Zukunft der Commerzbank
04.05.2026

Seit Monaten verteidigt die Commerzbank ihre Eigenständigkeit. Die italienische Unicredit hält das nicht davon ab, den DAX-Konzern unter...

DWN
Finanzen
Finanzen BlackSky-Aktie: 267 Prozent Kursplus und ein gefährlicher Haken
04.05.2026

Die BlackSky-Aktie ist in zwölf Monaten um 267 Prozent gestiegen. Doch hinter dem Hype um Satelliten, KI und Verteidigungsaufträge stehen...

DWN
Panorama
Panorama Studie: Deutsche vertrauen Demokratie – aber mit Zweifel
04.05.2026

Viele Menschen in Deutschland bekennen sich klar zur Demokratie – zumindest in der Theorie. Doch sobald es um die konkrete Umsetzung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölpreis aktuell: Wird das Thema unter Trump jetzt zur finanziellen Katastrophe?
04.05.2026

Trump bringt den Ölpreis erneut in Bewegung und steht vor zwei schlechten Optionen. Wird aus der Blockade von Hormus nun der nächste...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Eurozone: Industriestimmung trotzt externen Belastungen
04.05.2026

Die Industriestimmung in der Eurozone zeigt sich überraschend robust und steigt trotz geopolitischer Risiken weiter an. Doch hinter den...

DWN
Finanzen
Finanzen Volatile Thyssenkrupp-Aktie trotzt kurzzeitig dem Gegenwind - MDAX-Wert mit Auf und Ab
04.05.2026

Die Thyssenkrupp-Aktie überrascht Anleger mit einer unerwarteten Kursbewegung in die Gewinnzone. Trotz gestoppter Verkaufspläne im...