Finanzen

Bruch in der Lieferkette: Google und Microsoft ziehen Produktion aus China ab

Insidern zufolge haben die beiden Technologiekonzerne Google und Microsoft die Verlegung von Produktionseinheiten aus China nach Vietnam und Thailand eingeleitet. Ob die Maßnahme mittel- und langfristig Sinn ergibt, ist unsicher.
29.02.2020 13:58
Lesezeit: 1 min
Bruch in der Lieferkette: Google und Microsoft ziehen Produktion aus China ab
Ein Polizist spricht in einem mobilen Untersuchungszentrum mit Ärzten. (Foto: dpa) Foto: Ou Dongqu

Die beiden Technologiekonzerne Google und Microsoft wollen Teile ihrer in China bestehenden Produktionskapazitäten nach Vietnam und Thailand verlegen. Einem namentlich nicht genannten Insider zufolge will Google sein Pixel 4A Smartphone nicht mehr in China, sondern ab April des laufenden Jahres in Vietnam fertigen lassen. Auch das Nachfolgermodell Pixel 5 soll demnach ab der zweiten Jahreshälfte in Vietnam gebaut werden, berichtet der Nikkei Asian Review. Einer anderen Quelle zufolge will Google zudem seine Produkte aus der Smart Home-Serie fortan in Thailand fertigen lassen – ein Partner vor Ort sei angefragt worden, ob er die Kapazitäten dafür habe.

Andere Insider berichteten, dass Microsoft die Produktion seiner Laptops und Computer ab dem zweiten Quartal 2020 von China nach Vietnam verlegen wird. „Anfangs wird das Volumen in Vietnam noch klein sein, aber es soll stetig wachsen und dass ist genau die Richtung, die Microsoft einschlagen will“, wird eine der Quellen zitiert.

Hintergrund für die Entscheidung sind die schweren Einbrüche in den Lieferketten, welche durch den Ausbruch des Coronavirus in China ausgelöst wurden. Vor einigen Tagen bereits hatte der Konkurrent Apple seine Gewinnprognose für das laufende Jahr komplett gestrichen und dies mit Schwierigkeiten in China begründet – das Land ist der weltweit bedeutendste Produktionsstandort für die Technologiebranche, praktisch alle großen Hersteller lassen dort produzieren oder Vorprodukte fertigen.

„Der unerwartete Schlag durch das Coronavirus wird definitiv dazu führen, dass Elektronikkonzerne ihre Produktionskapazitäten weiter aus ihrem kosteneffizientesten Produktionsstandort China verlegen müssen. Keiner kann die Risiken nun mehr ignorieren. Es geht auch nicht mehr um die Kosten, sondern um die Aufrechterhaltung der Lieferketten als solche“, wird ein Manager vom Nikkei Asian Review zitiert.

Aber die starke Abhängigkeit von Apple, Google und Microsoft von China wird es den Unternehmen erschweren, die Lieferketten in so kurzer Zeit umzustellen. Möglich ist, dass etwa iPhones und Airpods bald nicht mehr geliefert werden könnten, weil die Umstellung auf Hindernisse stößt. Zu bedenken ist etwa, dass viele Vorprodukte und Kleinteile, welche für die Produktion der Geräte benötigt werden, ebenfalls aus chinesischer Produktion stammen und nicht einfach durch thailändische oder vietnamesische Produkte ersetzt werden können.

„Es ist vernünftig für Unternehmen wie Google, die Diversifikation mit Blick auf das Coronavirus und den Handelskrieg mit den USA zu beschleunigen. Doch selbst wenn die Endfertigung dann außerhalb Chinas steht, müssen die Zulieferer noch immer einige Komponenten aus dem Land beziehen. Es ist eine Frage des gesamten Lieferketten-Ökosystems, und dessen Umorganisierung braucht Zeit“, wird ein Analyst zitiert.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen DeFi-Hashing nutzt die Rechenleistung künstlicher Intelligenz, um das Vermögen der Nutzer zu mehren.

Major economies are actively promoting the establishment of a unified capital market regulatory framework and plan to strengthen the...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Bank-Analyse: S&P 500 wird zur Milliardenfalle für sorglose Anleger
05.06.2026

Der S&P 500 rennt von Rekord zu Rekord, doch ausgerechnet die Deutsche Bank sieht darin ein Warnsignal. Der rasante Anstieg erinnert an...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Astrolight: Laser statt Funk für Militär und Weltraum
05.06.2026

Klingt nach "Star Wars": Das litauische Start-up Astrolight entwickelt Lasertechnologie für den Weltraum, die sich aber auch auf der Erde...

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO: Der KI-Boom bekommt seinen Börsentest
05.06.2026

Erst kam ChatGPT, jetzt drängt Claude an die Börse. Das Anthropic IPO könnte zeigen, ob der KI-Boom wirklich tragfähig ist oder Anleger...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gegenwind für den Standort: Bund verteidigt Kurs nach Pharma-Investitionsstopps
05.06.2026

Nachdem große Pharmakonzerne angekündigt haben, geplante Milliardeninvestitionen in Deutschland auf Eis zu legen, bezieht die...

DWN
Politik
Politik "Ein reines Belastungspaket": Scharfe Kritik an Warkens Pflegereform - "erschüttert und wütend"
05.06.2026

Für die Pflegeversicherung liegt jetzt ein Sanierungskonzept vor, das den Alltag für viele teurer macht. Nun erhält Warken starken...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EY-Analyse: Deutsche Autobauer verlieren Umsatz und hinken hinterher
05.06.2026

Fehlstart ins Jahr: Während die internationale Konkurrenz beim Umsatz zulegen kann, verlieren Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW deutlich...

DWN
Politik
Politik Rentenreform: Abschaffung der Frührente würde Milliarden sparen
05.06.2026

Kommt das Aus für die Frührente? 9,5 Milliarden Euro an Einsparungen, 125.000 erhaltene Arbeitskräfte: Das Forschungsinstitut DIW nennt...

DWN
Politik
Politik Milliarden-Spritze: Neue Finanzhilfen für die ukrainische Wirtschaft
05.06.2026

Russlands Angriffe treffen auch die Unternehmen der Ukraine hart. Ein neues Hilfsprogramm von EU und EBRD steuert nun mit Garantien und...