Technologie

97 Prozent der Mining-Geräte finden niemals einen Bitcoin

Fast alle Mining-Geräte, mit deren Hilfe neue Bitcoin geschürft werden sollen und die dabei extrem viel Strom verbrauchen, finden im Verlauf ihrer circa 18 Monate Lebenszeit nicht einen einzigen Bitcoin. Kritiker sprechen von massiver Energieverschwendung.
10.03.2020 10:00
Lesezeit: 2 min
97 Prozent der Mining-Geräte finden niemals einen Bitcoin
Die allermeisten Mining-Geräte finden niemals auch nur einen einzigen Bitcoin, verbrauchen aber dennoch Unmengen Energie. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Das Bitcoin-Netzwerk beruht auf dem sogenannten Mining, dass die korrekte Aufzeichnungen von Transaktionen in der Blockchain sicherstellt. Dabei darf ein Mining-Gerät, wenn es ein vorgegebenes mathematisches Rätsel als erstes löst, einen neuen Block zur Bitcoin-Blockchain hinzufügen. Der neue Block wird dann von den anderen Mining-Geräten geprüft, bevor sie ihn übernehmen und am nächsten Block arbeiten.

Als Anreiz für diesen energieintensiven Prozess erhält das Mining-Gerät, welches ein Rätsel als erstes löst, eine Block-Belohnung in Höhe von aktuell 12,5 Bitcoin. Im Schnitt wird auf diese Weise alle zehn Minuten ein neuer Block zur Bitcoin-Blockchain hinzugefügt. Das bedeutet, dass es jeden Tag durchschnittlich 144 neue Blöcke gibt und 52.560 Blöcke im Jahr.

97 Prozent der Mining-Geräte finden niemals einen Bitcoin

Dies zeigt eine grobe Rechnung. Ein Mining-Gerät ist etwa anderthalb Jahre in Betrieb, bevor es technologisch veraltet ist - es rechnet zu langsam im Vergleich zu den neueren Geräten - und entsorgt daher werden muss. Im Verlauf dieser anderthalb Jahre werden jedoch nur 78.840-mal Block-Belohnungen ausgezahlt. Da es weltweit rund 2,5 Millionen Bitcoin-Mining-Geräte gibt, gehen etwa 97 Prozent der Geräte leer aus.

Das heißt jedoch nicht, dass man 97 Prozent der Geräte nicht brauchen würde. Man bedenke dazu das folgende analoge Problem: Forscher, die nach neuen Vorkommen von Bodenschätzen suchen, sind ebenfalls bei den allermeisten Versuchen erfolglos. Doch ihre Suche lohnt sich offenbar trotzdem, denn andernfalls würde sie wohl niemand für ihre Arbeit bezahlen.

Dass von den weltweit rund 2,5 Millionen Bitcoin-Mining-Geräten alle zehn Minuten immer nur ein einziges Gerät eine Block-Belohnung für seinen Betrieb erhält, während alle anderen zwar ebenfalls massiv Strom verbrauchen, aber dennoch leer ausgehen, ist der Ausgangspunkt eines alten Vorwurfs gegen Bitcoin. Demnach verschwendet die älteste aller Kryptowährungen viel Energie und ist somit ein Klimakiller.

Ist Bitcoin ein Klima-Killer?

Laut dem Datenanbieter Digiconomist verbraucht das Bitcoin-Netzwerk aktuell aufs Jahr hochgerechnet insgesamt rund 78 Milliarden Kilowattstunden Strom. Das ist etwa ein Siebtel des gesamten Stromverbrauchs von Deutschland und mehr als der gesamte Stromverbrauch von Österreich.

Pro Tag nehmen die Miner etwa 320.000 neue Bitcoin-Transaktionen in die Bitcoin-Blockchain auf. Daher kommt der Datenanbieter Digiconomist auf den Zusammenhang, dass eine Transaktion rund 655 Kilowattstunden Strom benötigt. Das ist mehr Strom, als ein deutscher Zweipersonenhaushalt im Verlauf eines Vierteljahres verbraucht.

Diese letzten Rechnungen, die Bitcoin als Stromverschwender brandmarken sollen, sind sicherlich nicht ganz fair. Denn erstens werden die rund 78 Milliarden Kilowattstunden Strom nicht nur für die getätigten Transaktionen eingesetzt, sondern zur Absicherung des gesamten Bitcoin-Netzwerks mit einer Marktkapitalisierung von 160 Milliarden Dollar.

Zudem können Mining-Geräte praktisch überall in der Welt aufgestellt werden und stehen in der Regel auch dort, wo ein Übermaß an billigem Strom verfügbar ist, wie kürzlich eine Studie von CoinShares zeigte. Demnach stammen 73 Prozent der Elektrizität für den Betrieb des Bitcoin-Netzwerks aus erneuerbaren Energien - zwei Drittel davon befinden sich in China.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Technologie
Technologie Elektromobilität: Wo Elektroautos besonders boomen
19.10.2026

Förderung, breitere Auswahl und die hohen Spritpreise treiben die Elektroautoneuzulassungen in Deutschland. In zwei Bundesländern fährt...

DWN
Politik
Politik Midterms: Trump geht auf Putin zu - Verständigung trotz Ukraine-Krieg
19.10.2026

Trump ist Selenskyj schon oft in den Rücken gefallen, in seinem aktuellen Kurs sehen einige Experten eine neue Qualität. Gibt der...

DWN
Politik
Politik Experte: Trumps neue Grönland-Ankündigung dreht sich um etwas ganz anderes
19.10.2026

Donald Trump kündigt eine großangelegte Suche nach Öl, Gas und kritischen Mineralien in Grönland an. Doch zwei Experten bezweifeln,...

DWN
Politik
Politik Heil statt Klingbeil? Ex-Arbeitsminister schließt Kandidatur für SPD-Vorsitz nicht aus
18.10.2026

Bekommt Lars Klingbeil jetzt Konkurrenz? Ex-Arbeitsminister Hubertus Heil bekommt nach eigenen Worten aus der SPD viele Ermutigungen, für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche in der Dauerkrise: Immer mehr Ausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen
18.10.2026

Die Krisen der vergangenen Jahre hinterlassen Spuren in der Psyche vieler Menschen und am Arbeitsmarkt: Immer mehr Arbeitnehmer fallen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Methanemissionen: Energiepreise – EU-Kommission will Klimaregeln verschieben
18.10.2026

In Brüssel werden Mittel gegen die ausufernden Energiepreise gesucht. Einen Weg sieht die Kommission darin, bestimmte Klimaregeln später...

DWN
Finanzen
Finanzen Kaffeepreis: Warum die billigste Bohne am Ende die teuerste ist
18.10.2026

Kaffee wird immer teurer. Doch wer jetzt zu günstigen Bohnen greift, könnte die nächste Preisexplosion selbst befeuern. Klimawandel,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bewerbungsverfahren: Künstliche Intelligenz verändert die Auswahlkriterien
18.10.2026

Bewerber verfassen Bewerbungsunterlagen mit KI, Betriebe lassen die Maschine zumindest einen Teil der Vorauswahl machen. Das ändert die...