Deutschland

Grünen-Politiker Özdemir fordert Abschaffung der Subvention für Diesel

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir fordert, dass die Subvention für Dieselkraftstoff abgeschafft werden soll. “Wir wollen eine Verkehrswende: Massive Investitionen in Bus, Bahn und Rad und ein Abschied von fossilen Kraftstoffen”, hatte er zuvor gesagt.
06.03.2020 17:04
Lesezeit: 1 min
Grünen-Politiker Özdemir fordert Abschaffung der Subvention für Diesel
Baden-Württemberg, Stockach: Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) sitzt vor dem Narrengericht. (Foto: dpa) Foto: Patrick Seeger

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir hat scharfe Kritik an Verkehrsminister Andreas Scheuer geübt. Scheuers Klimapolitik sei “Arbeitsverweigerung”. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) habe offenbar nicht die Autorität, ihren Kabinettskollegen zum Abliefern zu bewegen. “Wenn wir den Durchbruch bei E-Mobilität schaffen wollen, müssen wir ran an die Subventionen für Dieselkraftstoff, und wir brauchen ein wirksames Bonus-Malus-System in der Kfz-Steuer, damit Spritschlucker zahlen und klimaneutrale Fahrzeuge einen dicken Bonus bekommen”, zitiert die dpa Özdemir.

Hintergrund ist, dass das Klimaschutzpaket der schwarz-roten Koalition nach Berechnungen im Auftrag der Bundesregierung nicht ausreicht, um die Ziele Deutschlands bis 2030 zu erreichen - die Maßnahmen reichen nach Medienberichten vor allem im Verkehr und im Gebäudebereich nicht aus.

Özdemir, der der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag ist, setzt sich seit geraumer Zeit für die Abschaffung des Dieselsteuer-Privilegs ein. Die Rheinische Post zitiert den Grünen-Politiker: “Wir müssen ganz klar und schnell in Richtung emissionsfreie Mobilität und Dekarbonisierung gehen beim Auto, beim Lkw, bei Schiffen und auch beim Flugzeug. Dazu brauchen wir nicht allein mehr Förderungen, dazu müssen wir vor allem ran an die Strukturen. Zurzeit subventionieren wir immer noch Dieselkraftstoff mit Milliarden Euro pro Jahr. Aber wer Neues fordert, darf eben nicht gleichzeitig auch Altes fördern. Wir wollen nicht nur ein bisschen emissionsfreie Mobilität on top zum fossilen Status-Quo. Wir wollen eine Verkehrswende: Massive Investitionen in Bus, Bahn und Rad und ein Abschied von fossilen Kraftstoffen.”

In einem Interview mit der SWP fordert Özdemir, dass beim Diesel schrittweise der Preisvorteil abgeschafft werden soll.

“Spritschlucker sollen stärker nach CO2-Ausstoß besteuert werden, emissionsarme Autos erhalten einen Steuerbonus. Außerdem wollen wir das Dieselprivileg schrittweise abschaffen. Die Subventionen im Umfang von sieben Milliarden Euro wollen wir in moderne Mobilität investieren. Dazu gehört der Ausbau des sicheren Radverkehrs, die Förderung von emissionsfreiem Carsharing und exzellenten öffentlichen Nahverkehrssytemen”, so der Grünen-Politiker in einem Interview mit dem Tagesspiegel.

Electrive.net zufolge wird Dieselkraftstoff seit 1994 mit brutto 22 Cent weniger besteuert als Benzin. Dadurch gehen dem Staat angeblich jährlich 9,5 Milliarden Euro verloren. Allerdings ist zu bedenken, dass Diesel-Fahrer höhere Kfz-Steuern abführen müssen.

“Die Steuervergünstigung für Dieselkraftstoff wurde eingeführt, um Nutzfahrzeuge sowie den gewerblichen Lkw-Verkehr vor dem internationalen Kostenwettbewerb zu schützen (...) Von der Subvention profitieren heute deshalb auch private und gewerbliche Halterinnen von Diesel-Pkw sowie die Hersteller solcher Fahrzeuge”, so das Forum Ökologische-Soziale Marktwirtschaft.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsches Staatsdefizit steigt: Ausgaben wachsen schneller als Einnahmen
02.09.2026

Die Staatsausgaben laufen aus dem Ruder: Während die Einnahmen im ersten Halbjahr um 2,8 Prozent zulegten, erhöhten sich die Ausgaben mit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Halberstädter Würstchen sind Geschichte: Ostdeutsches Unternehmen schließt Fabrik
02.09.2026

Hohe Kosten haben das traditionsreiche Unternehmen Halberstädter aus Sachsen-Anhalt in die Insolvenz getrieben. Ein neuer Investor ließ...

DWN
Politik
Politik Trump, China und Europas Industrie: EU-Klimachef schlägt Alarm
02.09.2026

Donald Trump steigt aus der internationalen Klimapolitik aus, China überschwemmt Europa mit staatlich gestützter grüner Technologie und...

DWN
Politik
Politik CO2-Emissionen: TU München wirft EU falsche Klimavorgaben für Autos vor
02.09.2026

Wissenschaftler der TU München werfen der EU "Fehlsteuerung" bei den Klimazielen für Autos vor. Die Kritik zielt darauf, dass in den...

DWN
Politik
Politik Kabinett beschließt Einkommensteuerreform
02.09.2026

Das Bundeskabinett hat die umstrittene Reform der Einkommensteuer beschlossen. Das Paket startet nun in die konkrete Gesetzgebung. Zur...

DWN
Politik
Politik Aufrüstung: Deutsche Marine testet weitreichendes Raketensystem Lora
02.09.2026

Abschreckung Russlands: Im Nordatlantik testet die Marine inmitten neuer Spannungen das israelische Raketensystem Lora. Mit der...

DWN
Finanzen
Finanzen Meta-Aktie verkaufen? Milliardenrisiko bedroht Zuckerbergs Geschäftsmodell
02.09.2026

Ein Prozess in den USA könnte Meta härter treffen als jede bisherige Milliardenstrafe. Denn diesmal steht nicht nur Geld auf dem Spiel,...

DWN
Politik
Politik Deutschland entkommt russischem Gas und landet in der nächsten Falle
02.09.2026

Deutschland hat sich vom russischen Pipelinegas gelöst und setzt nun stark auf Flüssiggas. Doch inzwischen kommt ein Großteil des...