Finanzen

Schwerer Abverkauf drückt Dax unter 10.000 Punkte

Derzeit kommt es am deutschen Aktienmarkt erneut zu einem schweren Kurseinbruch.
12.03.2020 09:31
Aktualisiert: 12.03.2020 09:31
Lesezeit: 2 min
Schwerer Abverkauf drückt Dax unter 10.000 Punkte
Bulle und Bär an der Frankfurter Börse. (Foto: dpa) Foto: Boris Roessler

Der Ausverkauf am deutschen Aktienmarkt hat sich am Donnerstag beschleunigt. Der Dax sackte gleich zum Handelsstart um mehr als 500 Punkte ab unter 10 000 Punkte. Die bereits strapazierten Nerven der Anleger liegen blank. Die Weltgesundheitsorganisation stuft die sich zusehends weltweit verbreitende Virusseuche als Pandemie ein und die USA verhängten einen Einreisestopp für einen Großteil der Europäer.

Im frühen Handel beschleunigte sich die Talfahrt noch etwas weiter. Der deutsche Leitindex brach um 7,09 Prozent auf 9700,01 Punkte ein und fiel auf den tiefsten Stand seit Sommer 2016. In nicht einmal einer Handelswoche hat er nun bereits 16 Prozent eingebüßt. Seit Mitte Februar geht die Angst vor den wirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Folgen des neuartigen Coronavirus an den Finanzmärkten um. Der Dax hat in dieser Zeit inzwischen knapp 30 Prozent an Wert verloren. Das keine vier Wochen zurückliegende Rekordhoch bei knapp unter 13 800 Punkten ist meilenweit entfernt.

Der MDax verlor am Donnerstag 6,41 Prozent auf 21 187,18 Punkte und der EuroStoxx 50 sackte um 6,51 Prozent auf 2716,54 Zähler ab. Bereits an Asiens Börsen war es am Morgen steil abwärts gegangen. In den USA weist der Future auf den Dow Jones Industrial ebenfalls auf einen sehr schwachen Börsenstart an der Wall Street, nachdem der Dow bereits am Vortag fast 6 Prozent eingebüßt hatte. Die Flucht in «sicherere Häfen» ging derweil weiter: Die Kurse von Staatsanleihen stiegen, die Renditen fielen. Der Kurs des Euro indes pendelte zwischen Gewinnen und Verlusten.

«Die Aktienmärkte bleiben im Panikmodus. Die gestrigen Ankündigungen aus dem Weißen Haus schürten mehr Angst, als dass sie die Investoren beruhigen konnten», sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Broker AxiTrader.

Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners sprach angesichts der von US-Präsident Donald Trump angekündigten Reisebeschränkungen für Europäer von einem «massiven Eingriff». Beim Konjunkturpaket sehe es zugleich so aus, als würden die Anleger Trump erst glauben, wenn er Fakten auf den Tisch legt, ergänzte er.

«Heute ist Christine Lagarde am Zug. Die Aufgabe der EZB-Präsidentin ist nicht einfach. Die Börsianer positiv zu überraschen, dürfte extrem schwierig werden», so Altmann. An diesem Donnerstag entscheidet die EZB über die Zinsen. Eine kleine Zinssenkung oder eine weitere Aufstockung des Anleihekaufprogramms dürfte seines Erachtens nicht reichen.

In den wichtigen deutschen Indizes, dem Dax, MDax und SDax gaben nahezu alle Aktien nach. Besonders unter Abwärtsdruck standen erneut Aktien aus der Freizeit- und Reisebranche. Hierzulande brachen die Papiere Lufthansa um 11 Prozent ein. Damit haben sie, seit Mitte Februar die Angst vor den wirtschaftlichen und zunehmend auch gesamtgesellschaftlichen Folgen des neuartigen Coronavirus an den Finanzmärkten umgeht, bereits rund 40 Prozent an Wert eingebüßt.

Den Papieren des Flughafenbetreibers Fraport erging es am MDax-Ende mit minus 10 Prozent kaum besser. Sie standen zudem auch mit Verkehrszahlen im Blick. Die Virussorgen schlugen im Februar am Frankfurter Flughafen durch: Die Passagierzahl ging vor allem in der letzten Woche zurück und diese negative Dynamik setzte sich in der ersten Märzwoche dann verstärkt fort. Die Titel des Flugzeugbauers Airbus sackten um knapp 9 Prozent ab.

Trotz gestiegener Gewinne im abgelaufenen Geschäftsjahr und einer höheren Dividende zählten die Anteile des Versorgers RWE ebenfalls zu den Schlusslichtern im Dax. Sie brachen zeitweise auf den tiefsten Stand seit August letzten Jahres ein. Zuletzt dann büßten sie 10 Prozent ein.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen BYDFi im ausführlichen Test 2026

In deutschsprachigen Krypto-Foren hält sich eine Überzeugung besonders hartnäckig: Börsen ohne KYC-Pflicht sind unseriös, unsicher und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Verschuldungsdynamik? Bundesrechnungshof warnt vor wachsender Staatsverschuldung
20.04.2026

Deutschland steht vor wichtigen finanzpolitischen Entscheidungen: Der Bundeshaushalt 2027 soll kommende Woche konkrete Formen annehmen....

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank-Aktie: Unicredit greift deutsches Geldinstitut scharf an - und fordert strategische Neuausrichtung
20.04.2026

Im Ringen um die Commerzbank verschärft Unicredit den Ton und kritisiert zentrale Strukturen des Instituts. Die Commerzbank-Aktie zeigt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI im Management: Warum Führung unersetzlich bleibt – Tipps von Experte Hilgenstock
20.04.2026

Künstliche Intelligenz verändert Management, Beratung und Mittelstand rasant. Doch ersetzt KI wirklich Führungskräfte – oder...

DWN
Politik
Politik Tankrabatt ab 1. Mai erreicht Verbraucher womöglich verspätet
20.04.2026

Mit dem Tankrabatt plant die Politik sinkende Spritpreise. Doch zwischen Gesetz und Zapfsäule liegen komplexe Mechanismen. Schon einmal...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie unter Druck: Mehrere Belastungsfaktoren zugleich
20.04.2026

Die Volkswagen-Aktie zeigt sich angeschlagen, während externe Risiken und interne Debatten zunehmen. Gleichzeitig wächst die Unsicherheit...

DWN
Panorama
Panorama Japan: Erdbeben erschüttert den Norden Japans - Warnung vor Tsunami-Welle
20.04.2026

Das jüngste Japan-Erdbeben sorgt für Unruhe und weckt Erinnerungen an vergangene Katastrophen. Ein Tsunami-Alarm wurde ausgelöst,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen QVC-Insolvenz: Teleshopping-Sender steht vor dem Aus - was das für Kunden heißt
20.04.2026

Die QVC-Insolvenz erschüttert die Teleshopping-Branche und stellt ein jahrzehntelang erfolgreiches Geschäftsmodell infrage. Während der...

DWN
Finanzen
Finanzen Straße von Hormus: Nahost-Konflikt treibt Ölpreis aktuell kräftig nach oben, Aktienfutures unter Druck
20.04.2026

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten eskalieren erneut und treiben die Ölpreise aktuell kräftig nach oben, während Aktienfutures...