Finanzen

Mittelstand: Bürokratische Hürden verbauen den Zugang zu Notkrediten, Pleitewelle droht

Die von der Bundesregierung freigegebenen Kreditlinien kommen Erfahrungsberichten zufolge im Mittelstand nur langsam an. Es gebe bürokratische Hürden. Sollten die Geldschleusen nicht geöffnet werden, drohte eine Pleitewelle.
23.03.2020 11:00
Lesezeit: 1 min
Mittelstand: Bürokratische Hürden verbauen den Zugang zu Notkrediten, Pleitewelle droht
Das Logo der KfW-Bankengruppe. (Foto: dpa) Foto: Uwe Anspach

In der Corona-Krise haben Unternehmen „Konstruktionsmängel“ bei den milliardenschweren Hilfsprogrammen beklagt. „Erste Erfahrungen von Familienunternehmen zeigen, dass es zu langen Kreditprüfungen kommt und dramatische Engpässe drohen“, sagte Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, der Deutschen Presse-Agentur am heutigen Freitag.

„Die Herausforderung liegt darin, die staatlichen Bürgschaften schnellstmöglich in Millionen von Kreditbewilligungen umzumünzen.“ Die betroffenen Unternehmen müssten mit Liquidität versorgt werden. „Das geht nur mit Pauschalbewilligungen im Schnellverfahren“, sagte Kirchdörfer. „Es reicht nicht, hohe Staatsbürgschaften ins Schaufenster zu stellen.“

Die Bundesregierung hatte ein unbegrenztes Kreditprogramm beschlossen, um angesichts der dramatischen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise die Liquidität der Firmen sicherzustellen. Die staatliche Förderbank KfW bietet den Geschäftsbanken je nach Programm an, 70 bis 80 Prozent des Kreditrisikos zu übernehmen. Das soll den Finanzinstituten die Vergabe von Darlehen erleichtern. Die Förderbank erhält dafür staatliche Garantien.

Kirchdörfer sagte, mit dem Schutzschirm für Beschäftigte und Unternehmen federten Bund und Länder die Krise ab und schafften Vertrauen. Oberstes Ziel müsse es nach dem Gesundheitsschutz sein, die negativen wirtschaftlichen Folgen einzudämmen. „Es muss alles getan werden, um die vorhandenen Strukturen mit Klein- und Handwerksbetrieben, Familienunternehmen und Großkonzernen zu erhalten.“

Das Beispiel eines Unternehmens zeigt die schwierige Lage: Meinolf Brauer ist Chef des Dienstleisters Walter Services GmbH in Siegburg, einem Unternehmen aus der Call Center Industrie mit 2000 Mitarbeitern an neun Standorten. „Wir verlagern derzeit die Arbeit von den Call Centern ins Home Office“, sagte Brauer der dpa. Die Firma bediene unter anderem Hotlines für Apotheken, Patienten und die Pharmabranche.

Brauer sagt, er habe bei seiner Hausbank einen Antrag auf einen KfW-Corona-Notfallkredit gestellt, um Liquidität sicherzustellen über acht Millionen, dies seien zweimal die Vollkosten der Firma. „Die hat aber gesagt, sie braucht noch zig Unterlagen wegen der KfW-20-Prozent-Hürde.“ Die Bearbeitung könne 2 bis 3 Wochen dauern. „Das Land ist im Ausnahmezustand. Die Gelder der KfW sind Steuergelder. Die gehören uns allen, nicht der KfW. Es ist Zeit für beherztes Handeln, nicht für Zögern und Zaudern.“

Die Bundesregierung müsse die 20-Prozent-Haftungsregel für Kredite sofort sprengen und die Schleusen öffnen, sagte der Unternehmer. „Der Staat muss 100 Prozent des Risikos übernehmen. Sonst droht schon bald eine riesige Pleitewelle bei kleinen Unternehmen.“

Davor hatte auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag bereits gewarnt. Bei den Finanzhilfen, Krediten und Steuerstundungen zähle jeder Tag, hatte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der dpa gesagt. „Denn die Liquidität zerrinnt in den Betrieben extrem schnell, wenn ihr Umsatz durch die behördlichen Vorgaben quasi über Nacht von 100 auf Null gesetzt wird.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Leere Lager, stockende Bänder: Die deutsche Industrie im Würgegriff neuer Materialengpässe
20.10.2026

Elektronikkomponenten und chemische Rohstoffe werden zur Mangelware. Die neuesten ifo-Daten zeigen, wie fragil der Standort Deutschland im...

DWN
Finanzen
Finanzen Altersvorsorgedepot: Sozialverband warnt vor staatlich geförderter Kostenfalle
20.10.2026

Maximal ein Prozent Gebühren pro Jahr darf das neue Altersvorsorgedepot ab dem 1. Januar 2027 kosten. Dennoch warnt der Sozialverband vor...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-Aktie: Musk verspricht jedem US-Kind eine Aktie seiner Weltraumfirma
20.10.2026

Jedes Kind in den USA soll von Elon Musk eine Aktie seiner Weltraumfirma SpaceX bekommen. Wie genau das passieren soll, ist noch unklar....

DWN
Finanzen
Finanzen Staatsverschuldung: Wie teuer Deutschlands Schulden jetzt werden
20.10.2026

Deutschlands Staatsschulden wachsen, während die Zinsen an den Anleihemärkten steigen. Der Bund muss immer mehr Geld aufnehmen und...

DWN
Politik
Politik Sonntagsumfrage: AfD bleibt stärkste Kraft
20.10.2026

Die AfD liegt in der YouGov-Umfrage weiter vorn, während sich bei mehreren Parteien kaum etwas bewegt. Welche Verschiebungen es im...

DWN
Finanzen
Finanzen Vier Jahre Kursentwicklung an der Wall Street: Jetzt wird der Aufschwung auf die Probe gestellt
20.10.2026

Der US-Aktienmarkt hat sich in vier Jahren mehr als verdoppelt. Doch hohe Zinsen und Finanzierungssorgen für den KI-Boom haben nun für...

DWN
Finanzen
Finanzen Buffer-ETFs: Warum der Airbag fürs Depot vor allem Rendite kostet
20.10.2026

Buffer-ETFs versprechen Aktienrenditen ohne die schlaflosen Nächte. In den USA ist daraus ein 78-Milliarden-Dollar-Business geworden, in...

DWN
Politik
Politik Verhandlungen ohne Selenskyj: Trump plant Dreier-Treffen mit Putin und Xi
20.10.2026

US-Medienberichten zufolge könnte sich ein Treffen mit Putin und Xi im November am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen...