Politik

Damit Ölpreis wieder steigt: Saudi-Arabien und Russland hoffen auf Spannungen zwischen Iran und USA

Eine Erholung der Ölpreise ist möglich, wenn die Spannungen zwischen den USA und dem Iran zunehmen. Daran müssten vor allem Russland und Saudi-Arabien ein Interesse haben.
06.04.2020 16:38
Aktualisiert: 06.04.2020 16:38
Lesezeit: 2 min

Die Erdölpreise für die Sorten WTI und Brent verzeichneten im ersten Quartal erhebliche Verluste, nachdem der Ausbruch von Coronavirus die Nachfrage belastete. Das Versäumnis der OPEC, auf die Preisschwäche zu reagieren, führte Anfang März zu einer massiven Abwärtsbewegung, die den Rohölpreis auf den niedrigsten Preis seit 2002 brachte. Benzin und Heizöl verzeichneten im ersten Quartal ebenfalls einen Abwärtstrend. Auf dem Erdgasmarkt hat die Hochsaison der Nachfrage ab November 2019 den Preis des volatilen Energierohstoffs kaum gestützt. Hohe Lagerbestände und warmes Wetter in den Wintermonaten führten Ende 2019 und im gesamten ersten Quartal 2020 zu niedrigeren Preisen. Der Preis für Erdgas-Futures fiel auf den niedrigsten Stand seit 1995. Der Ethanol-Preis ging aufgrund von Verlusten auf den Öl- und Gasmärkten zurück. Der Energiesektor des Rohstoffmarktes wird die wirtschaftlichen und geopolitischen Landschaften im zweiten Quartal widerspiegeln, berichtet Seeking Alpha.

Der Nahe Osten, in dem mehr als die Hälfte der weltweiten Ölreserven liegen, ist nach wie vor die turbulenteste Region der Erde. Gleichzeitig ist Venezuela ein politisches und wirtschaftliches Chaos, was bedeutet, dass die Nation mit den weltweit führenden Erdölreserven wahrscheinlich nicht in naher Zukunft einen Anstieg der Ölproduktion verzeichnen wird. In Bezug auf China sorgte das “Phase-1” -Handelsabkommen zu Beginn des ersten Quartals für Optimismus, aber das Coronavirus, das von China ausging, hat den Segeln des Marktes jeden bullischen Wind aus den Segeln genommen. In diesem Zusammenhang könnte eine Eskalation, die im Zusammenhang mit dem Iran steht, die Ölpreise stabilisieren. Dass dieses Szenario eintreten könnte, ist gar nicht so unwahrscheinlich. Irans Außenminister Dschawad Sarif hat US-Präsident Donald Trump vor einer erneuten militärischen Verschärfung des Konflikts gewarnt. “Lassen Sie sich nicht wieder von Ihren üblichen Kriegstreibern irreführen”, twitterte Sarif am Donnerstag. Trump hatte den Iran vor einem Angriff auf US-Truppen oder amerikanische Ziele im Irak durch sogenannte Proxies, also Handlanger des Irans, gewarnt. Der Iran oder seine Verbündeten planten eine “heimliche Attacke”, schrieb Trump am Mittwoch auf Twitter ohne konkret zu sagen, auf welche Informationen er sich bezog. “Sollte das passieren, wird der Iran wirklich einen sehr hohen Preis zahlen!”, drohte Trump. Eine leichte Erholung der Ölpreise wäre sowohl im Interesse von Washington als auch von Russland und Saudi-Arabien. Einem möglichen Szenario zufolge könnten Angriffe mit unbekanntem Hintergrund auf Ölförderanlagen im Irak weiterlaufen. Die USA würden als Reaktion pro-iranische Milizen für die Angriffe verantwortlich machen, wie sie es bisher immer getan haben. Der Iran würde im Gegenzug rhetorische Attacken auf die USA starten und die Anschuldigungen zurückweisen. Dieses Szenario wirkt sich im Regelfall immer positiv auf die Ölpreise aus, weil der Urheber der Attacken im Irak nicht wirklich ausgemacht werden kann. Es entsteht somit eine Situation totaler Ungewissheit und Bedrohung.

Die OPEC hat auf ihrer Dezember-Sitzung die Produktion gekürzt, was dazu beigetragen hat, den Rohölpreis kurzfristig zu stabilisieren. Das Versäumnis des Ölkartells, auf Nachfrageprobleme zu reagieren, die durch Coronavirus im März verursacht wurden, führte jedoch zu einem weiteren Preisverfall. Die USA sind der weltweit führende Produzent Rohöl mit einer täglichen Produktion, die nach Angaben der Energy Information Administration im ersten Quartal einen neuen Rekordwert von 13,10 Millionen Barrel erreicht hat.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldgedeckte Digitalwährungen als Brücke zwischen Sachwerten und Finanztechnologie

Steigende Inflation, geopolitische Unsicherheiten und die fortschreitende Digitalisierung verändern die Anforderungen an moderne Formen...

DWN
Politik
Politik Wendepunkt am Golf: USA beenden Iran-Blockade
19.06.2026

Nach dem Rahmenabkommen mit Teheran haben die USA ihre wochenlange Seeblockade iranischer Häfen aufgehoben. Doch der geplante Start der...

DWN
Politik
Politik Nervenkrieg im Norden? Vizeadmiral warnt vor aggressiverem Russland in der Ostsee
19.06.2026

Die Ostsee wird zunehmend zum Pulverfass: Flottenbefehlshaber Vizeadmiral Axel Deertz warnt vor einem immer potenteren und aggressiveren...

DWN
Finanzen
Finanzen Schufa-Score: BGH prüft Auskunftsanspruch
19.06.2026

Wer eine neue Wohnung sucht, auf Rechnung einkaufen oder einen Bankkredit aufnehmen will, braucht dafür oft einen guten Schufa-Score. Der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ein Unternehmen mit fünf Mitarbeitern wird das verwalten, wofür heute 500 Mitarbeiter eingestellt werden
19.06.2026

Die Wirtschaft lebt noch immer in einer Phase der Verdrängung. Führungskräfte sprechen auf Konferenzen über KI, Produktivität und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Intel verzeichnet nach Trump-Beitrag große Gewinne; Aktien erholen sich, da Iran-Abkommen greift
18.06.2026

Ein turbulenter Handelstag voller Überraschungen: Erfahren Sie, welche Faktoren die Märkte antreiben und warum Anleger jetzt umdenken...

DWN
Politik
Politik Koalition verschiebt Abstimmung über Gesundheits-Sparpaket
18.06.2026

Das umstrittene Sparpaket der schwarz-roten Koalition für stabile Krankenkassenbeiträge soll noch nicht in der kommenden Woche im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Grünes Licht aus Brüssel: Bund darf bei Panzerbauer KNDS einsteigen
18.06.2026

Die Bundesregierung hat beim geplanten Einstieg beim deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS eine wichtige Hürde genommen. Die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Vom PKW zum Panzer: Europa braucht keine neuen Fabriken für Rüstung
18.06.2026

In den letzten Monaten gibt es Diskussionen darüber, dass Automobilhersteller einen Teil ihrer ungenutzten Kapazitäten für die...