Politik

US-Regierung: Afroamerikaner besonders stark von Corona betroffen

Rapide steigende Zahlen von Corona-Infektionen und Todesfällen schrecken die USA auf. Doch nun zeigen erste Analysen auch: Afroamerikaner trifft die Pandemie anscheinend stärker als andere.
08.04.2020 22:24
Aktualisiert: 08.04.2020 22:24
Lesezeit: 1 min
US-Regierung: Afroamerikaner besonders stark von Corona betroffen
USA, New York: Afroamerikanische Frauen tragen auf ihrem Weg durch die 34th Street eine Gesichtsmaske und einen Schal, um Mund und Nase zu schützen. (Foto: dpa) Foto: Mary Altaffer

Die US-Regierung hat eingeräumt, dass das Coronavirus Afroamerikaner besonders stark trifft. «Wir sehen starke Anhaltspunkte dafür, dass Afroamerikaner in weitaus größerem Umfang betroffen sind als andere Bürger unseres Landes», sagte US-Präsident Donald Trump während einer Pressekonferenz am Dienstag. In einigen Tagen werde man entsprechende Statistiken dazu veröffentlichen. Trump sagte zu, an der Angelegenheit zu arbeiten, ohne Einzelheiten zu nennen, meldet die dpa.

Die «Washington Post» berichtete am Dienstag unter Berufung auf Daten einiger lokaler Behörden, dass mehrheitlich afroamerikanische Landkreise teils dreimal so viele Infektionen und fast sechsmal so viele Todesfälle vermeldeten wie Landkreise, in denen weiße Amerikaner in der Mehrheit seien.

Der Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, führte dies auf derselben Pressekonferenz auf eine «Verschlimmerung eines Gesundheitsgefälles» zurück. Erkrankungen wie Herzkrankheiten und Diabetes seien bei den Afroamerikanern häufiger zu verzeichnen als bei anderen Gruppen, sagte Fauci. Solche Vorerkrankungen machten eine Verlegung auf die Intensivstation wahrscheinlicher.

Bislang haben lediglich lokale Behörden wie Städte oder Bundesstaaten Statistiken veröffentlicht. Davon weisen nicht alle die ethnische Zugehörigkeit aus. In der Millionenmetropole Chicago, in der knapp ein Drittel der Bewohner Afroamerikaner sind, zeigt sich Behördenangaben zufolge der Unterschied besonders stark. Unter den bis Dienstag vermeldeten 140 Toten waren demnach 95 Afroamerikaner (etwa 67 Prozent), unter den rund 5500 Infizierten waren es etwa die Hälfte.

Auch in New York seien überproportional viele Latinos und Afroamerikaner erkrankt - obwohl Schwarze nur neun Prozent der Bevölkerung des Staates ausmachten, waren 18 Prozent der Toten Afroamerikaner, wie aus offiziellen Zahlen hervorgeht.

Im Landkreis Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin seien rund 70 Prozent der Todesfälle nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 Schwarze, obwohl sie nur etwa 26 Prozent der Bevölkerung stellten, schrieb die «Washington Post». Im Bundesstaat Michigan waren demnach etwa ein Drittel der Corona-Infizierten und rund 40 Prozent der Toten Afroamerikaner - bei einem Bevölkerungsanteil von rund 14 Prozent.

Afroamerikaner hätten «eher einen niedrigen sozioökonomischen Status, was es schwieriger macht, soziale Distanz zu wahren», sagte der oberste Gesundheitsbeamte der US-Regierung, Vizeadmiral Jerome Adams, dem Sender CBS. Weitere strukturelle Ungleichheiten wie fehlende Absicherung durch eine Krankenversicherung tragen nach Ansicht von Experten wahrscheinlich ebenfalls dazu bei.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Das Thema Datenschutz ist als Verkaufsargument erneut in den Fokus gerückt

Nicht nur im Bankwesen oder in den sozialen Medien spielt der Datenschutz bei alltäglichen Kaufentscheidungen eine wichtige Rolle. Auch...

DWN
Politik
Politik Nach Waffenruhe: Wie ist der Stand in der Straße von Hormus?
09.04.2026

Der Iran will Maut verlangen. Was ist erlaubt, und wer könnte die Passage sichern? Antworten auf zentrale Fragen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spritpreise fallen kaum: Ölpreis stürzt, Zapfsäule bremst
09.04.2026

Der Ölpreis bricht ein – doch an der Zapfsäule kommt davon kaum etwas an. Jetzt wächst der Druck auf Konzerne und Politik, die Preise...

DWN
Politik
Politik Streit um Rundfunkbeitrag: VGH prüft Programmvielfalt
09.04.2026

Neun Kläger vor dem VGH Baden-Württemberg weigern sich, den Rundfunkbeitrag zu zahlen. Sie bezweifeln die Ausgewogenheit der...

DWN
Panorama
Panorama Psychische Gesundheit: Was DiGAs bringen und wo es die App auf Rezept gibt
09.04.2026

Psychische Erkrankungen nehmen zu, Therapieplätze sind knapp. Digitale Gesundheitsanwendungen, sogenannte DiGAs, versprechen schnelle...

DWN
Finanzen
Finanzen Neobroker unter Druck: Trade Republic kämpft gegen EU-Regulierung
09.04.2026

Die EU beendet die ultragünstigen Neobroker-Deals, Trade Republic gerät unter Druck. Anleger müssen sich auf höhere Kosten und neue...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Firmenpleiten auf höchstem Stand seit mehr als 20 Jahren
09.04.2026

Mehr als 4.500 Firmen meldeten im ersten Quartal Insolvenz an – so viele wie seit 2005 nicht mehr. Besonders stark betroffen sind...

DWN
Politik
Politik 5 Prozent Inflation: Trotz Waffenstillstand droht erheblicher Kaufkraftverlust
09.04.2026

Es ist laut IEA die "schwerste fossile Energiekrise unserer Zeit" – und die Inflation zieht bereits spürbar an. Experten warnen vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg treibt Preise: Europas Konsum kippt
09.04.2026

Der Iran-Krieg trifft Europas Haushalte direkter als viele erwarten: Preise steigen, Spielräume schrumpfen. Verbraucher reagieren –...