Finanzen

Nervosität in Nahost: Währungen Libanons und der Türkei geraten unter starken Druck

Die Landeswährungen Libanons und der Türkei sind unter starken Abwertungsdruck geraten. Der Libanon kämpft zudem mit dem Staatsbankrott.
16.04.2020 17:34
Lesezeit: 3 min

In der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise im Libanon hat die Währung des Mittelmeerlandes weiter stark an Wert verloren. Das Libanesische Pfund sank gegenüber dem US-Dollar am Mittwoch auf dem Schwarzmarkt auf den tiefsten Stand seit Beginn des Jahres. Einige örtliche Wechselstuben verkauften dort einen US-Dollar für den Preis von 3000 bis 3100 Pfund. Vergangene Woche stand der Dollar noch bei etwa 2850 Pfund. Weil das Land stark vom Import abhängig ist, sind die Preise stark gestiegen. In Supermärkten sind manche Regale leer.

Das auch als Lira bekannte Libanesische Pfund war im Zuge der starken Inflation nach dem Bürgerkrieg 1997 an den US-Dollar gekoppelt worden. Dieser fixe Wechselkurs liegt eigentlich bei etwa 1500 Pfund für einen Dollar. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise und anhaltender Massenproteste hatte die Währung aber seit Oktober immer weiter an Wert verloren. In der Bevölkerung wächst die Sorge, dass die Dollar-Kopplung künftig keine Stabilität mehr garantieren könnte.

Der Libanon ist weltweit eines der am stärksten verschuldeten Länder. Im März hatte das vom Staatsbankrott bedrohte Land bereits erklärt, anstehende Zahlungen auf Staatsanleihen auszusetzen. Die Regierung werde zudem alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die begrenzten Devisenreserven zu verwalten. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds wird die Wirtschaft des Libanon dieses Jahr um zwölf Prozent schrumpfen. Das Land erlebt die schwerste Wirtschafts- und Finanzkrise seit Ende des Bürgerkriegs vor 30 Jahren. Anfang März konnte das Land eine fällige Anleihe in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar nicht bedienen. Es war der erste Zahlungsausfall in seiner Geschichte. Die Coronavirus-Pandemie verschärft die Krise weiter.

Die jüngste politische Krise im Libanon begann im vergangenen Oktober, als erstmals erboste Demonstranten gegen die Führung des Landes auf die Straße gingen. Immer wieder kam es danach zu Massenprotesten. Sie wenden sich vor allem gegen die weit verbreitete Korruption, die den Libanon seit langem fest im Griff hat. Die Infrastruktur ist dagegen in vielen Bereichen mangelhaft. Wie etwa die Stromversorgung, für die die Libanesen doppelt bezahlen müssen. Einmal an das Elektrizitätswerk - und dann für die Generatoren, die einspringen, wenn täglich der Strom ausfällt. Gleichzeitig sind die Staatsschulden auf einen 90 Milliarden Dollar hohen Berg angewachsen - das sind etwa 170 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, eine der höchsten Raten weltweit. Das ist nicht zuletzt die Folge einer Finanzpolitik mit Staatsanleihen zu äußerst attraktiven Zinsen, in der Kritiker ein "Schneeballsystem" sehen. Wegen einer engen Verflechtung von Politik und Banken werfen sie der Elite vor, das Land geplündert zu haben.

Aus Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie für die Türkei ziehen sich zudem immer mehr Anleger aus der Landeswährung zurück. Dies treibt den Kurs des Dollar am Donnerstag auf 6,94 Lira und den Euro auf 7,53 Lira. Das ist in beiden Fällen der höchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen.

Auch die Türkei wird von der sinkenden Kaufkraft der Landeswährung stark in ihrer wirtschaftlichen Potenz getroffen, weil sich die Importe dadurch deutlich verteuern.

Die türkische Zentralbank hatte auf die Ausbreitung des Coronavirus reagiert und die Leitzinsen gesenkt. Der einwöchige Leitzins fällt um 1,0 Prozentpunkte auf 9,75 Prozent, wie die Notenbank mitteilte. "Da die Ausbreitung des Coronavirus die globalen Wachstumsaussichten geschwächt hat, haben die Zentralbanken in den Industrie- und Schwellenländern koordinierte expansive Maßnahmen ergriffen», heißt es in einer Mitteilung der Notenbank. «Die Pandemie wird hinsichtlich ihrer globalen Auswirkungen auf die Kapitalströme, die Finanzmärkte, den internationalen Handel und die Rohstoffpreise genau beobachtet."

In diesem Jahr hat die Notenbank ihre Geldpolitik schon zum dritten Mal gelockert. Mitte 2019 hatte der Leitzins noch bei 24 Prozent gelegen. Die Notenbank verweist darauf, dass die sinkenden Rohstoffpreise die Inflation weiter dämpften dürften. Zuletzt waren insbesondere die Rohstoffpreise drastisch gesunken. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Zentralbank zuletzt immer wieder zu Zinssenkungen gedrängt und im vergangenen Jahr den Notenbankchef ausgetauscht.

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