Wirtschaft

Dutzende Öl-Tanker parken vor Küste der USA

Vor den Küsten der USA und Singapurs warten zahlreiche mit Öl beladene Tanker. Da die Ölspeicher der beiden Länder nahezu voll sind, können die Schiffe ihre Ladung nicht löschen. Währenddessen haben die Ölpreise ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht.
01.05.2020 14:36
Aktualisiert: 01.05.2020 14:36
Lesezeit: 1 min
Dutzende Öl-Tanker parken vor Küste der USA
22.04.2020, USA, Long Beach: Ein Öltanker liegt vor der Küste von Long Beach in Kalifornien. (Foto: dpa) Foto: Gene Blevins

Mehr als zwei Dutzend Öltanker liegen direkt vor der kalifornischen Küste und halten 20 Prozent des weltweiten täglichen Ölverbrauchs an Bord. Am vergangenen Donnerstagnachmittag wurden 27 Tanker vor den Häfen von Los Angeles und Long Beach, Kalifornien, geparkt, wodurch sie sozusagen zu schwimmenden Öllagern wurden.

“Das liegt ausschließlich an der Tatsache, dass die Ölpreise ihren Tiefpunkt erreicht haben. Die Russen und die OPEC haben nämlich gerade den Markt überflutet”, zitiert USNI News den Seeexperten Sal Mercogliano. Mercogliano ist außerordentlicher Professor für Geschichte an der Campbell University in North Carolina und besitzt eine Lizenz als Handelsmarine-Deckoffizier.

Zuvor hatten die Deutschen Wirtschaftsnachrichten berichtet, dass 40 Millionen Barrel saudischen Öls auf dem Weg in die USA sind. Dies erhöht den Druck auf die Märkte, die laut Versanddaten und -quellen bereits Schwierigkeiten haben, eine Flut von Lagerbeständen aufzunehmen. “Aufgrund der Einzigartigkeit dieser Situation bewertet und passt die Küstenwache unsere Verfahren ständig an, um die Sicherheit der vor Anker liegenden Schiffe und den Schutz der Umgebung zu gewährleisten”, so ein Vertreter der US-Küstenwache. Derzeit glaubt Mercogliano nicht, dass die geparkten Tanker eine große Gefahr für die Schifffahrt darstellen.

Vor Singapur befinden sich derzeit 60 Tanker. Schiffe, die mit Ölprodukten wie Benzin und Düsentreibstoff gefüllt sind, können aufgrund des Zusammenbruchs der Inlandsnachfrage und steigender Lagerbestände ihre Ladung in großen Raffineriezentren wie Südkorea und China nicht mehr löschen. Diese Tanker machen sich stattdessen nach Singapur auf. Nach Angaben von Schiffsmaklern und Händlern müssen die Schiffe derzeit etwa zwei Wochen warten, um ihre Ladung in Singapur zu entladen, verglichen mit den typischen vier bis fünf Tagen, die die Schiffe sonst in den örtlichen Gewässern wartend vor Anker liegend verbringen.

Die wichtigsten Kraftstoff-exportierenden Länder haben Schwierigkeiten, Speicher für ihre überschüssigen Fässer zu finden, sagt Sri Paravaikkarasu, Ölchef für Asien beim Industrieberater FGE. In Singapur sind die Rohölverarbeitungsraten der Raffinerien wahrscheinlich auf rund 60 Prozent der Kapazität gesunken und könnten im zweiten Quartal weiter auf bis zu 50 Prozent sinken, berichtet Bloomberg.

Das Analyseunternehmen Vortexa schätzt die schwimmende Rohöllagerung in Asien auf ein Vierjahreshoch. Unter Berücksichtigung der Gewässer vor Singapur und Malaysia verzeichnete das Datenaufklärungsunternehmen Kpler gegenüber dem Vormonat einen Anstieg des Volumens sauberer Kraftstoffe - bestehend aus Naphtha, Benzin, Düsentreibstoff und Diesel -, die auf Schiffen gelagert wurden, um 45 Prozent auf 6,64 Millionen Barrel zum 23. April 2020.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
avtor1
Cüneyt Yilmaz

                                                                                ***

Cüneyt Yilmaz ist Absolvent der oberfränkischen Universität Bayreuth. Er lebt und arbeitet in Berlin.

DWN
Politik
Politik EU-Energieabhängigkeit: Weg von Putin, hinein in Trumps Einfluss
06.04.2026

Die EU hat ihre Abhängigkeit von russischer Energie in den vergangenen vier Jahren deutlich reduziert. Stattdessen ist eine neue...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Der moderne CEO: Warum klassische Karrierewege nicht mehr ausreichen
06.04.2026

Immer mehr Vorstandschefs großer Konzerne werden ausgewechselt, während sich zugleich die Anforderungen an die Rolle deutlich...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererklärung: Welche Hilfe das Finanzamt wirklich leisten darf
06.04.2026

Das Finanzamt gilt für viele als erste Anlaufstelle bei Steuerfragen. Doch nicht jede Antwort ist erlaubt oder verbindlich. Welche Hilfe...

DWN
Technologie
Technologie KI im E-Learning: Wie ChatGPT Kursanbieter entlarvt
06.04.2026

Was früher niemand las, prüft heute eine Maschine in Sekunden. Kunden lassen Verträge, E-Books und Onlinekurse von KI analysieren und...

DWN
Panorama
Panorama Die unsichtbaren Schatzkammern der Welt: 10 Rohstoffquellen unter dem Radar
06.04.2026

Rohstoffe sind zurück im Zentrum der Weltpolitik – doch die größten Konflikte entstehen nicht in Venezuela, Iran oder China. Tiefsee,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektrischer Mercedes GLC: Preise, Technik und Reichweite im Überblick
06.04.2026

Mit dem elektrischen GLC will Mercedes den Umstieg in die Elektromobilität attraktiver machen und kombiniert moderne Technik mit...

DWN
Politik
Politik AfD-Erfolg im Westen: Trotz Skandalen ist die Partei auf dem Vormarsch
06.04.2026

Trotz Vetternwirtschaftsdebatten, Extremismus-Vorwürfen und interner Konflikte gewinnt die AfD weiter an Zustimmung, auch im Westen. Das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Techpreise steigen: Günstige PCs und Smartphones vor dem Aus
06.04.2026

Günstige Technik verschwindet schleichend aus dem Markt. Chipmangel, geopolitische Krisen und der KI-Boom treiben die Preise nach oben....