Politik

Österreichs Kanzler schürte gezielt Angst vor Corona-Virus

Einem Sitzungsprotokoll der österreichischen Regierung vom 12. März zufolge hat Kanzler Kurz offenbar die Angst vor dem Corona-Virus gezielt geschürt. Auf der Sitzung hat er davon gesprochen, “die Bevölkerung sollte Angst vor einer Infektion bzw. dem Tod von Angehörigen haben”. Österreichs gesamte Opposition ist außer sich. Droht nun eine erneute Regierungskrise in Wien?
28.04.2020 22:55
Aktualisiert: 28.04.2020 22:55
Lesezeit: 1 min

Am vergangenen Montag hat das Ö1-Morgenjournal ein Protokoll einer Sitzung der Task Force Corona des Gesundheitsministeriums, die am 12. März 2020 stattfand, veröffentlicht. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hat auf der Sitzung davon gesprochen, “die Bevölkerung sollte Angst vor einer Infektion bzw. dem Tod von Angehörigen haben”, berichtet NÖN.at. Kurz habe sich darüber beklagt, dass er noch keine “wirkliche Sorge” bei der Bevölkerung verspüre.

“Woraufhin der Tropenmediziner Herwig Kollaritsch meinte, man müsse der Bevölkerung klar machen, dass es sich um eine potenziell tödliche Krankheit handle und nicht um eine einfache Grippe. Als Beispiel nannte Kollaritsch dem Protokoll zufolge die Kommunikation rund um die britische Masernepidemie der 1990er-Jahre. Dort habe man mit der Angst der Bevölkerung gespielt”, so NÖN.at.

Das Blatt zitiert aus dem Protokoll: “Kurz verdeutlicht, dass die Menschen vor einer Ansteckung Angst haben sollen bzw. Angst davor, dass Eltern/Großeltern sterben. Hingegen sei die Angst vor der Lebensmittelknappheit, Stromausfälle etc. der Bevölkerung zu nehmen.”

Dem Standard zufolge sollen an der Sitzung “neben Gesundheitsexperten und Beamten auch Vizekanzler Werner Kogler, Gesundheitsminister Rudolf Anschober (beide Grüne) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP)” teilgenommen haben.

Die Enthüllung zog massive Kritik seitens der Opposition nach sich. Dem Neos-Generalsekretär Nick Donig zufolge sollen Kurz und seine Minister im Verlauf der Corona-Krise gezielt auf eine “Kriegsrhetorik” gesetzt haben. “Ein Bundeskanzler soll nicht Angst verbreiten, sondern sachlich und transparent informieren”, zitiert der Standard Donig.

Der Vize-SPÖ-Klubvorsitzende Jörg Leichtfried wörtlich: “So geht man mit Menschen nicht um. So etwas tut man nicht.”

"Das heute bekannt gewordene interne Protokoll einer Sitzung der ‚Taskforce Corona‘ von Mitte März lässt tief blicken: Bundeskanzler Kurz wollte mit drastischen Aussagen bewusst Angst und Verunsicherung in der Bevölkerung schüren. Das ist ebenso unverantwortlich wie unwürdig: Ein Regierungschef muss stets einen kühlen Kopf bewahren und Sicherheit vermitteln: Aus dem Papier geht auch hervor, dass die Experten explizit keinen Alarmismus verbreiten wollten. Es war alleine Kurz, der hier die Notwendigkeit gesehen hat", so die Wiener SPÖ-Landesparteisekretärin, LAbg. Barbara Novak in einer Mitteilung.

“Diese Angstmache zieht sich tatsächlich durch die Kommunikation des Kanzlers der letzten Wochen wie ein roter Faden”, stellt FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl fest.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Wall Street gerät wegen steigender US-Anleiherenditen ins Stocken
15.09.2026

Erfahren Sie, welche globalen Entwicklungen die Aktienmärkte derzeit ausbremsen und warum Anleger jetzt besonders wachsam sein müssen.

DWN
Panorama
Panorama Werden Kippen viel teurer? Tabakbranche warnt vor "Exzess"
15.09.2026

Damit der Bund zusätzliche Einnahmen erzielt, sollen Deutschlands Raucher stärker zur Kasse gebeten werden als bisher. Doch bringt das...

DWN
Finanzen
Finanzen Northrop Grumman-Aktie: Dieser Megaauftrag könnte den Kurs zünden
15.09.2026

Europas Rüstungsaktien sind davongezogen, doch ausgerechnet ein US-Gigant hinkt hinterher. Northrop Grumman steht vor milliardenschweren...

DWN
Technologie
Technologie United States Space Force: USA bestätigen Weltraumwaffen
15.09.2026

Der Weltraum wird zum neuen militärischen Machtfeld: Die USA bestätigen erstmals offiziell Waffen im Orbit. Dahinter steht die United...

DWN
Politik
Politik Merz kündigt Entlastungen bei Spritpreisen an
15.09.2026

Die Spritpreise steigen weiter und bringen immer mehr Autofahrer an ihre Belastungsgrenze. Kanzler Merz kündigt nun schnelle Entlastungen...

DWN
Politik
Politik "Vor Kraft kaum laufen": AfD will Volkspartei werden
15.09.2026

Die rechtspopulistische AfD hat in Sachsen-Anhalt einen historischen Wahlerfolg erzielt und könnte am kommenden Sonntag weiter zulegen....

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie springt über 1.000 Euro: Neuer Auftrag sorgt für Rückenwind – ist das die Trendwende?
15.09.2026

Die Rheinmetall-Aktie meldet sich mit einem kräftigen Kurssprung über die Marke von 1.000 Euro zurück. Ein neuer Munitionsauftrag...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zerfällt die WTO?
15.09.2026

Die Welthandelsorganisation WTO verliert weiter an Bedeutung. Sie warnt nun vor massiven Wohlstandsverlusten, wenn sich die Weltwirtschaft...