Politik

Japan hebt Covid-Notstand vorzeitig auf, Tokio ausgenommen

Japan hat die Corona-Einschränkungen vorzeitig wieder gelockert, warnt aber bereits vor einer zweiten Welle.
14.05.2020 13:36
Lesezeit: 1 min
Japan hebt Covid-Notstand vorzeitig auf, Tokio ausgenommen
Passanten mit Mundschutz fahren auf einer Rolltreppe in eine U-Bahn-Station. Der Corona-Notstand sollte eigentlich noch bis zum 31. Mai gelten. (Foto: dpa) Foto: Eugene Hoshiko

Japan hebt den Corona-Notstand in den meisten Landesteilen vorzeitig auf. Regierungschef Shinzo Abe gab dies am Donnerstag nach Beratungen mit Experten bekannt. Ausgenommen sind städtische Großräume wie Tokio und Osaka. Der Notstand hätte eigentlich überall noch bis zum 31. Mai gegolten - wobei das keine harte Ausgangsbeschränkungen wie in Europa bedeutet. Die Bürger sind nur gebeten, möglichst zu Hause zu bleiben.

In 39 von Japans 47 Provinzen könne der Notstand jetzt aufgehoben werden, sagte Abe. Man habe die Situation so eingedämmt, dass eine Ausbreitung des Virus verhindert werden könne. Er rief die dortige Bevölkerung aber auf, die Kontakte zu anderen trotzdem weiter einzuschränken. Von Geschäftsessen sowie Besuchen in Bars, Nachtclubs und Karaoke-Einrichtungen soll man absehen.

Der Trend der täglichen Neuinfektionen zeige inzwischen landesweit nach unten, sagte Yasutoshi Nishimura, Minister für wirtschaftliche Wiederbelebung. In den 39 Provinzen sei man auf einem Niveau wie seit Mitte März nicht mehr, als sich der Erreger auszubreiten begann. Japan zählt bislang mehr als 16.900 Infektionen und mehr als 720 Tote, wie der TV-Sender NHK berichtete. In der Hauptstadt Tokio wurden lediglich 30 weitere Fälle bestätigt. Damit liegt die Zahl der täglichen Neuinfektionen seit zwölf Tagen unter der Marke 100.

Tokios Gouverneurin Yuriko Koike mahnte jedoch, nicht zu vergessen, dass der Notstand in der Hauptstadt weiter andauert. Zwar habe sich die Lage schon ziemlich entspannt, doch müssten sich die medizinischen Einrichtungen auf eine mögliche zweite Welle einrichten.

Japan hat zwar wirtschaftlich einen ähnlich harten Einbruch durch die Corona-Krise erlebt wie andere Länder, gegen den sich die Regierung mit Milliardenausgaben stemmen will. Beim Wiederanfahren des gesellschaftlichen Lebens steht die Nummer Drei der Weltwirtschaft nach Einschätzung von Experten besser da als Länder, die einen harten Lockdown hatten.

Kritiker warfen der Regierung vor, viel weniger zu testen als andere Länder. Andere Experten halten dagegen, dass Japan viel weniger Tote und Betroffene mit schweren Symptomen aufweise. Dazu trage bei, dass in Japan mit seiner hohen Bevölkerungsdichte seit jeher hoher Wert auf Hygiene gelegt wird. Masken zu tragen ist in Japan normal. Hinzu kommen kulturelle Besonderheiten - wie das Verbeugen statt Händeschütteln.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Iran: Wann greift Trump an?
19.02.2026

Die Atomgespräche zwischen Washington und Teheran scheitern erneut. Experten warnen vor einem möglichen militärischen Konflikt, der die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen DB Cargo-Stellenabbau: 6.200 Jobs fallen bei Deutsche Bahn-Tochter weg
19.02.2026

Fast jede zweite Stelle soll weg – DB Cargo steht vor einem historischen Einschnitt. Der neue Chef setzt alles auf eine Karte, denn...

DWN
Finanzen
Finanzen Airbus-Aktie im Rückwärtsgang: 870 Jets reichen dem Markt nicht
19.02.2026

Die Airbus-Aktie bricht ein, obwohl der Konzern einen Auslieferungsrekord ankündigt. Doch Lieferprobleme, verfehlte Erwartungen und ein...

DWN
Politik
Politik Schulfach Wiederbelebung: DRK-Präsident für Training an Schulen
19.02.2026

Krisenfestigkeit wird zu eng gedacht, findet Hermann Gröhe. Der DRK-Chef und ehemalige Bundesgesundheitsminister fordert aber nicht nur...

DWN
Politik
Politik Uneinigkeit in der EU: Sanktionspaket gegen Russland gerät ins Wanken
19.02.2026

Die EU verhandelt ein neues Sanktionspaket gegen Russland, doch wirtschaftliche Eigeninteressen einzelner Mitgliedstaaten bremsen die...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Wall Street schiebt Unsicherheit beiseite und legt zu
18.02.2026

Die US-Aktienmärkte schlossen den Tag im Plus. Der S&P 500 stieg um 0,56 %, der Nasdaq Composite um 0,78 % und der Dow Jones Industrial...

DWN
Technologie
Technologie Ostsee-Stromprojekt: Baltic-German PowerLink geplant
18.02.2026

Das Ostsee-Stromprojekt zwischen Deutschland, Lettland und Litauen nimmt konkrete Formen an. Mit dem Baltic-German PowerLink entsteht ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Dürr-Aktie springt nach Quartalszahlen deutlich an – jetzt Dürr-Aktie kaufen?
18.02.2026

Der Dürr-Aktienkurs ist nach überraschend starken Quartalszahlen nach oben geschossen. Vor allem der Nettogewinn überzeugt Investoren...