Wirtschaft

Saudis dürfen amerikanischen Öl-Markt fluten - aber Trump erwartet Gegenleistung

Die US-Regierung hat den Saudis erlaubt, große Mengen an Öl auf den US-Markt zu bringen.
26.05.2020 13:45
Aktualisiert: 26.05.2020 13:45
Lesezeit: 2 min
Saudis dürfen amerikanischen Öl-Markt fluten - aber Trump erwartet Gegenleistung
Ein Öltanker. (Foto: dpa) Foto: Samsung Heavy Industries /Handou

Eine Flottille saudischer Tanker, die mit Rohöl beladen ist, wird ihre Fracht in den USA abladen und sorgt für große Nervosität unter den amerikanischen Produzenten, die aufgrund eines Überangebots an Öl mit großen Unsicherheiten konfrontiert sind. Laut Michelle Wiese Bockmann, Markt-Redakteurin und Öl-Analystin bei Lloyd's List, einem Schifffahrts-Nachrichtendienst in London, sind mindestens 18 sehr große Ölfrachter mit jeweils zwei Millionen Barrel Öl Richtung USA aufgebrochen. Der erste Tanker, die "Dalian", ist Anfang Mai 2020 eingetroffen. Bis Ende Mai 2020 sollen alle 18 Tanker die USA erreicht haben. Alle Schiffe wurden Ende März und Anfang April 2020 in Ost-Saudi-Arabien verladen, so Wiese Bockmann.

Der Anstieg der saudischen Öllieferungen ist auf eine Ölschwemme und einen geschätzten Rückgang der weltweiten Nachfrage um 30 Prozent aufgrund der Coronavirus-Pandemie zurückzuführen. Diese Entwicklung führt auch dazu, dass es zu einer Überlastung der Kraftstoffspeicher an der US-Ostküste kommt.

Analysten sind der Ansicht, dass ein Großteil des saudischen Öls, das an die Golfküste geleitet wird, von US-Raffinerien zu äußerst niedrigen Preisen gekauft wurde: „Die Raffinerien waren sehr daran interessiert, diese Armada aus Öl an den US-Golf zu bringen." Maßgeblich für die saudische Entscheidung, den äußerst niedrigen Verkaufspreis zu akzeptieren, war, dass die Saudis die Tanker zuvor zu hohen Preisen gechartert hatten. Für einen Tanker mussten sie 350.000 Dollar pro Tag zahlen. Es lag also im saudischen Interesse, die Ladungen auf dem US-Markt abzusetzen, um ihren Verlust zumindest zu minimieren.

Kirsten Fontenrose vom "Arab Gulfs States Institute" in Washington sagt, dass Trump sehr enge Beziehungen zum saudischen Königreich hat: „Es gibt diese Art von persönlicher Beziehung zwischen dem Präsidenten und der saudischen Königsfamilie, die begann, als der Präsident 2017 seine große Reise dorthin unternahm." Die Trump-Regierung verfolge den Standpunkt, dass an den Saudis als Verbündete festgehalten werden müsse. Das erklärt auch, warum den Saudis erlaubt wurde, ihre Ölladungen auf den US-Markt zu bringen. Allerdings versuche die US-Regierung auch, "Verhaltensänderungen" der Saudis herbeizuführen.

Unter US-Produzenten und Politikern aus Öl produzierenden Staaten wächst die Wut, weil Saudi-Arabien den Markt mit billigem Öl überflutet. „Wir ermöglichen Saudi-Arabien weiterhin einen einfachen Zugang zu den amerikanischen Märkten zu einem Zeitpunkt, an dem meiner Ansicht nach Saudi-Arabien maßgeblich für die große Angebotsschwemme verantwortlich ist“, sagte der republikanische Senator von North Dakota, Kevin Cramer NPR.

Am 13. Mai 2020 zeigte er sich dann zufrieden, weil Saudi-Arabien sich bereit erklärt hat, seine Produktion im Juni 2020 zu drosseln. „Es ist schön zu sehen, dass Saudi-Arabien unserer Forderung nach zusätzlichen Maßnahmen nachkommt, indem es seine Ölproduktion im Juni zusätzlich zu den Kürzungen im OPEC + -Deal reduziert“, so Cramer in einer Mitteilung.

Eine Gruppe von US-Senatoren richtete im vergangenen Monat einen Aufruf an die saudi-arabischen Energiebhörde. Die Saudis wurden aufgefordert, ihre Produktion zu drosseln. „Die Ankündigung Saudi-Arabiens am 6. März, die Produktion massiv auf über zwölf Millionen Barrel pro Tag zu steigern, verschärfte die Turbulenzen auf den globalen Energiemärkten zu einer Zeit, als sich die Welt mit der Krise der Coronavirus-Pandemie befasste. Staaten wie Alaska leiden auch heute noch unter diesen Turbulenzen - Zehntausende hart arbeitende Amerikaner wurden entlassen und unabhängige Energieunternehmen mussten ihre Geschäfte schließen (…) Taten sagen mehr als Worte. Das Königreich muss nachhaltige, konkrete Maßnahmen ergreifen, um die Ölförderung erheblich zu senken, und dies muss bald geschehen“, so US-Senator Dan Sullivan.

Dieser Forderung werden die Saudis nun nachkommen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Cüneyt Yilmaz

                                                                                ***

Cüneyt Yilmaz ist Absolvent der oberfränkischen Universität Bayreuth. Er lebt und arbeitet in Berlin.

DWN
Politik
Politik NATO-Einsatz über Island: Deutsche Eurofighter starten zur Arktis-Mission
13.02.2026

Deutschland verstärkt seine Präsenz im hohen Norden. Wie Verteidigungsminister Boris Pistorius auf der Münchner Sicherheitskonferenz...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wirtschaftsstandort Deutschland: Wie Zukunftspessimismus die Wirtschaft bremst
13.02.2026

Ein düsterer Blick in die Zukunft und eine zunehmende gesellschaftliche Spaltung belasten den Standort Deutschland immer stärker. Laut...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Maschinenbau-Jobs in Gefahr: Deutscher Anlagenbau baut 22.000 Stellen ab
13.02.2026

Die anhaltende Konjunkturflaute hinterlässt tiefe Spuren auf dem Arbeitsmarkt der deutschen Schlüsselindustrie. Im Jahr 2025 ist die Zahl...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zeitmanagement: Wie Führungskräfte ihren Arbeitsalltag gezielt steuern
13.02.2026

In vielen Unternehmen entgleitet Führungskräften der Arbeitsalltag, weil Kalender und Meetings von Fremdprioritäten dominiert werden....

DWN
Finanzen
Finanzen Jenoptik-Aktie: Kurs stabilisiert sich nach Wachstums-Ausblick für 2026
13.02.2026

Die Jenoptik-Aktie hat am Freitag eine Berg- und Talfahrt erlebt. Nach einem frühen Kurseinbruch konnten die Papiere ihre Verluste...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bauwirtschaft in Europa vor Aufschwung: Deutschland hinkt beim Wohnungsbau hinterher
13.02.2026

Während die europäische Bauwirtschaft vor einer deutlichen Wachstumsphase steht, bleibt die Lage in der Bundesrepublik angespannt....

DWN
Politik
Politik Russland verliert Zugang zum Satellitennetzwerk Starlink: Konsequenzen für den Ukraine-Krieg
13.02.2026

Russland hat den Zugang zu Elon Musks Satellitennetzwerk Starlink verloren und damit ein zentrales Instrument im Ukraine-Krieg eingebüßt....

DWN
Politik
Politik Trump verschärft Iran-Kurs: Drohungen gegen Teheran trotz laufender Gespräche
13.02.2026

Im festgefahrenen Streit um das iranische Atom- und Raketenprogramm setzt US-Präsident Donald Trump verstärkt auf Einschüchterung....