Wirtschaft

Kollateral-Schäden: Trumps Strafzölle bedrohen deutsche Familien-Unternehmen in ihrer Existenz

Trumps Strafzölle treffen die Falschen, nämlich deutsche Familien-Unternehmen.
09.06.2020 16:05
Aktualisiert: 09.06.2020 16:05
Lesezeit: 2 min
Kollateral-Schäden: Trumps Strafzölle bedrohen deutsche Familien-Unternehmen in ihrer Existenz
Liköre: Ihre Hersteller sind von den US-Sonderzöllen besonders betroffen. (Foto: dpa) Foto: Patrick Seeger

Die von den USA verhängten Straf- und Ausgleichszölle führen bei europäischen Familienunternehmen zu erheblichen Wettbewerbsnachteilen. Eine Studie der „Stiftung Familienunternehmen“ kommt zum Ergebnis, dass der Handelsstreit zwischen den USA und der Europäischen Union inzwischen auf Branchen übergreift, die mit dem ursprünglichen Handelskonflikt nichts zu tun haben. Familienunternehmen sind von den US-Ausgleichszöllen am stärksten betroffen. „In Zukunft ist häufiger damit zu rechnen, dass handelspolitische Streitigkeiten Kollateralschäden in unbeteiligten Sektoren hervorrufen“, warnen die Studien-Autoren. Die Forscher empfehlen deswegen einen europäischen Ausgleichsfonds für Unternehmen aus der EU.

In der Untersuchung werden die Folgen der US-Zölle wegen unerlaubter Subventionen für das europäische Gemeinschaftsunternehmen „Airbus“ analysiert. Die US-Sonderzölle von 15 bis 25 Prozent treffen neben dem europäischen Flugzeug-Sektor in besonderer Weise den Werkzeug- und Fahrzeugbau sowie Erzeuger von Nahrungsmitteln sowie Likören und Branntweinen. Wegen der Airbus-Sonderzölle gingen die deutschen Güterexporte um jährlich rund 650 Millionen Euro zurück. Insgesamt beträfen die Zölle ein Handelsvolumen von 8,4 Milliarden Euro, wovon mehr als ein Fünftel auf deutsche Unternehmen entfällt.

Die Europäische Kommission solle dringend Abwehrmaßnahmen einleiten, empfehlen deswegen die Studienautoren Prof. Gabriel Felbermayr vom Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) und Prof. Christoph Herrmann von der Universität Passau. Sie schlagen einen finanziellen Ausgleich für die betroffenen Unternehmen vor. Ein entsprechender Kompensations-Mechanismus sollte aus beihilferechtlichen Gründen auf EU-Ebene angesiedelt sein. Länder wie die USA und China verfügen bereits über entsprechende Instrumente. In Europa fehlt eine Regelung, wie diese Kollateralschäden bei an sich völlig unbeteiligten Unternehmen ausgeglichen werden.

„Für die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Pandemie ist ein funktionierender Welthandel entscheidend“, sagt Professor Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die globalen Handelskonflikte zunehmen. Die Schaffung eines Ausgleichsmechanismus kann dazu beitragen, dass die EU in Handelsstreitigkeiten glaubwürdiger auftreten kann. Der beste Ausgleichsmechanismus bleibt aber der, der nicht aktiviert werden muss. Das Hauptziel muss darin bestehen, zu einem funktionierenden Handelsregime im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO zurückzukehren.“

In der Studie wird ausgeführt, dass Sonderzölle zu erheblicher Unsicherheit bei den Unternehmen führen. Die Höhe der Zölle liegt nicht fest, sondern kann einseitig von den USA erhöht werden. Die Unsicherheit über das Zollregime schränke den Handel oft stärker ein als die Zölle selbst, so die Autoren.

Die Forscher beobachten, dass in der Krise die Export-Restriktionen zunehmen. So hätten mehr als 50 Länder bei kritischen Medizinartikeln wie beispielsweise Schutzmasken Exportkontrollen eingeführt. Die Wissenschaftler empfehlen, dass die EU-Mitgliedstaaten Abstand von Exportbeschränkungen nehmen. Bei einer Pandemie werde eine höhere Liefersicherheit nicht mit der Renationalisierung der Produktion erreicht, sondern mit einer stärkeren Diversifizierung der Beschaffungssysteme und einer höheren nationalen Lagerhaltung. Das gelte auch auf Unternehmens-Ebene: Diejenigen Unternehmen, die über eine global diversifizierte Lieferkette verfügten, seien am widerstandsfähigsten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Geisterflotten bedrohen die Autoriesen: „Sie können nicht mithalten“
27.08.2026

Die Welt wird mit chinesischen Elektroautos überschwemmt, und immer mehr davon bleiben unverkauft. Riesige Geisterflotten drohen nun,...

DWN
Finanzen
Finanzen Nvidia-Aktie fällt trotz starker Quartalszahlen – und dreht dann ins Plus: Die Gründe für die Achterbahnfahrt
26.08.2026

Nvidia hat die hohen Erwartungen der Wall Street erneut übertroffen. Dennoch geriet die Nvidia-Aktie nachbörslich unter Druck. Steigende...

DWN
Finanzen
Finanzen Salesforce-Aktie steigt: KI treibt Wachstum, Salesforce-Zahlen überzeugen die Investoren
26.08.2026

Künstliche Intelligenz entwickelt sich für Salesforce zunehmend zum Wachstumsmotor. Nach einem starken Quartal hebt der Softwarekonzern...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Konjunkturdaten versetzen Anleger wegen Zinserhöhung bis Jahresende in Alarmbereitschaft
26.08.2026

Zinsängste belasten die Märkte – doch spannende Entwicklungen bei Tech-Giganten und Einzelwerten sorgen für Überraschungen.

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Prognose 2027: Bärenmarkt beendet oder ist der Absturz nur vertagt?
26.08.2026

Der Bitcoin-Kurs ist nach monatelanger Schwäche nach oben geschossen und hat eine der wichtigsten technischen Marken durchbrochen. Vieles...

DWN
Finanzen
Finanzen Ökonomen halten KI-Crash für wahrscheinlich: Wo Anleger am Markt Schutz suchen können
26.08.2026

Es wird immer schwieriger, ein Portfolio gegen KI zu diversifizieren, sagen Experten. Sie erklären, wie man sich am besten gegen...

DWN
Politik
Politik „Europa ist schwach“: Patrick Collison und Mario Draghi schließen sich mit neuem Think Tank zusammen – Polen ist nicht dabei
26.08.2026

Stripe-Mitgründer Patrick Collison und der frühere EZB-Präsident Mario Draghi wollen Europas wirtschaftliche Schwäche bekämpfen. Mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Exklusiv-Interview zu Freyja: Fire-Point-Chefin erklärt die Patriot-Alternative aus der Ukraine
26.08.2026

Nach dem ersten DWN-Bericht über Freyja spricht Fire-Point-Chefin Iryna Terekh nun exklusiv über das ukrainische Rüstungsprojekt. Mit...