Politik

„Whistleblower“ behauptet: Rechtsextremismus beim KSK wird geduldet

Lesezeit: 1 min
13.06.2020 18:53  Aktualisiert: 13.06.2020 18:53
Einem angeblichen „Whistleblower“ zufolge werde Rechtsextremismus bei der Spezialeinheit KSK „geduldet und teilweise wissentlich vertuscht“. Der „Whistleblower“ soll KSK-Offizier sein.
„Whistleblower“ behauptet: Rechtsextremismus beim KSK wird geduldet
01.03.2017, Sachsen-Anhalt, Magdeburg: Bundeswehrsoldaten der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) trainieren den Häuserkampf und eine Geiselbefreiung. (Foto: dpa)
Foto: Kay Nietfeld

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Ein Offizier der Kommando Spezialkräfte hat Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) nach einem „Spiegel“-Bericht auf eklatante Missstände in der Eliteeinheit hingewiesen. In einem zwölfseitigen Brief schildere der Soldat, dass innerhalb des KSK rechtsextreme Tendenzen geduldet und teilweise wissentlich vertuscht würden, berichtete das Nachrichtenmagazin am Freitag weiter. Den Mitgliedern der Einheit werde eingebläut, keine Vorkommnisse zu melden.

Das Verteidigungsministerium bestätigte der dpa auf Anfrage den Eingang eines Briefes, ohne in Details zu gehen. Kramp-Karrenbauer fahre eine Null-Toleranz-Linie gegenüber jedem Fall von Extremismus. Die Ministerin hatte nach mehreren Fällen im KSK eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die bis zum Sommer Ergebnisse vorlegen soll.

Kramp-Karrenbauer erklärte am Freitagabend: „Endlich konnte die Mauer des Schweigens durchbrochen werden. Darauf haben wir mit harter Linie lange hingearbeitet.“ Der betreffende Brief sei bereits in der ersten Sitzung der von ihr einberufenen AG KSK besprochen worden. „Jetzt geht es darum, die notwendigen Konsequenzen daraus zu erarbeiten.“ Aus dem Verteidigungsministerium hieß es, die AG KSK habe von der Ministerin bereits den Auftrag bekommen, insbesondere auch Werdegänge und Auswahl von Ausbildern im KSK zu beleuchten.

Der Autor des Briefes, ein Hauptmann, beklage, dass rechtsextreme Umtriebe in der Einheit „ignoriert oder gar toleriert“ würden, so der „Spiegel“. Der Soldat, der seit 2018 im KSK diene, nenne Beispiele für eine Kultur des Wegschauens, wenn es um rechtsextreme Tendenzen gehe. So habe einer seiner Ausbilder aus einer „aggressiv nationalkonservativen Gesinnung“ keinerlei Hehl gemacht. Als „call sign“, über den sich die Soldaten im Funkverkehr identifizieren, habe seine Kommandozentrale stets den Code „Y-88“ benutzt. Die Rekruten hätten diese Anspielung auf den Hitlergruß zwar wahrgenommen, aus Angst vor Repressalien aber habe niemand etwas gesagt.

Es werde auch geschildert, wie die Ausbilder ihre Rekruten mundtot machten. Es werde eine Hörigkeit anerzogen, „die mit den Grenzen von Befehl und Gehorsam nach Maßstäben der Bundeswehr als unvereinbar zu bewerten“ seien. Strafen würden genutzt, „um Soldaten und vor allem kritische Offiziere gefügig zu machen“. Die Folgen seien „eine Art Kadavergehorsam“, eine „Kultur des Hinnehmens rechtswidrigen Verhaltens» und eine «toxische Verbandskultur“.


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