Finanzen

Staatsschulden steigen doppelt so schnell wie in der Finanzkrise

Nach Angaben der Ratingagentur Moody's steigen die Schulden der großen Staaten der Welt fast doppelt so schnell wie während der Finanzkrise
22.06.2020 12:02
Aktualisiert: 22.06.2020 12:02
Lesezeit: 1 min
Staatsschulden steigen doppelt so schnell wie in der Finanzkrise
Das Logo der Ratingagentur Moody's wird auf eine Euro-Geldmünze projiziert. (Foto: dpa) Foto: Jens B

Den Industrieländern droht der Ratingagentur Moody's zufolge wegen der Corona-Rezession ein stark wachsender Schuldenberg. Bei den 14 untersuchten entwickelten Volkswirtschaften dürfte die Verbindlichkeiten im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 19 Prozentpunkte wachsen und damit fast doppelt so schnell wie während der globalen Finanzkrise 2008/09, heißt es in der am Montag veröffentlichten Analyse.

"Der Anstieg ist stärker und vollzieht sich schneller als während der globalen Finanzkrise, was Ausdruck des akuten und globalen Charakters des Coronaschocks ist", sagte Moody's-Expertin Marie Diron.

Italien, Japan und Großbritannien dürften überdurchschnittlich stark betroffen sein. Hier wird ein Plus von rund 25 Prozentpunkten erwartet. In den USA, Frankreich, Spanien, Kanada und Neuseeland dürfte das Schuldenniveau um rund 20 Prozentpunkte zulegen, in Deutschland dagegen um deutlich weniger als 20 Punkte. Wegen der Corona-Krise wird in fast allen Ländern eine Rezession mit sinkender Wirtschaftsleistung erwartet. Da die Regierungen zudem teure Hilfspakete im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie beschlossen haben, dürften sich die Haushaltsdefizite spürbar ausweiten.

Moody's zufolge dürfte die Schuldentragfähigkeit angesichts des anhaltenden Niedrigzinsumfeld hoch bleiben "und so in den nächsten Jahren den negativen Ratingeffekt des Schuldenanstiegs abfedern". Zudem dürfte die erwartete Konjunkturerholung die Folgen hoher Haushaltsdefizite kompensieren und so eine Stabilisierung der Schuldenniveaus ermöglichen. "Staaten, die es versäumen, ihre Schuldenstände wieder zurückzuführen, sind in der Zukunft anfälliger für wirtschaftliche oder Finanzmarkt-getriebene Schocks", warnte die Ratingagentur zugleich.

Moody's vergibt Noten für die Kreditwürdigkeit der Länder. Daran orientieren sich Investoren wie Versicherungen, die auch wegen gesetzlicher Vorschriften einen großen Teil ihrer Anlagen in als sicher geltende Papiere stecken müssen. Als solche werden beispielsweise deutsche Bundesanleihen angesehen. Die Bonität der Bundesrepublik wird von allen großen Ratingagenturen mit der Bestnote AAA bewertet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie: Starker Auftragsbestand, schwacher Aktienkurs – die Hintergründe
11.05.2026

Bei der Rheinmetall-Aktie prallen derzeit starke Fundamentaldaten und wachsende Zweifel am kurzfristigen Kursverlauf aufeinander. Eine neue...

DWN
Finanzen
Finanzen Lagarde bremst Stablecoins: Warum die EZB den digitalen Euro schützen will
11.05.2026

EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellt sich skeptisch gegen Stablecoins in Euro. Sie sieht Risiken für Finanzstabilität, Banken und...

DWN
Finanzen
Finanzen Einbruch Gewerbesteuer: Finanzielle Krise in Baden-Württemberg verschärft sich
11.05.2026

Schon jetzt schreiben viele Städte und Gemeinden rote Zahlen und müssen Leistungen kürzen. Die aktuelle Steuerschätzung zeigt: Die...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Krieg: Putin bringt Altkanzler Schröder als Vermittler ins Gespräch
11.05.2026

Kremlchef Putin hat Altkanzler Gerhard Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg ins Spiel gebracht. In der Bundesregierung stößt Putins...

DWN
Panorama
Panorama Mitten in einer Kriegszone. Wenn die Kontrolle verschwindet, beginnt Führung.
11.05.2026

Ein Unternehmer wacht in Lwiw in der Ukraine auf und erfährt, dass Krieg ist. Seine Geschichte zeigt, was Führung bedeutet, wenn Pläne...

DWN
Politik
Politik Großbritannien: Labour verliert, Reform UK gewinnt - Rücktrittsforderungen nach Wahldebakel
11.05.2026

Der angezählte britische Premierminister Keir Starmer bemüht sich nach den historisch schlechten Wahlergebnissen bei den Kommunalwahlen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo: Jeder sechste Einzelhändler sieht Existenz bedroht
11.05.2026

Die längste Wirtschaftskrise in Deutschland seit den Nachkriegsjahren bremst den privaten Konsum. Direkte Leidtragende sind die...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg: Zwei Drittel schränken Energieverbrauch ein
11.05.2026

Viele Menschen in Deutschland sparen wegen gestiegener Energiepreise in Folge des Iran-Kriegs bei Strom und Heizung, laut einer Umfrage im...