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NRW verhängt Lockdown für die Kreise Gütersloh und Warendorf

Lesezeit: 2 min
23.06.2020 10:56  Aktualisiert: 23.06.2020 10:56
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet verhängt einen Lockdown über den gesamten Kreis Gütersloh. Ein großer Polizeiaufgebot ist auf dem Weg. Auch für den Kreis gilt ein Lockdown.
NRW verhängt Lockdown für die Kreise Gütersloh und Warendorf
Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. (Foto: dpa)
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Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies schränken die NRW-Behörden das öffentliche Leben im Kreis Gütersloh mit einem Lockdown massiv ein. Erstmals in Deutschland werde ein gesamter Kreis - dort leben rund 370.000 Menschen - wegen des Corona-Infektionsgeschehens wieder auf die strengen Pandemie-Schutzmaßnahmen zurückgeführt, die noch vor einigen Wochen gegolten hätten. Das sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstag in Düsseldorf. Im westfälischen Kreis Gütersloh handele es sich um das bisher «größte Infektionsgeschehen» in NRW und auch bundesweit. Die Maßnahmen sollen zunächst bis zum 30. Juni gelten.

Behörden im Landkreis verbieten demnach ab diesem Mittwoch unter anderem wieder Sport in geschlossenen Räumen und auch zahlreiche Kulturveranstaltungen. Fitnessstudios würden im Kreisgebiet ebenso geschlossen wie Kinos und Bars.

Der Lockdown bedeute zwar kein Ausreiseverbot, meinte Laschet mit Blick auf die Schulferien, die an diesem Samstag in NRW beginnen. Seine Aussagen blieben aber in diesem Punkt ungenau. Einerseits sagte der CDU-Politiker auf eine Frage, ob Bewohner des Kreises Gütersloh in den Urlaub fahren könnten, das sei möglich. Zugleich «appellierte» Laschet aber an die Bewohner, den Kreis nicht zu verlassen. «Das wird auch kontrolliert werden.»

Grund für den zunächst für eine Woche geltenden Lockdown ist der Corona-Massenausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies. Beim Schlachtbetrieb des Marktführers im westfälischen Rheda-Wiedenbrück hatten sich mehr 1550 Beschäftigte nachweislich mit dem Coronavirus infiziert.

Bis zum 30. Juni werde man mehr Klarheit haben, inwieweit sich das Virus womöglich auch bei Nicht-Tönnies-Beschäftigten ausgebreitet habe, betonte der Ministerpräsident. Bisher gebe es hier nur 24 nachgewiesene Infektionen. Man wolle besondere Vorsicht walten lassen. Die Behörden würden die Tests in der Bevölkerung zudem massiv ausweiten.

Der Regierungschef warnte davor, die Menschen aus dem Kreis Gütersloh nun unter «Pauschalverdacht» zu stellen. Man dürfe die Bewohner des Kreises «nicht stigmatisieren».

Rund 7000 Tönnies-Mitarbeiter stehen mitsamt ihren Familien seit einigen Tagen unter Quarantäne. Das Zentrum des Corona-Ausbruchs bei Tönnies liegt Laschet zufolge in der Fleischzerteilung. In dieser Abteilung gebe es die meisten Infizierten.

Die Einhaltung der Quarantäne-Maßnahmen gestaltet sich seit Tagen sehr schwierig. Die Landesregierung habe drei Einsatzhundertschaften der Polizei in den Kreis Gütersloh geschickt, schilderte Laschet. Die Polizisten sollten die Quarantäne der Mitarbeiter von Tönnies kontrollieren. Die Polizei werde die mobilen Testteams begleiten. Zur Not müssten die Behörden auch mit Zwang die Anordnungen durchsetzen. Es werde auch zusätzliche humanitäre Maßnahmen zur Unterstützung der Betroffenen geben.

Schulen und Kitas im Landkreis Gütersloh mit rund 370.000 Einwohnern waren bereits am 17. Juni geschlossen worden. Für die größte deutsche Fleischfabrik war zudem ein vorübergehender Produktionsstopp verhängt worden. Auch für den Kreis Warendorf kündigte das Land Einschränkungen an.

-- UPDATE --

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat nach dem Kreis Gütersloh auch für den gesamten Kreis Warendorf einen "Lockdown" verfügt. Durch umfangreiche Tests soll nun herausgefunden werden, ob das Coronavirus von Mitarbeitern der Fleischfabrik Tönnies auf die Bevölkerung übergesprungen ist, kündigte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Dienstag in Düsseldorf an. Getestet werden sollen etwa Patienten und Pflegekräfte von Krankenhäusern, Altenheimen oder die Mitarbeiter von Supermärkten. Außerdem soll es für Einwohner Gelegenheiten geben, sich auf das Virus testen zu lassen.

Die Behörden stünden vor der Aufgabe, herauszufinden, wie viele Mitarbeiter aus anderen Firmen mit Beschäftigten zusammenwohnten, die über Subunternehmen bei Tönnies arbeiteten. Es werde untersucht, in welchen Firmen diese tätig gewesen seien, sagte Laumann. NRW hatte am Vormittag Konsequenzen aus dem bundesweit größten einzelnen Corona-Ausbruch gezogen und weitreichende Kontaktbeschränkungen im Kreis Gütersloh erlassen. Dort hatten sich über 1500 Mitarbeiter eines Schlachthofs des Fleischverarbeiters Tönnies mit dem Virus infiziert.


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