Finanzen

Federal Reserve verringert Bilanzsumme, Notprogramme werden nur mäßig nachgefragt

Die US-Zentralbank Federal Reserve verkürzt ihre Bilanz. Offenbar werden ihre zahlreichen Notprogramme vom Markt nur wenig abgerufen.
17.07.2020 15:15
Aktualisiert: 17.07.2020 15:15
Lesezeit: 2 min

Die US-Zentralbank Federal Reserve System hat den Umfang ihrer Bilanz in den vergangenen Wochen deutlich abgebaut. Am 15. Juli betrug das Gesamtvolumen noch rund 7 Billionen Dollar, nachdem es am 10. Juni einen Höchststand von mehr als 7,2 Billionen Dollar erreicht hatte.

Seit Jahresbeginn ist die Bilanzsumme allerdings um mehr als 70 Prozent gestiegen, weil die Zentralbank im März eine Reihe umfangreicher und außergewöhnlicher Maßnahmen eingeleitet hatte, um Liquidität in die Finanzmärkte zu spülen.

Die Financial Times zeichnet insgesamt das Bild einer nachlassenden Nachfrage nach den Notprogrammen der Zentralbank, was auf eine Beruhigung der seit vergangenem September sehr angespannten Situation hindeutet, als die Fed plötzlich mit umfangreichen Aktionen am Repo-Geldmarkt intervenieren musste. Das Engagement im Repo-Markt wurde inzwischen vollständig beendet und auch die Käufe von US-Staatsanleihen und die Nachfrage nach Dollar-Swap-Geschäften von Seiten ausländischer Zentralbanken nehme ab, berichtet die FT.

Berechnungen der Zeitung zufolge sollen bislang nur etwa 104 Milliarden Dollar aus den 11 im Zuge der Corona-Krise aufgebauten Notprogrammen von Marktteilnehmern abgerufen worden sein. „Dabei handelt es sich um nur etwa 4 Prozent jener Summe von mindestens 2,6 Billionen Dollar, welche die Fed eigenen Aussagen zufolge durch diese Programme bereitstellen wollte – in den vergangenen sieben Woche hat sich der Betrag von 104 Milliarden praktisch auch nicht mehr verändert“, schreibt das Blatt.

Zu den im Zuge der präzedenzlosen Ausweitung von Marktinterventionen aufgebauten Notprogrammen gehören beispielsweise Vehikel zur Finanzierung von Kommunen, Unternehmen, Privathaushalten, mit Wertpapieren gedeckten Finanzinstrumenten und Geldmarktfonds.

Angesichts der begrenzten Nachfrage nach den Notprogrammen rechnen inzwischen viele Beobachter damit, dass der Umfang der Zentralbankbilanz weniger stark steigen wird als ursprünglich gedacht. Doch noch immer gehen von der FT befragte Analysten von einer Bilanzsumme von rund 8,5 Billionen Dollar zum Jahresende aus. Augenscheinlich reichte aber die bloße Bereitstellung der Vehikel in den vergangenen Wochen aus, um Spekulanten, Hedgefonds und Banken zu beruhigen und die Volatilität an den Märkten zu neutralisieren.

Alles ist möglich

Zu bedenken ist, dass die Fed-Bilanzsumme Anfang des Monats noch geringer ausfiel, als nun in der Woche vom 15. Juli, nämlich nur noch rund 6,92 Billionen Dollar betrug. Es kam also zwischen dem 8. Juli und dem 15. Juli zu einem Anstieg um etwa 80 Milliarden Dollar.

Sollte sich die Situation in der Realwirtschaft weiter verschlechtern oder Preisblasen an den Finanzmärkten zu platzen drohen, dürfte die Notenbank schnell wieder mit virtuellen Milliarden zur Stelle sein. „Ich habe die Fed arg kritisiert, nachdem sie die größten Anleger der Welt, die extrem riskant arbeitenden Hedgefonds und Hypotheken-Investmentfonds vor der im Kapitalismus natürlich angelegten Marktbereinigung gerettet hatte. Ich habe die Fed scharf dafür kritisiert, dass sie die reichen Investoren herausboxte, während Chaos in Amerika herrschte. Deswegen unterstütze ich den Rückzug der Fed aus diesem Wahnsinn. Aber ganz offensichtlich, kann die Bank sofort ihren Kurs wieder ändern und jede Woche könnte die Bilanzsumme neue Überraschungen bereithalten“, schreibt der Finanzmarktexperte Martin Wolff auf seinem Blog.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Während der Markt panikartig verkauft, setzt das "kluge Geld" fieberhaft Bitcoin-Druckmaschinen ein?

Der Markt hat kürzlich eine scharfe Korrektur durchlaufen, wobei sich Panik wie eine Seuche ausbreitete, als Verkäufer ihre...

DWN
Finanzen
Finanzen Tui-Aktie: Verhaltene Börsenreaktion nach starken Tui-Zahlen und stabiler Prognose – die Gründe
10.02.2026

Starke Zahlen, sinkender Kurs: Der Reisekonzern Tui startet operativ so erfolgreich wie lange nicht. Hotels und Kreuzfahrten liefern...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs aktuell stabil über 25.000 Punkten – startet der Leitindex Richtung Rekordhoch?
10.02.2026

Der DAX-Kurs hält sich knapp über der psychologisch wichtigen Marke von 25.000 Punkten und sorgt damit für Spannung an den Märkten....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Entscheidung im Tchibo-Aldi-Rechtsstreit: Kaffeeröster muss vor Gericht Niederlage hinnehmen
10.02.2026

Der Tchibo-Aldi-Rechtsstreit ist entschieden: Wieder muss der Hamburger Kaffeeröster vor Gericht eine Niederlage hinnehmen. Doch das...

DWN
Finanzen
Finanzen Olympische Winterspiele in Milano Cortina 2026: Diese Olympia-Aktien profitieren
10.02.2026

Die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand Cortina sind in vollem Gange, für das deutsche Olympia-Team gab es bereits mehrere Medaillen,...

DWN
Finanzen
Finanzen Rückenwind für die BASF-Aktie: Konjunkturhoffnung, Analysteneinstufung und BASF-Aktienrückkaufprogramm
10.02.2026

Die BASF-Aktie startet stark ins Börsenjahr 2026: Konjunkturhoffnungen, ein laufendes Aktienrückkaufprogramm und steigende Kurse treffen...

DWN
Technologie
Technologie Hypersonica: Münchner Start-up testet Hyperschallrakete HS1
10.02.2026

Ein Münchner Start-up sorgt mit einer eigenen Hyperschallrakete für Aufsehen in Europa. Der erste Testflug der HS1 verlief erfolgreich...

DWN
Panorama
Panorama Allensbach-Umfrage: Mehrheit bewertet USA als Risiko für den Weltfrieden – Russland bleibt zentrales Sicherheitsrisiko
10.02.2026

Eine aktuelle Allensbach-Umfrage zeigt einen spürbaren Wandel im sicherheitspolitischen Denken der Deutschen. Vertrauen bröckelt, alte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Endgültiges Aus für ACC-Batteriefabrik in Kaiserslautern – die Folgen
10.02.2026

Die geplante ACC-Batteriefabrik in Kaiserslautern galt als Zukunftsprojekt für die deutsche Industrie. Doch nun zieht Automotive Cell...