Finanzen

Bäckereikette Kamps: Mehrwertsteuer-Senkung bekommt nur, wer bargeldlos zahlt

Die von der Bundesregierung zur Stimulierung der Wirtschaft eingeführte Mehrwertsteuersenkung wird von der Bäckereikette Kamps zum Kampf gegen das Bargeld genutzt.
18.09.2020 16:15
Lesezeit: 1 min
Bäckereikette Kamps: Mehrwertsteuer-Senkung bekommt nur, wer bargeldlos zahlt
Brötchen. (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Die von der Bundesregierung zur Stimulierung des Binnenkonsum im Juli eingeführte Mehrwertsteuersenkung wird von der Bäckereikette Kamps nur an ausgewählte Kunden weitergegeben. Wie Norbert Häring auf seinem Nachrichtenblog berichtet, genießen nur Kunden die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent beziehungsweise je nach Produkt von 7 auf 5 Prozent, wenn sie bargeldlos zahlen. Kunden, die mit Münzen und Scheinen bezahlen, müssen weiterhin die vollen Steuersätze bezahlen.

Kamps vermarktet die systematische Benachteiligung der Barzahler und die Bevorzugung der Kartenzahler als „Innovations-Rabatt“. Offen gibt man in der entsprechenden Pressemitteilung zu, dass man „das Thema bargeldlose Zahlung forcieren“ will.

Eine stichhaltige Begründung für die neue Geschäftspolitik liefert Kamps nicht. Es wird lediglich darauf verwiesen, dass noch immer nicht klar sei, ob durch Münzen und Scheine nicht auch Corona-Viren übertragen werden könnten. Wenn dem so wäre träfe dies allerdings auch auf PIN-Pads und Stifte für digitale Unterschriften zu, welche wie Bargeld ebenfalls täglich von hunderten Menschen genutzt werden.

Danke an die Kunden – aber nur an die Richtigen

In der Pressemitteilung heißt es weiter:

Mit dem Rabatt möchte Kamps allen Kunden „Danke“ sagen, die während der Corona-Krise den Kamps Bäckereien treu geblieben sind, und mit Geduld die Einschränkungen im Tagesgeschäft mitgetragen haben. „Mit der Rabattierung auf bargeldlose Einkäufe geben wir die geplante Entlastung aus der Umsatzsteuersenkung an alle Kunden weiter, die bargeldlos bezahlen, und vermeiden gleichzeitig den administrativen Aufwand für eine umfassende Änderung der Preiskalkulation und -auszeichnung“, erläutert Prangemeier weiter. Eine Ausdehnung des Rabatts auch auf Bargeldzahlungen würde zu unverhältnismäßig hohen Kosten in der Bargeldver- und entsorgung führen und ist daher nicht möglich.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Unternehmen
Unternehmen Escort zwischen Plattform und Premiumservice: Wie sich ein diskreter Markt professionalisiert

Wenn über Escort-Services gesprochen wird, kommen dabei oft veraltete Assoziationen auf. Der Markt hat sich aber in den vergangenen Jahren...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Entwicklung: Wie es weitergeht und wo es Chancen gibt
22.04.2026

Steigende Zinsen, geopolitische Spannungen und ein schwankender Dollar bremsen die Goldpreis-Entwicklung. Dennoch bleibt das Interesse am...

DWN
Politik
Politik Deutsche Militärstrategie: Russland als Hauptbedrohung
22.04.2026

Russland als absehbar größte Bedrohung für die Sicherheit in Europa: Verteidigungsminister Boris Pistorius hat wegen der veränderten...

DWN
Technologie
Technologie AI Act: Warum KI für Geschäftsführer zur Haftungsfalle wird – und welche Lösungen es gibt
22.04.2026

Der AI Act macht den Einsatz von KI zu einem erheblichen Haftungsrisiko – auch für die Unternehmensleitung. Spätestens ab August 2026...

DWN
Immobilien
Immobilien Bund als Wohnungsbauer? Regierung plant Bundesbaugesellschaft
22.04.2026

Wenn Wohnraum knapp wird, steigen die Preise: In Deutschland fehlen 1,4 Millionen Wohnungen zugleich verteuern sich die Mieten vor allen in...

DWN
Panorama
Panorama Welttag der Erde: Extremhitze bedroht Landwirtschaft und Ökosysteme
22.04.2026

Fische mit Herzversagen, Kartoffeln im Hitzestress: Ein Bericht zeigt, wie Extremwetter Landwirtschaft und Ökosysteme weltweit bedroht....

DWN
Politik
Politik Transitstopp? Rosneft prüft Alternativen für Öl aus Kasachstan für PCK
22.04.2026

Ölprobleme für die Raffinerie PCK: Rosneft Deutschland prüft Ersatz für kasachisches Öl. Bisher bezieht Deutschland Erdöl aus...

DWN
Politik
Politik 90-Milliarden-EU-Kredit: Selenskyj verkündet Reparatur der „Druschba“-Pipeline
22.04.2026

Fast drei Monate floss nach einem russischen Drohnenangriff kein Erdöl von Russland über die Ukraine in die EU-Staaten Slowakei und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Flugstreichungen: Lufthansa streicht 20.000 Flüge bis Oktober
22.04.2026

Die Schließung der Cityline reißt Lücken ins Lufthansa-Netz. Was heißt das konkret für die nächsten Monate und ihre Urlaubspläne?