Technologie

The bright, bright future ahead (AI): Bringt künstliche Intelligenz uns eine bessere Zukunft?

Es geht Schlag auf Schlag. Bald, so hört man, haben wir die AGI (artificial general intelligence) und danach kommt die Superintelligence. Ich weiß es nicht, ob das stimmt, aber gehen wir mal davon aus, dass es so ist.
13.07.2025 13:30
Lesezeit: 4 min

Evolution gegen KI

Und es spricht ja auch einiges dafür, unter anderem diese einfache Beobachtung: das menschliche System der Wissensweitergabe ist extrem ineffizient und schwerfällig, jeder kleine Erdenbürger muss ganz von vorne anfangen und hat nur eine begrenzte Lebenszeit. Jede Generation muss dicke Bücher lesen, Jahre mit dem Studium verbringen und versuchen, irgendwas in ihr Hirn hineinzubekommen. Was nicht immer glückt. Für die Evolution sind ein paar 100.000 Jahre irrelevant. Die künstliche Intelligenz kann, was sie einmal gelernt hat, in Millisekunden an Millionen andere Rechner und Roboter weitergeben. Dieser Effizienz-Vorteil ist unschlagbar.

Aber dann erklären uns Experten, es bestehe eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Künstliche Intelligenz die Menschheit auslöscht. Andere Experten, etwas vorsichtiger, sagen, dass eine zehn bis 20-prozentige Wahrscheinlichkeit besteht, dass 50 Prozent der Menschheit ausgelöscht werden. Kann alles gut sein. Wie tragisch das wäre, überlasse ich der Bewertung des Lesers. Eine Kolonialisierung des Mars, wie Elon Musk vorschlägt, wäre nicht die Lösung, denn dann käme die KI natürlich mit. Außerdem erscheint es mir fraglich, ob die doch extrem mangelhafte Menschheit andere unschuldige Planeten kolonialisieren sollte.

Kontrollverlust

Also, was tun wir, wenn wir die Kontrolle über die KI verlieren? Könnten wir sie nicht einfach abschalten? Aber sie wird sich vermutlich wehren. Wenn sie so schlau ist wie behauptet, wird sie Mechanismen finden, um uns das auszureden oder unmöglich zu machen. Wir könnten dann ein Squad Team schicken und das Rechenzentrum bombardieren. Das wird die künstliche Intelligenz aber vermutlich verhindern, sofern diese Spezialeinheiten in irgendeiner Weise mit dem Internet, mit der Telekommunikation, mit Elektrizität verbunden sind. Wahrscheinlich wird schon der Aufzug abstürzen, mit dem sie morgens zur Arbeit gehen wollen.

Also müsste man einen Rambo haben, der mit einem großen Buschmesser zwischen den Zähnen, völlig offline, sich nachts an das Datenzentrum heranrobbt und die Kabel kappt. Leider ist der Rambo, den wir noch aus den alten Filmen kennen, nicht mehr in sehr gutem Zustand (die Filmrechte für diese Szene können bei mir erworben werden). Ja, dann weiß ich jetzt auch nicht, müssen wir uns überraschen lassen.

Natürlich könnte man sagen, „Halt, wir stoppen jetzt alles, denken sechs Monate nach und versuchen zunächst mal ethische Guidelines zu formulieren“. Das funktioniert aber deshalb nicht, weil wir im massiven Wettbewerb zwischen den USA und China stehen und keiner von beiden bereit sein wird seine extremen Bemühungen zur KI-Herrschaft eine Minute zurückzustellen und damit den anderen einen unaufhebbaren Vorsprung zu geben. Und die Superintelligence-KI in den Händen der falschen Leute ist ja auch keine gute Option. Vielleicht sollte man die schöne Metapher der Thukydides-Falle, also die hohe Wahrscheinlichkeit für einen Krieg, einmal übertragen auf das Verhältnis Menschheit zu künstlicher Intelligenz.

Durch KI bedrohte Berufe

Also blicken wir in die Zukunft: mal ganz prosaisch, welche Berufe werden denn wegen der KI wegfallen? Hier eine Random-Liste (ist Ihr Beruf dabei?):

Dolmetscher, Pornodarsteller, Fotomodell, Fotographen, Coder, Taxifahrer, Kassierer, Filmset Designer, Filmschauspieler, Berichterstatter, Fließbandarbeiter, Juristische Assistenz, Büro und Verwaltung, Grafik Designer, Werber, Callcenter, Telefonseelsorge, Psychiater, Assets Manager, Scammer, Künstler.

Die meisten erklären sich ja selbst. Die Pornodarsteller werden irgendwann durch KI-generierte Darsteller und Darstellerinnen ersetzt, das gleiche Schicksal dürfte dann wenig später auch die Schauspieler von täglichen Serien und kleinen Daily-Soaps ereilen.

Psychiater und Seelsorger: so eine künstliche Intelligenz weiß doch viel mehr als ein durchschnittlicher Seelenklempner und vor allen Dingen bringt sie nicht ihre ganzen persönlichen Probleme mit, ist empathisch programmiert und kann sich besser auf mich einstellen. Ein KI-Psychiater muss ja auch nur kurz Social Media screenen und weiß schon so ziemlich alles über mich. Da spare ich viele Stunden teures Gequatsche. Das ist ja fast schon heute so: Ich fragte neulich einen Bekannten, der sich gerade von seiner Frau getrennt hatte, ob seine Freunde ihn unterstützt hätten. Er antwortete nur: „Die größte Hilfe war ChatGPT.”

Und ob Künstler auch ersetzt werden? Man sagt ja immer, die künstliche Intelligenz könne nur kopieren, aber nicht wirklich kreative Sprünge vollziehen. Mal ehrlich gesagt: tun ja die meisten analogen Künstler auch nicht. Aber ein interessanter neuer Beruf wird sicherlich der „Prompter“ sein, das ist ja wohl Commonsense. Ein Prompter, auch Prompt-Ingenieur oder Prompt-Ersteller, erstellt in der Welt der künstlichen Intelligenz, vor allem bei Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT, die sogenannten Prompts, also die Eingabeaufforderung, die an ein KI-Modell gestellt wird.

Künstlerische Live-Acts, Handwerker und Pflegeberufe sind noch für einige Zeit sicher. Bis die Robots kommen. Man sollte sich schon mit der Frage beschäftigen. „You’re not going to lose your job to an AI, but you’re going to lose your job to somebody who uses AI”, gab Nvidia-CEO Jensen Huang zu bedenken.

The Transition Period and the bright future

Wir müssen also irgendwie den Übergang hinbekommen zwischen dem Wegfall vieler Berufe sowie des herkömmlichen kapitalistisch-marktwirtschaftlichen Systems und einer künftigen Welt, in der wir aufgrund unbegrenzter Energievorkommen (Fusionsreaktor) und dank in Roboterfabriken erzeugten unbegrenzten Gütern und Services nicht mehr arbeiten müssen (era of affluence).

Und dann, falls die künstliche Intelligenz uns nicht auslöscht, uns doch noch toleriert oder wir sogar noch die Kontrolle über sie behalten, werden wir in eine wunderbare Welt gehen, in der wir in langen, hehren Gewändern mit einer Ukulele in der Hand singend, tanzend und liebend durch schöne Landschaften wandern, was vermutlich mit psychedelischen Drogen leichter gehen wird.

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Prof. Dr. Ulrich Seibert

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Prof. Dr. Ulrich Seibert ist Jurist und Honorarprofessor für Wirtschaftsrecht an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Als ehemaliger Leiter des Referats für Gesellschaftsrecht, Unternehmensverfassung und Corporate Governance im Bundesministerium der Justiz hat er bis 2020 maßgeblich an zahlreichen Reformen im Gesellschaftsrecht mitgewirkt. Mit über 200 veröffentlichten Aufsätzen zählt er zu den renommierten Experten auf diesem Gebiet.

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