Deutschland

Afrikanische Schweinepest in Deutschland - wie lange bleibt sie?

Dass die Afrikanische Schweinepest aus Osteuropa in Deutschland ausbrechen würde, haben Virologen, Tierärzte und Tierhalter erwartet. Wie lange die Seuche bleibt, ist jedoch offen.
19.09.2020 12:37
Lesezeit: 2 min
Afrikanische Schweinepest in Deutschland - wie lange bleibt sie?
29.01.2018, Hessen, Wetzlar: Ein Schild mit der Aufschrift «Afrikanische Schweinepest - Sperrbezirk-» steht im hessischen Zentrallager für Tierseuchenbekämpfungsmaterial an einen Tieranhänger gelehnt. (Foto: dpa) Foto: Frank Rumpenhorst

Nach dem ersten Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland ist nach Auskunft des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) offen, wie lange die Tierseuche Wild- und Hausschweine im Land gefährden wird. «Es gibt die ganze Bandbreite», sagte der Präsident des Bundesforschungsinstituts bei Greifswald, Thomas Mettenleiter, der Deutschen Presse-Agentur.

Als Beispiele nannte er Sardinien, wo die Seuche 1978 eingeschleppt worden sei und sie bis heute existiere. Spanien und Portugal hätten 30 Jahre lang bis Mitte der 1990er Jahre mit der Krankheit zu tun gehabt, Tschechien hingegen nur etwa ein Jahr. In Belgien seien nach den ersten Fällen 2018 im Frühjahr 2020 Virusgenome nur noch in alten Kadavern nachgewiesen worden. Während mehr als 90 Prozent der infizierten Schweine sterben, ist der Erreger für Menschen ungefährlich.

Wie die Afrikanische Schweinepest (ASP) in den Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg kam, ist noch ungeklärt. «Es sieht nach einer Westwärts-Ausdehnung des westpolnischen Geschehens aus», sagte Mettenleiter. Der erste Fund sei etwa sieben Kilometer von der polnischen Grenze entfernt gemacht worden. Der Eintrag könne jedoch auch auf andere Weise erfolgt sein. «Ich will im Moment nichts ausschließen», sagte der Virologe. Es gebe zwischen den Ausbrüchen in Westpolen und der betroffenen Region in Brandenburg Gebiete, in denen bisher keine ASP nachgewiesen worden sei. Es könne jedoch auch sein, dass Kadaver dort nicht gefunden wurden.

Das Virus kann Mettenleiter zufolge sehr lange überleben, über Wochen und Monate. Bei kälteren Temperaturen bleibe der Erreger länger infektiös als bei wärmeren. «Deshalb ist die Kadaversuche so wichtig», sagte er. Das Virus befindet sich in großen Mengen im Blut infizierter Tiere, so dass Kontakt mit Blut ein hohes Risiko birgt, wie Mettenleiter erklärte. Auch in rohem Schweinefleisch, Rohwürsten und Rohschinken kann der Erreger überdauern. Dies gelte auch für die Oberflächen kontaminierter Futtermittel, Werkzeuge und Kleidung, mit denen das Virus in Schweineställe eingeschleppt werden könne. Die beste Prävention sei es, die Ställe sicher zu machen.

Mit einem Impfstoff rechnet Mettenleiter in überschaubarer Zeit nicht. Es werde an Impfstoffen gearbeitet, die Wildschweinen über Köder verabreicht werden könnten. Der Stoff müsste schnell zu einer so guten Immunität führen, dass die Tiere nicht infiziert werden können.

Während der Erreger in Afrika auch von Lederzecken übertragen wird, erfolgt die Übertragung in Europa über Sekrete direkt von Tier zu Tier. Die Reduzierung der Wildschweindichte sei daher eine Maßnahme des Seuchenschutzes, sagte Mettenleiter. So seien die Fallzahlen im Baltikum zwar durch verstärkte Jagd gesunken, die Restpopulationen hätten sich aber schnell wieder vermehrt. Dass die Seuche in einer Region eine größere Wildschweinpopulation ausgerottet habe, sei noch nicht passiert. «Ich gehe nicht davon aus, dass wir da auch nur in die Nähe kommen», sagte Mettenleiter. «Die Population ist schneller als das Virus.»

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (09/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Irans Feigenblatt sorgt für grüne Zahlen an der Wall Street
25.09.2026

Ein unerwarteter Wendepunkt im Nahen Osten sorgt für Bewegung an den Märkten – erfahren Sie, welche Aktien jetzt besonders profitieren.

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO rückt näher, OpenAI bremst: Was passiert mit den Rekord-Börsengängen?
25.09.2026

Was ist über Zeitplan, Bewertungen und Forderungen nach einer langsameren KI-Entwicklung vor den angekündigten Börsengängen bekannt?

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Henkel feiert 150 Jahre: Das sind die größten Herausforderungen
25.09.2026

Mit seinen bekannten Markenprodukten prägt Henkel seit Jahrzehnten den Alltag vieler Kunden. Ein Blick auf wichtige Meilensteine, Krisen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milliardeninvestition richtet Hunderte Satelliten auf Putin
25.09.2026

Die finnische Satellitenfirma Iceye spielt bereits eine wichtige Rolle für die Ukraine und ihre Angriffe auf russische Ziele. Nun will das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gold für mehr als acht Milliarden Dollar: Russland meldet weitere Verkäufe
25.09.2026

Russlands Zentralbank verkauft seit Jahresbeginn kontinuierlich Gold. Fast 56 Tonnen verschwanden bereits aus den offiziellen Reserven, ihr...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Defekte Schraube an der Lenkung: Großrückruf bei VW, Audi und Seat
25.09.2026

Wegen möglicher Mängel an der Lenkung muss der Volkswagen-Konzern bundesweit fast eine Million Fahrzeuge der Marken VW, Audi und Seat in...

DWN
Politik
Politik Protest gegen den Zwang: Zehntausende Schüler gehen gegen drohende Wehrpflicht auf die Straße
25.09.2026

Die Sorge vor einer Rückkehr der Wehrpflicht treibt die Jugend auf die Straße. Mit einem bundesweiten Aktionstag fordert eine...

DWN
Politik
Politik Neue Sitzordnung und Streit um Ausschüsse: Landtag von Sachsen-Anhalt vor Neuausrichtung
25.09.2026

Im Landtag von Sachsen-Anhalt stehen vor der anstehenden konstituierenden Sitzung spürbare Veränderungen an. Neben optischen Anpassungen...