Deutschland

Corona: Psychische Folgen des Lockdowns werden zum Wirtschaftsfakor

Die Corona-Pandemie und der Lockdown haben bei vielen Menschen psychische Spuren hinterlassen, welche sich inzwischen als Wirtschaftsfaktor negativ bemerkbar machen.
03.10.2020 16:41
Lesezeit: 2 min
Corona: Psychische Folgen des Lockdowns werden zum Wirtschaftsfakor
Eine Frau steht im Zwielicht an einem Baum. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Die Corona-Pandemie stellt nicht nur ein Risiko für die körperliche Gesundheit dar, sondern könnte auch schwerwiegende Folgen für die psychische Gesundheit von Menschen rund um den Globus haben. Das haben Experten aus Deutschland, Südafrika, Spanien und Nigeria bei einem virtuellen Podiumsgespräch betont, das die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina gemeinsam mit der Südafrikanischen Akademie der Wissenschaften ASSAf organisierte.

Während es für eine Bewertung der psychischen Langzeiteffekte noch zu früh sei, zeigten erste Erhebungen bereits, dass Depressionen, Angststörungen und andere psychische Erkrankungen vor allem während der strengeren Lockdown-Phasen zugenommen hätten.

So berichtete die Psychologin Berta Ausín von der Universität von Madrid von einer Verdoppelung der Zahl von Menschen mit depressiven Symptomen während der ersten 100 Tage der Pandemie in Spanien. Auch Ashraf Kagee von der Universität Stellenbosch beschrieb einen deutlichen Anstieg für Südafrika. Andreas Heinz, Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Berlin, erklärte, dass genaue Daten für Deutschland bislang noch ausstünden, Krankmeldungen aufgrund psychischer Diagnosen aber zugenommen hätten. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse lag deren Anteil am Gesamtkrankenstand im ersten Halbjahr 2020 bei fast 20 Prozent.

Zu den Faktoren, welche psychischen Stress verursachten, gehörten den Experten zufolge die Angst vor einer Ansteckung ebenso wie soziale Isolation infolge der Lockdown-Maßnahmen und finanzielle Unsicherheit aufgrund der ökonomischen Folgen der Pandemie. Hinzu komme eine Stigmatisierung von positiv Getesteten. Neben ihnen gehörten Menschen mit psychischen Vorerkrankungen, Frauen, Jüngere und sozial Schwache zu den besonders gefährdeten Gruppen.

Wichtig seien daher finanzielle Hilfen für Menschen, die beispielsweise aufgrund der Pandemie ihren Arbeitsplatz verloren hätten. Ebenso sollten sich Regierungen bemühen, frühzeitig und umfassend über das Virus und seine Folgen zu informieren, so Psychologe Kagee. Es habe sich gezeigt, dass derartige Informationen zusammen mit schnellen Schutzmaßnahmen das mentale Stresslevel in einer Bevölkerung senkten.

DAK: Krankschreibungen wegen psychischer Probleme auf Höchststand

Die Zahl der Krankheitstage wegen psychischer Probleme hat laut der Krankenkasse DAK-Gesundheit einen Höchststand erreicht. 2019 sei die Zahl der Fehltage von Arbeitnehmern wegen Depressionen, Angst- oder Belastungsstörungen gegenüber dem Vorjahr um 24 auf 260 Tage pro 100 Versicherte gestiegen, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag). Das sei der höchste Stand seit Beginn der Untersuchung 1997. Seitdem habe sich die Zahl mehr als verdreifacht.

Am häufigsten fehlten Arbeitnehmer demnach wegen einer Depression. Frauen waren mit 328 Tagen je 100 Versicherte deutlich länger wegen psychischer Probleme krankgeschrieben als Männer (203 Fehltage). Unterschiede gab es auch bei den Regionen. Während es zum Beispiel im Saarland laut dem Bericht 340 Fehltage je 100 Versicherte gab, waren es in Baden-Württemberg nur 207.

Der DAK-Psychoreport ist eine Langzeitanalyse, für die das IGES Institut die anonymisierten Daten von rund zwei Millionen erwerbstätigen Versicherten auswertet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Politik
Politik Stoppen, abschwächen, zerschlagen: NATO-Oberbefehlshaber erläutert Reaktion auf einen Angriff
14.10.2026

General Alexus Grynkewich, Oberster Alliierter Befehlshaber der NATO in Europa, hat beim Warsaw Security Forum die „Theorie des Sieges“...

DWN
Finanzen
Finanzen Roboter-Aktien: Investoren sehen Chancen im globalen Robotik-Wettlauf
14.10.2026

Physische KI gilt für viele Techinvestoren als das nächste große Thema an den Aktienmärkten. Mehrere Roboter-Aktien könnten davon...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sie sollen Palantir beim französischen Geheimdienst ersetzen, jetzt nehmen sie Dänemark ins Visier
14.10.2026

Mehrere europäische Staaten hinterfragen ihre Abhängigkeit von amerikanischer Sicherheitssoftware. Davon will das französische...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt wegen schwacher Chip-Aktien nach
13.10.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Wall Street heute bewegt haben.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russland erzielt mit Europas Energiekäufen Einnahmen von rund 322 Milliarden Euro
13.10.2026

Europa will seine Energieabhängigkeit von Russland beenden. Doch trotz Sanktionen fließt weiterhin eine große Menge Kapital nach Moskau....

DWN
Finanzen
Finanzen Rente 2026: Fast 2.000 Euro? Für die meisten ein Traum – 5 Zahlen zeigen die Realität
13.10.2026

Die Politik verweist auf ein stabiles Rentenniveau und knapp 2.000 Euro Standardrente. Doch amtliche Zahlen zeigen: Das ist ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland baut neue Bahnstrecke von Hamburg nach Hannover – aber erst 2050
13.10.2026

Überlastete Strecke: Zwischen Hamburg und Hannover fahren täglich rund 200 Güterzüge, dazu ICE- und Regionalzüge. Staus und...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg: Hat Trump den größten Fehler der USA begangen?
13.10.2026

Donald Trump wollte Iran in die Knie zwingen. Stattdessen gerät die amerikanische Supermacht selbst unter Druck. Der Krieg verschlingt...