Deutschland

Wegen CO2-Abgabe: Die Gaspreise werden im kommenden Jahr deutlich steigen

Verbraucher in Deutschland müssen sich im kommenden Jahr auf höhere Gaspreise einstellen. Grund sind der Start des CO2-Preises sowie höhere Netzentgelte.
25.10.2020 11:47
Aktualisiert: 25.10.2020 11:47
Lesezeit: 1 min
Wegen CO2-Abgabe: Die Gaspreise werden im kommenden Jahr deutlich steigen
10.09.2015, Niedersachsen, Hohenhameln: Das Kohlekraftwerk Mehrum und Windräder produzieren Strom. Ein möglicher CO2-Preis, ob als Steuer, Abgabe oder Emissionshandel, soll den Ausstoß von Treibhausgasen verteuern und damit klimafreundliche Technologien fördern. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Verbraucher in Deutschland müssen sich im kommenden Jahr auf höhere Gaspreise einstellen. Grund sind der Start der CO2-Abgabe sowie höhere Netzentgelte, wie aus Berechnungen des Vergleichsportals Verivox hervorgeht. „Wir rechnen damit, dass die Gaspreise im kommenden Jahr wieder deutlich anziehen“, sagte Verivox-Energieexperte Thorsten Storck.

Laut Verivox werden die Gebühren für die Gasnetze im Jahr 2021 im bundesweiten Durchschnitt um zwei Prozent ansteigen. Basis seien vorläufige Veröffentlichungen der Verteilnetzbetreiber. In die Betrachtung seien 84 Prozent der Gasversorgungsgebiete eingeflossen.

Für einen Musterhaushalt in einem Einfamilienhaus mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden bedeute dies Mehrkosten von rund 8 Euro im Jahr. Regional gebe es jedoch große Unterschiede.

Der Gaspreis für Haushaltskunden setzt sich zusammen aus den Beschaffungskosten, den Entgelten für die Netznutzung sowie Steuern. 2021 startet die CO2-Bepreisung im Verkehr und bei Gebäuden. Ziel ist es, fossile Brenn- und Kraftstoffe weniger attraktiv zu machen und zum Umstieg auf angeblich klimafreundlichere Alternativen anzuregen. Der Emissionshandel beginnt mit einem fixen CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne. Laut Umweltministerium bedeutet dies, das etwa Erdgas um 0,6 Cent pro Kilowattstunde teurer wird.

Nach den Berechnungen von Verivox bedeutet dies für einen Musterhaushalt in einem Einfamilienhaus eine Mehrbelastung von 108 Euro pro Jahr. „Reichen die Versorger die gestiegenen Netzentgelte und den CO2-Preis in voller Höhe an ihre Kunden weiter, würde sich Gas im kommenden Jahr sogar um rund 11 Prozent verteuern“, so Storck.

Einen preisdämpfenden Effekt könnte aber die Entwicklung an den Rohstoffmärkten haben. So seien die Großhandelspreise seit Jahresbeginn deutlich gesunken - deswegen waren auch die durchschnittliche Gaspreise in diesem Jahr zurückgegangen. Die niedrigeren Beschaffungskosten geben laut Storck Spielraum, Preiserhöhungen nicht ganz so hoch ausfallen zu lassen.

Die Bundesregierung will die Bürger mit dem Start des CO2-Preises an anderer Stelle entlasten. So steigt die Pendlerpauschale für Arbeitnehmer mit längeren Fahrwegen. Außerdem musste die Regierung einen starken Anstieg der Strompreise durch einen Milliarden-Bundeszuschuss bei der EEG-Umlage verhindern.

Noch umstritten innerhalb der Bundesregierung ist es, wie zusätzliche Heizkosten zwischen Mietern und Vermietern aufgeteilt werden sollen. Die SPD-geführten Bundesministerien für Umwelt, Justiz und Finanzen wollen, dass Vermieter höchstens die Hälfte der Zusatzkosten, die künftig beim Heizen mit Öl oder Erdgas entstehen, auf die Miete aufschlagen dürfen. Bundesumweltministerin Svenja Schulz (SPD) hatte gesagt: „Es sind schließlich die Vermieter, die über eine neue Heizung entscheiden. Darum sollten sie auch ihren Anteil am CO2-Preis tragen.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gestiegene Betriebskosten: Wachsender Druck auf Produktionsbetriebe

Die deutsche Wirtschaft steht im Jahr 2026 vor enormen Herausforderungen, welche die Gewinnspannen der Betriebe spürbar verringern. Laut...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Wird die Straße von Hormus in zwei Jahren zu einer wertlosen Wasserfläche?
23.09.2026

US-Finanzminister Scott Bessent behauptet, dass die Straße von Hormus durch den Bau neuer Ölpipelines ihre strategische Bedeutung...

DWN
Politik
Politik Russland-Sanktionen: EU hebt Sanktionen gegen russische Milliardäre auf
23.09.2026

Sie sorgten für viel Zoff unter den EU-Ländern, doch nach langem Ringen steht fest: Zwei milliardenschwere russische Oligarchen sind...

DWN
Technologie
Technologie Branchenmesse Innotrans: KI soll Bahnreisen effizienter machen
23.09.2026

Künstliche Intelligenz wird auch im Zugverkehr eine große Rolle spielen, sind sich Fachleute sicher. Einen Eindruck davon bekommt man auf...

DWN
Finanzen
Finanzen Trotz Bargeldliebe: Deutschland holt beim Digitalzahlen auf
23.09.2026

Bargeld spielt in Deutschland traditionell eine große Rolle, doch Verbraucher zahlen immer öfter elektronisch oder per Karte, zeigt eine...

DWN
Politik
Politik Deutschland in der Nato: General Breuer wird Vorsitzender des Nato-Militärausschusses
23.09.2026

Deutschland trägt erheblich zur Steigerung der Verteidigungsfähigkeit Europas bei. Nun wird der ranghöchste Soldat der Bundeswehr...

DWN
Technologie
Technologie Deutscher KI-Markt verdoppelt Ausgaben für generative KI
23.09.2026

KI-Software bleibt Wachstumstreiber: Deutsche Unternehmen investieren 2026 deutlich mehr, um Prozesse zu beschleunigen und Produkte zu...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gold für mehr als acht Milliarden Dollar: Russland meldet weitere Verkäufe
23.09.2026

Russlands Zentralbank verkauft seit Jahresbeginn kontinuierlich Gold. Fast 56 Tonnen verschwanden bereits aus den offiziellen Reserven, ihr...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: US-Indizes schließen uneinheitlich, da Trump ein Iran-Abkommen nach den Zwischenwahlen für möglich hält
22.09.2026

Politische Signale und starke Einzelwerte bewegen die Märkte im späten Handel.