Deutschland

Regierungssprecher Seibert: Lockdown wird bestehen bleiben

Vom Treffen der Ministerpräsidenten der Länder mit Kanzlerin Merkel am Montag ist keine Abmilderung der Corona-Maßnahmen zu erwarten, sagte Regierungssprecher Seibert am Freitag. In dieser Einschätzung ist er sich mit praktisch allen Entscheidungsträgern einig und Umfragen zufolge stimmt offenbar auch die Mehrheit der Deutschen zu.
13.11.2020 16:58
Aktualisiert: 13.11.2020 16:58
Lesezeit: 2 min

Bei ihrer Videokonferenz am Montag werden Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder nach Einschätzung von Regierungssprecher Steffen Seibert an den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie festhalten. Beim Stand der Dinge seien für Montag "keine Lockerungen zu erwarten", sagt Seibert vor Journalisten in Berlin. "Die kann es nicht geben." Bei der Entwicklung der Infektionszahlen könne von einer Wende noch nicht die Rede sein. Es gebe seit einigen Tagen zwar vorsichtig gute Nachrichten. Der Anstieg der Zahlen habe sich abgeflacht, aber die Zahlen stiegen immer noch an.

Merkel und weitere Mitglieder der Bundesregierung wollen am Montag in einer Videokonferenz mit den Ministerpräsidenten die Lage bewerten, nachdem sie am 28. Oktober den Teil-Shutdown ab 2. November beschlossen hatten. Seibert sagte, es sei zu früh, die Wirksamkeit der Maßnahmen abschließend zu beurteilen. Ziel sei es weiterhin, die Zahl der Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner im Sieben-Tage-Durchschnitt wieder auf 50 zu senken. Diese liegt bundesweit laut den Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) derzeit jedoch bei rund 140 - mit Höchstwerten von rund 190 und 180 Fällen in Berlin und Bayern. Bei den nachgewiesenen Ansteckungen binnen 24 Stunden meldete das RKI mit 23.542 Fällen einen Höchststand und rund 2000 mehr als eine Woche zuvor.

In der Bevölkerung überwiegt laut einer Umfrage für das ZDF die Einschätzung, dass die Maßnahmen den Anstieg der Corona-Infektionen begrenzen werden. Davon seien 55 Prozent der Befragten überzeugt, 43 Prozent bezweifelten dies, hieß es im ZDF-Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen. Von den Befragten seien 26 Prozent für weitergehende Maßnahmen, während 14 Prozent die derzeitigen Maßnahmen für übertrieben hielten.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) stimmten die Bürger auf ein eingeschränktes Weihnachten ein. "Dieses Virus hat eine lange Bremsspur", sagte Spahn. Große Feierlichkeiten wie etwa betriebliche Weihnachtsfeiern oder Geburtstags- und Hochzeitsfeste seien absehbar nicht machbar. Das werde man im Winter durchhalten müssen. Söder sagte auf die Frage, wie man Weihnachten feiern werde, dem "Münchner Merkur": "Ehrlich gesagt, kann es keiner zu hundert Prozent garantieren."

Das Bundeswirtschaftsministerium geht davon aus, dass durch die Corona-Einschränkungen vor allem der Konsum einen Dämpfer erleiden werde. "Solange die zusätzlichen Maßnahmen begrenzt bleiben können, spricht aber wenig dafür, dass der Aufholprozess im vierten Quartal insgesamt abbricht", heißt es im Monatsbericht des Ministeriums. Für von den Schließungen betroffene Betriebe hat die Bundesregierung Novemberhilfen von über zehn Milliarden Euro angekündigt. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte am Donnerstag mitgeteilt, die Betriebe könnten bis Monatsende mit ersten Abschlagszahlungen rechnen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband kritisierte, bis zu 10.000 Euro seien für etwa die Hälfte der gastgewerblichen Betriebe zu wenig. Die Liquiditätsengpässe seien akut.

Auch für Krankenhäuser soll es angesichts einer steigenden Auslastung der Intensivbetten weitere Hilfen geben. Union und SPD hätten sich darauf verständigt, die Zahlungen für freigehaltene Betten dieses Mal von der konkreten Infektionslage vor Ort abhängig zu machen, berichtete das Portal "The Pioneer". Eine im März vereinbarte Freihaltepauschale für Betten von 560 Euro täglich war Ende September ausgelaufen.

Weiterlesen: Robert-Koch-Institut will Deutschland noch über Monate im Lockdown halten

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Kurssturz bei Chip-Aktien setzt sich fort, während das Verbrauchervertrauen sinkt
28.07.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Märkte bewegen und warum Anleger jetzt genau hinsehen müssen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bundesbank: Mini-Wachstum im Frühjahr trotz Iran-Krieg
28.07.2026

Trotz des Iran-Kriegs und steigender Energiepreise bleibt die deutsche Wirtschaft stabil. Wie Verbraucher und Industrie dem Gegenwind...

DWN
Finanzen
Finanzen 20.000 Euro für Loyalität: Warum ASML Mitarbeiter halten will
28.07.2026

Das niederländische Unternehmen ASML spielt eine entscheidende Rolle für die weltweite Chip-Produktion, seine Aktie ist jedoch bereits...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Firmen streichen Ausbildungsplätze
28.07.2026

Immer weniger Ausbildungsplätze treffen auf immer weniger Bewerber. Das ist aber sowohl für Betriebe als auch für junge Menschen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft schlägt Alarm: Hohe Energiekosten treiben Unternehmen ins Ausland
28.07.2026

Deutschlands Unternehmen kämpfen weiter mit hohen Energiekosten. Was zunächst wie ein kurzfristiges Problem erschien, entwickelt sich...

DWN
Finanzen
Finanzen Kreditkarten vor dem Aus: Mastercard plant den radikalen Umbau
28.07.2026

Kreditkartennummern könnten beim Onlinekauf schon bald der Vergangenheit angehören. Mastercard will Europas digitale Zahlungen bis 2030...

DWN
Technologie
Technologie RWE baut Mega-Speicher im Tagebau Hambach
28.07.2026

RWE verwandelt den Tagebau Hambach zunehmend in einen Standort für erneuerbare Energien. Ein neuer Großbatteriespeicher soll künftig...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Edelmetall fällt vor Fed-Entscheid Richtung 4.000 Dollar – wie geht es weiter?
28.07.2026

Der Goldpreis steht am Dienstag unter Druck. Vor der Fed-Zinsentscheidung rückt er wieder näher an die Marke von 4.000 Dollar. Anleger...