Unternehmen

Berliner Hersteller startet Verleih-Service von Verkaufs-Robotern

Grundsätzlich ist der deutsche Roboter-Markt der größte in Europa. Jetzt bildet sich langsam ein neues geschäftliches Segment heraus.
13.11.2020 17:13
Aktualisiert: 13.11.2020 17:13
Lesezeit: 2 min
Berliner Hersteller startet Verleih-Service von Verkaufs-Robotern
Roboter sind mittlerweile überall im Einsatz. Hier eine Reinigungsmaschine. (Foto: dpa) Foto: Soeren Stache

Auf dem Robotermarkt kommt gegen Jahresende eine Dienstleistung verstärkt in die Diskussion, die in Deutschland grundsätzlich noch in den Kinderschuhen steckt – und zwar die Roboter-Leihe: So bietet ein Berliner Unternehmen eine Maschine an, die als Verkaufsassistent eingesetzt werden kann.

Das Besondere: Der Roboter wird anfänglich an den Kunden nur verliehen. Sollte sich der Roboter-Leiharbeiter bewähren, dann kann er nach Ablauf einer Frist „übernommen“ werden. Das heißt, der Kunde kauft ihn dann. Der Berliner Hersteller pia4 robotics verspricht, dass der Roboter nach 48 Stunden eingelernt ist und dann seinen Dienst verrichten kann.

Hintergrund: Dieser Service besteht in Deutschland erst einigen Jahren, so dass die Zahl der Anbieter überschaubar bleibt, die neben pia4 robotics ihre Produkte verleiht. In den USA hingegen hat sich dieses Geschäft schon etabliert. Die Schätzungen liegen bei Umsätzen im zweistelligen Milliarden-Dollar-Bereich. Allerdings verleihen die Unternehmen überwiegend Plattform-Technologien und andere Teile der IT-Infrastruktur. Ihre Zahl liegt bei rund 50 Firmen, die sich in diesem Geschäftsfeld engagieren.

Wichtig: Die Leih-Firmen suchen sich ihre Kunden in den Branchen, die bisher nur sehr wenig automatisiert sind wie die Pflegebranche oder die Gebäude-Reinigung. Denn die Maschinen, die hier angeboten werden, muss relativ leicht programmierbar und verständlich für die Kunden sein.

Im Gegensatz dazu verfügen die Roboter, die in den großen Industrien wie der Autobranche eingesetzt werden, über eine komplexe Hochtechnologie, die sich nicht so einfach einsetzen lässt. Hier benötigen die Anwender großes Know-how und langfristige Einsatzzeiten, so dass hier eine Leihe im Prinzip nicht möglich ist.

Grundsätzlich gehört Deutschland zu den Ländern weltweit, in denen der Robotermarkt weit entwickelt ist. Das Land ist einem aktuellen Bericht des Internationalen Roboter-Verbandes IFR die Volkswirtschaft, die am stärksten automatisiert ist. So setzen die deutschen Unternehmen derzeit rund 221.500 Maschinen – etwa drei Mal so viel wie in Italien und rund zehn Mal so viel wie in Großbritannien.

Institut der Deutschen Wirtschaft: keine Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

„Der Einsatz von Industrie-Robotern in Europa hat mit rund 580.000 Einheiten einen historischen Höchststand erreicht – der Bestand stieg um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, sagt Milton Guerry, Präsident der IFR. Dabei liegt Deutschlands Anteil am europäischen Roboterbestand bei 38 Prozent. Das Land befindet sich weltweit auf dem fünften Rang. Davor rangieren nur China, Japan, Süd-Korea und die USA.

Da die Roboter hierzulande eine so große Bedeutung spielen, ist es nur folgerichtet, dass sich nur noch ein neues Segment mit der Roboter-Leihe herausbildet. Da diese neue Dienstleistung stark an eine Personalvermittlung erinnert, kommt die Frage auf, ob die neuen Maschinen auch in der Lage sind, den Arbeitsmarkt zu beeinflussen. Möglicherweise könnte künftig Arbeitnehmer ihre Jobs verlieren.

Doch widerspricht diesen Befürchtungen der Leiter Arbeitsmarkt und Arbeitsmarkt beim Institut der Deutschen Wirtschaft (IW), Oliver Stettes. Der Experte hat das Thema schon sehr lange auf dem Schirm. Seinen Aussagen zufolge geht aus seinen Untersuchungen nicht hervor, dass sich der Einsatz von Robotern auf den Arbeitsmarkt auswirkt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

 

DWN
Technologie
Technologie Batterie-Boom treibt Deutschland in neue China-Abhängigkeit
16.06.2026

Deutschlands Batterieproduktion erreicht einen Rekordwert – doch mit dem Boom wächst zugleich die Abhängigkeit von China. Die Branche...

DWN
Politik
Politik Der EU-Waffenchef warnt eindringlich: "Wir produzieren die falschen Waffen!"
16.06.2026

Der EU-Verteidigungskommissar warnt vor einem gefährlichen Missverhältnis in Europas Rüstungsstrategie. Während Donald Trumps...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bund lehnt Unicredit-Angebot für Commerzbank ab
16.06.2026

Der Bund stellt sich offen gegen die Übernahme der Commerzbank durch die Unicredit und verschärft damit den Machtkampf um Deutschlands...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tankrabatt verpufft: Millionen bleiben bei den Konzernen
16.06.2026

Der Tankrabatt sollte Autofahrer entlasten – doch nach Einschätzung von Experten kam ein Teil der Milliarden gar nicht bei ihnen an.

DWN
Politik
Politik EU stimmt US-Zolldeal zu – und droht mit Gegenzöllen
16.06.2026

Die EU macht den Weg für das Zollabkommen mit den USA frei, baut aber ein Sicherheitsnetz gegen neue Alleingänge aus Washington ein....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kostenfalle Deutschland: Was Betriebe heute wirklich zahlen
16.06.2026

Energie doppelt so teuer wie in den USA, Lohnstückkosten 22 Prozent über globalem Schnitt, Bürokratie bindet 7 Prozent der Arbeitszeit,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autokrise in China setzt VW und Mercedes unter Druck
16.06.2026

China galt jahrelang als Wachstumsmotor der Autoindustrie – doch nun brechen die Verkäufe massiv ein und setzen auch deutsche Hersteller...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kaufen? Der Superzyklus steht erst am Anfang
16.06.2026

Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich seit 2022 bereits vervielfacht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Europas Aufrüstung und...