Unternehmen

Bundeskriminalamt will mit Künstlicher Intelligenz Cyber-Kriminalität bekämpfen

Der Mittelstand gehört zu der Firmengruppe in Deutschland, die besonders unter Cyber-Angriffen leidet. Jetzt hat das Bundeskriminalamt mit Wissenschaftlern eine Initative gestartet, um den Verbrechern das Handwerk zu legen.
16.11.2020 17:13
Aktualisiert: 16.11.2020 17:13
Lesezeit: 2 min
Bundeskriminalamt will mit Künstlicher Intelligenz Cyber-Kriminalität bekämpfen
Die Kriminalpolizei arbeitet jetzt mit Wissenschaftlern zusammen, um Cyber-Verbrecher zu bekämpfen. (Foto: dpa) Foto: Sebastian Gollnow

Das Bundeskriminalamt und das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz wollen Künstliche Intelligenz für polizeiliche Zwecke einsetzen. Wie die Ämter mitteilten, haben sie deswegen eine Absichtserklärung mit dem "Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz" (DFKI) in Kaiserslautern unterzeichnet.

Dafür richten die Partner ein gemeinsames Team ein, das Anfang 2021 mit seiner Arbeit beginnen soll und zunächst auf ein Jahr ausgelegt ist. Die Gruppe wird dabei Künstliche Intelligenz anwenden. Darüber hinaus sollen die Ergebnisse der Forschungskooperation auch den Polizeien des Bundes und der Länder zur Verfügung gestellt werden.

Hintergrund: Wenn die Polizei versucht, Cyber-Verbrechern das Handwerk zu legen, muss sie oft eine ungeahnt große Menge an Daten verarbeiten. So wird eine wichtige Aufgabe der neuen Gruppe sein, diese immensen Datenmengen zu selektieren und danach zu bewerten, inwieweit sie für die Strafverfolgung notwendig sind.

Außerdem wird sie mit der Analyse unstrukturierter Rohdaten befasst sein, was überwiegend dann notwendig ist, wenn Tatverdächtige damit rechnen, dass die Polizei bei ihnen Durchsuchungsmaßnahmen durchführt. Dann löschen sie oft Daten von digitalen Endgeräten, so dass nur noch Rohdaten in fragmentierter Form zurückbleiben.

Künstliche Intelligenz ist eine Schlüssel-Technologie für die Polizei

"Für das Bundeskriminalamt ist die Künstliche Intelligenz eine Schlüsseltechnologie, die dazu beitragen kann, die Effizienz der Polizeiarbeit zu steigern. Insbesondere im Umgang mit großen Datenmengen sehen wir großes Potenzial für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Erste Projekte hierzu hat das Bundeskriminalamt bereits umgesetzt", sagte Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes.

"Der direkte Wissenstransfer aus dem Forschungszentrum in die polizeiliche Organisation ist in dieser Form neu. Im LKA sollen im kommenden Jahr zwei Stellen für Mitarbeiter geschaffen werden, die zu Beginn im Transferlab eingesetzt sind und anschließend ihre Erfahrungen direkt bei uns einbringen", erklärte LKA-Präsident Johannes Kunz.

"Wir freuen uns, unsere KI-Expertise und -Technologien für die Verbrechensbekämpfung und -aufklärung so prominent einsetzen zu können. Im Dialog mit BKA und LKA Rheinland-Pfalz konnten wir sehr gut sehen, vor welchen wachsenden Herausforderungen die Kolleginnen und Kollegen in der Beweissicherung und Forensik angesichts immer weiter zunehmender Datenmengen und technologischer Weiterentwicklungen heute stehen", fügte Professor Andreas Dengel, Geschäftsführender Direktor des DFKI hinzu.

Von der neuen Kooperation profitiert auch der Mittelstand, der als potenzielles Opfer von Cyber-Angriffen gilt. Früheren Schätzungen des BKA aus zufolge haben die deutschen Unternehmen 2018 allgemein durch Wirtschaftskriminalität Einbußen von 3,4 Milliarden Euro hinnehmen müssen - also auch durch Angriffe aus dem Internet. Dabei sei die Dunkelziffer sogar noch wesentlich höher, hieß es.

Aus der aktuellen Studie "Cyber Security 2020" führen die Mittelständler die Liste der Firmen an, die dadurch am häufigsten wirtschaftliche Schäden erleiden mussten. Die Umfrage wurde Mitte November unter anderem von der Fachpublikation "Computerwoche" herausgegeben. 55 Prozent der Geschädigten waren Mittelständler, während 45 Prozent Großunternehmen waren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Wandel im Vaping-Markt: Nachhaltigkeit und Kostendruck treiben Wechsel zu Mehrwegsystemen

Der Markt für E-Zigaretten durchlebt eine tiefgreifende Transformation. Lange Zeit galten Einweg-Vapes, popularisiert durch Marken wie Elf...

 

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ende der Einspeisevergütung: Was sich durch die EEG-Reform bei der Solarförderung ändert
29.07.2026

Die Bundesregierung stellt die Förderung von Solarstrom grundlegend um. Das Kabinett hat eine Reform des EEG beschlossen, die private...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie: Starke Quartalszahlen stützen Erholung, Cashflow bleibt Belastungsfaktor
29.07.2026

Nach Monaten deutlicher Kursverluste zeigt sich die Rheinmetall-Aktie am Mittwoch von ihrer besten Seite – dank starker Quartalszahlen....

DWN
Finanzen
Finanzen DWS-Aktie sackt ab: Deutsche-Bank-Tochter enttäuscht mit Erträgen
29.07.2026

Auf den ersten Blick liefert DWS starke Zahlen: Milliarden fließen neu in die Fonds, das verwaltete Vermögen erreicht einen Höchststand...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererklärung 2025: So nutzen Sie die neuen Freibeträge und Steuerpauschalen
29.07.2026

Die Steuererklärung 2025 müssen pflichtveranlagte Steuerzahler bis spätestens 31. Juli 2026 beim Finanzamt einreichen. Auch in diesem...

DWN
Finanzen
Finanzen BMW-Aktie unter Druck: Anlegern reicht BMW-Stellenabbau offenbar nicht aus – BMW-Zahlen stehen an
29.07.2026

BMW galt lange als Ausnahme unter den deutschen Autobauern. Nun folgt ein BMW-Stellenabbau, der Münchener Autobauer verschärft seinen...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Prognose 2027: Kommt jetzt der nächste große Kursrutsch?
29.07.2026

Nach einem Kursrückgang von über 25 Prozent seit dem Goldpreis-Rekordhoch Ende Januar haben Anleger ihre Investitionen in Gold-ETFs...

DWN
Politik
Politik Russland-Sanktionen: Nach griechischem Veto sucht die EU neue Wege
29.07.2026

Wochenlang blockierte Griechenland ein neues EU-Sanktionspaket gegen Russland – wegen der Interessen eines einzigen...

DWN
Politik
Politik Verpasster Neustart: Merz' Regierungsumbau sorgt für neue Spannungen
29.07.2026

Mit acht Personalwechseln in kurzer Zeit setzt Bundeskanzler Friedrich Merz auf einen politischen Neustart. Während neue Minister und...