Finanzen

Großinvestoren schichten von Gold nach Bitcoin um

Daten aus den vergangenen Wochen deuten darauf hin, dass Privatinvestoren im großen Stil von Gold nach Bitcoin umschichten. Der aktuelle Bitcoin-Bullenmarkt verspricht daher neue Rekordstände.
24.11.2020 09:00
Lesezeit: 3 min
Großinvestoren schichten von Gold nach Bitcoin um
Der JP Morgan-Vorstandsvorsitzende Jamie Dimon. (Foto: dpa) Foto: Michael Reynolds

Der Bitcoinkurs bewegt sich derzeit in Richtung 19.000 Dollar, hat sich also seit März dieses Jahres etwa vervierfacht. In naher Zukunft könnte der Preis sogar sein bisheriges Allzeithoch von knapp 20.000 Dollar im Dezember 2017 erreichen und übersteigen. Hintergrund des starken Preisanstiegs ist die wachsende Verbreitung von Kryptowährungen im traditionellen Finanzsystem.

So ermöglicht der Online-Zahlungsdienstleister PayPal seinen Kunden nun Zahlungen mit den vier Kryptowährungen Bitcoin, Ethereum, Bitcoin Cash und Litecoin. Zwar müssen die Kunden ihre digitalen Münzen dabei von PayPal verwahren lassen und können sie auch nur über PayPal kaufen und verkaufen, und möglicherweise will das Unternehmen auch nur vom Boom profitieren. Doch die Nachfrage ist dennoch gegeben.

Zudem ist PayPal nicht das einzige Unternehmen, das sich auf den fortgesetzten Aufstieg der Kryptowährungen eingestellt hat. Auch das US-Zahlungsunternehmen Square hat 4.709 Bitcoins im Wert von etwa 50 Millionen Dollar gekauft. Dies entspricht etwa 1 Prozent des Gesamtvermögens von Square zum Ende des zweiten Quartals 2020, wie CNBC berichtet.

"Square ist der Ansicht, dass Kryptowährungen ein Instrument zur wirtschaftlichen Stärkung sind und der Welt die Möglichkeit bietet, an einem globalen Währungssystem teilzunehmen, was mit den Zielen unseres Unternehmens übereinstimmt", sagte Square letzte Woche Donnerstag in einer Pressemitteilung.

Und selbst große etablierte Banken wie JP Morgan haben begonnen, mit Kryptowährungen zu experimentieren. So sagte CEO Jamie Dimon auf dem DealBook-Gipfel am 18. November: "Blockchain wird entscheidend dafür sein, dass die Menschen ihr Geld billiger um die Welt bewegen können. Wir werden die Blockchaintechnologie immer unterstützen".

Zudem sagte Dimon, dass einige "sehr kluge Leute derzeit in Bitcoin investieren". Diese Äußerungen stehen im krassen Gegensatz zu seinen Kommentaren von vor drei Jahren. Im September 2017, also etwa drei Monate bevor Bitcoin ein Allzeithoch von fast 20.000 Dollar erreichte, nannte Dimon Bitcoin noch einen "Betrug".

Bereits im Mai hatte JPMorgan damit begonnen, seinen Kunden Geldüberweisungen zu und von Coinbase und Gemini zu ermöglichen, wie Yahoo Finance berichtet. Dies sind zwei der größten in den USA ansässigen regulierten Kryptowährungs-Börsen. Möglicherweise versucht auch JPMorgan lediglich, vom Boom zu profitieren. Doch unabhängig davon treibt die Bank auf diese Weise den Preis weiter nach oben.

Das wachsende Interesse großer Investoren an Bitcoin zeigt sich auch im steilen Anstieg der offenen Positionen von Bitcoin-Derivaten an der CME in Chicago. Die CME ist die größte Terminbörse der Welt und auch eine der weltgrößten Optionsbörsen. Bereits seit Dezember 2017 werden an der CME Bitcoin-Futures gehandelt und seit Januar dieses Jahres auch Bitcoin-Optionen (siehe Grafik, Erklärung zum Unterschied hier).

Der exponentielle Aufstieg des Grayscale Bitcoin Trust mit einem verwalteten Bitcoin-Vermögen von mehr als 10 Milliarden Dollar deutet darauf hin, dass die Nachfrage nach Bitcoin nicht mehr nur von jüngeren Privatanlegern getrieben wird, sondern auch von institutionellen Anlegern wie Familienbüros und Vermögensverwaltern.

Diese institutionellen Investoren sind die größten Investoren des Grayscale Bitcoin Trust. Statt direkt in Bitcoin zu investieren, setzen diese Investoren darauf, an den herkömmlichen Finanzplätzen regulierten Wertpapiere zu erwerben, die mit Bitcoin hinterlegt sind. Dies entspricht eher ihren Gewohnheiten.

Was die starken Zuflüsse in den mit Bitcoin hinterlegten Grayscale Bitcoin Trust in den letzten Wochen noch beeindruckender macht, ist der Kontrast zu den mit Gold hinterlegten Börsenfonds. Denn die Gold-ETFs verzeichnen seit Mitte Oktober erstmals wieder leichte Mittelabflüsse, auch wenn sie den Monat Oktober insgesamt noch leicht im Plus auf einem neuen monatlichen Allzeithoch abschlossen.

Die entgegengesetzten Flüsse bei Bitcoin und Gold deuten darauf hin, dass einige Anleger, die zuvor in Gold-ETFs investierten, nun in Bitcoin investieren. Wie JPMorgan betont, ist das Potenzial für Bitcoin beträchtlich, da die Marktkapitaliesirung von Bitcoin (340 Milliarden Dollar) derzeit nur etwa ein Achtel der Goldanlagen von Privatinvestoren in ETFs, Barren oder Münzen entspricht (2,6 Billionen Dollar).

Sollte Bitcoin im Wettstreit mit Gold auf dem Gebiet der alternativen Währungen tatsächlich erfolgreich sein, so würde die sogenannte Stock-to-Flow-Ratio, also das Verhältnis von existierender Menge zum neuen Angebot, den Preis zusätzlich antreiben. Beim Gold lag das Verhältnis zuletzt bei etwa 60. (Die Goldmenge beträgt laut SeekingAlpha rund 200.000 Tonnen, die jährliche Goldproduktion rund 3.300 Tonnen.)

Zwar wächst die Bitcoinmenge mit einer Stock-to-Flow-Ratio von um die 55 derzeit minimal stärker als die Goldmenge. Doch ab der nächsten Halbierung der Blockbelohnung für die Miner im Jahr 2024 wird sich das Verhältnis erneut mehr als halbieren, da die Menge (Stock) bis dahin weiter wächst und der Zuwachs (Flow) dann auf 3,125 Bitcoin pro Block fällt. Bitcoin ist dann sozusagen eine härtere Währung als Gold.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Forschungsstandort Europa 2026: Zwischen Exzellenz und Sparzwang
25.05.2026

Europa forscht stark, doch Kürzungen bei Horizon Europe bedrohen den Anschluss an USA und China. Was das für Talente, Patente und...

DWN
Politik
Politik Weltbekannter Professor sieht gefährliche Veränderung bei Trump
25.05.2026

Francis Fukuyama sieht Trump politisch geschwächt, aber gerade deshalb gefährlich. Für Dänemark und Grönland könnte die nächste...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI-Arbeitsmarkt: Wer durch KI ersetzt wird, zahlt jahrelang
25.05.2026

KI soll Unternehmen schneller, schlanker und profitabler machen. Doch für Beschäftigte, die durch neue Technologien ihren Job verlieren,...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienempfehlungen: Günstige Aktien trotz KI-Hype, Zinsrisiko und Rüstungsboom
25.05.2026

Viele Anleger jagen weiter den teuersten KI-Gewinnern hinterher, doch Morningstar sieht die spannendere Chance woanders. Zehn globale...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hyundai Kona im Test: Futuristisch, mutig und anders
25.05.2026

Der Hyundai Kona sieht aus, als wolle er nicht jedem gefallen. Genau das macht ihn spannend, denn hinter der mutigen Form steckt ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Klimarisiken in Europa: Warum der Mittelstand besser vorsorgen muss
25.05.2026

Klimarisiken und Nachhaltigkeit werden für Europas Mittelstand zu entscheidenden Faktoren für Finanzierung, Wettbewerbsfähigkeit und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Veggie-Burger-Boom verliert an Tempo: Fleischersatz in Deutschland erstmals rückläufig
25.05.2026

Pflanzliche Fleischalternativen haben den Lebensmittelmarkt in Deutschland stark verändert. Doch nach Jahren kräftigen Wachstums sinkt...

DWN
Technologie
Technologie Meta: WhatsApp-Inkognito-Modus kommt für KI-Unterhaltungen
25.05.2026

Meta erweitert WhatsApp um neue KI-Funktionen und verspricht dabei mehr Datenschutz. Nutzer sollen künftig inkognito mit der Meta AI...