Deutschland

Marktanteile sinken rasant: Der Feldzug gegen den Diesel und seine Folgen

Seit Jahren sinken die Verkaufszahlen von Diesel-Fahrzeugen - umkehren lässt sich der Trend wohl nicht mehr.
07.12.2020 10:23
Lesezeit: 2 min
Marktanteile sinken rasant: Der Feldzug gegen den Diesel und seine Folgen
Deutschland wird "entdieselt." (Foto: dpa) Foto: Marijan Murat

Die Zahl der Neuwagen mit Dieselantrieb geht rapide zurück. Nach einer Analyse des Duisburger Forschungsinstituts „Center Automotive Research“ (CAR) betrug der Diesel-Anteil an den verkauften Neuwagen in Deutschland im Zeitraum zwischen Januar und September dieses Jahres nur noch 29,9 Prozent. In West-Europa (definiert als die Mitgliedsländer vor der Ost-Erweiterung im Jahr 2004 plus Norwegen und die Schweiz) waren es mit 27,2 Prozent noch weniger.

Sowohl für Deutschland als auch für West Europa sind dies die geringsten Werte in den 2000er Jahren. In Deutschland erreichte der Diesel vor acht Jahren, also 2012, mit 48,1 Prozent seinen Höchstanteil (18,2 Prozent mehr als 2020). In West Europa erreichte der Diesel vor neun Jahren, also 2011, seinen Höchstanteil (28,9 Prozent mehr als 2020).

Die rückläufige Tendenz lässt sich für jedes westeuropäische Land feststellen, wobei die Anteile des Diesels am Gesamtneuwagenmarkt doch sehr unterschiedlich ausfallen. Den höchsten Anteil hat er in Irland mit 43,1 Prozent (dem einzigen Land mit mehr als 40 Prozent), es folgen Österreich mit 37,9 Prozent und Italien mit 34,6 Prozent. Mit seinen 29,9 Prozent liegt Deutschland auf Rang sieben. So gut wie gar keine Rolle mehr spielt der Diesel in den Niederlanden mit 4,5 Prozent; es folgen Norwegen (10,3); Finnland (13,8) und Großbritannien (16,8).

In Deutschland sind neue Diesel im Durchschnitt größer als Benziner. Von letzteren hatten im untersuchten Verkaufszeitraum nur sechs Prozent einen Motor mit einem Hubraum von über 2,0 Litern. Bei den Dieseln waren es 19 Prozent. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß pro Kilometer eines Benziners betrug 152,8 Gramm; bei den Dieseln waren es 174,4 Gramm. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass überdurchschnittlich viele Dieselmotoren große Autos, darunter sehr viele Dienstwagen, antreiben.

Ab nächstem Jahr werden Autos mit überdurchschnittlichem Verbrauch (beispielsweise SUVs) höher besteuert. Man kann davon ausgehen, dass dies die Nachfrage nach Diesel-Fahrzeugen weiter verringern wird.

Der Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer von CAR glaubt angesichts dieser Entwicklung und dem Umstand, dass die Politik die Elektromobilität massiv vorantreibt, nicht an ein Comeback des Diesels: „Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs nimmt dem Diesel die Kunden.“ Strengere CO2-Vorgaben der EU und strengere Emissionsregulierungen, die mit EURO 7 vermutlich 2025 kommen, würden Europa „entdieseln“.

Welche Folgen das für den Industrie-Standort Deutschland haben wird, lässt sich derzeit nur erahnen. Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten haben bereits mehrfach davor gewarnt, sich von den bekannten Technologien (Diesel und Benziner) in Ruckzuck-Manier zu verabschieden und stattdessen ausschließlich auf eine Technologie zu setzen, von der alles andere als sicher ist, dass sie in punkto Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit eine Verbesserung darstellt – die sogar in beiden Aspekten einen Rückschritt bedeuten könnte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Online-Handel: Amazon plant Investitionen von rund 16 Milliarden Euro
24.10.2026

16 Milliarden Euro will Amazon 2027 in Deutschland investieren – ein großer Teil soll in Cloud und KI rund um Frankfurt fließen. Was...

DWN
Finanzen
Finanzen Flucht in die Endlichkeit: Wie ein überforderter Anleihemarkt den Bitcoin-Kurs treibt
24.10.2026

Das US-Finanzministerium kauft seine eigenen Schulden zurück, damit sie überhaupt noch jemand haben mag, und der Bitcoin hat das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BMW X5 im Test: Warum die fünfte Generation alles anders macht
24.10.2026

Fast 100.000 Euro Einstiegspreis, bis zu 845 Kilometer elektrische Reichweite und ein Auftritt, der kaum zu übersehen ist: Mit dem neuen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kokain am Arbeitsplatz: Wenn ausgerechnet die besten Mitarbeiter abhängig werden
24.10.2026

Kokain ist längst keine Droge mehr, die nur auf Partys konsumiert wird. Immer häufiger erreicht der Konsum auch den Arbeitsalltag....

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien kaufen: Diese Branchen könnten den KI-Hype schlagen
24.10.2026

Die Börsen brechen Rekorde, doch der Höhenflug steht auf wackligen Beinen. Wenige Technologiekonzerne treiben die Kurse, während...

DWN
Politik
Politik China macht seine Grenzen dicht: Ein neuer Eiserner Vorhang
24.10.2026

China macht seine Grenzen dicht, und längst trifft es nicht mehr nur politisch unbequeme Bürger. Lehrer, Ärzte und KI-Ingenieure dürfen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: KI-Aktien im Fokus, während die Wall Street im Minus bleibt
23.10.2026

Spannung an den Finanzmärkten: Warum Technologiewerte und Rohstoffe die Anleger derzeit in Atem halten.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Erfolgreich mit Bio-Erdnüssen: Zwei Bauern sparen mit KI 90 Prozent der Arbeitskosten
23.10.2026

Trockenheit wird für Europas Landwirtschaft zum immer größeren Problem. Zwei Brüder aus Österreich reagieren darauf mit einer...